Rassismus am Theater:"Der Regisseur fing an, mich Sklave zu rufen"

Lesezeit: 1 min

Ron Iyamu

Der Schauspieler Ron Iyamu, Ensemblemitglied am Schauspielhaus Düsseldorf.

(Foto: Thomas Rabsch)

Weil rassistische Sprüche am Düsseldorfer Schauspielhaus ohne Konsequenzen blieben, geht der Schauspieler Ron Iyamu nun an die Öffentlichkeit.

Von Christiane Lutz

Auf Theaterbühnen prangern Künstler gern gesellschaftliche Missstände an und träumen von einem besseren Miteinander. Hinter der Bühne aber ist das Theater meist nicht besser oder schlechter als der Rest der Gesellschaft. Nun erhebt ein Schauspieler öffentlich Vorwürfe gegen das Schauspielhaus Düsseldorf. Ron Iyamu, 29, seit 2019 Ensemblemitglied an dem Haus, hatte vergangene Woche in einem Fernsehbeitrag des WDR davon erzählt, wie er immer wieder Rassismus am Theater erlebe.

Konkret geht es um diesen Fall: Vor einiger Zeit sollte Iyamu in einer Inszenierung einen haitianischen Freiheitskämpfer spielen. "Der Regisseur fing an, mich Sklave zu rufen", sagt Iyamu der SZ, "das hat anderen die Pforte geöffnet, auch rassistische Witze zu machen." So sei etwa ein Kollege nach einer Probe mit einem Cuttermesser auf ihn zugekommen und habe gesagt: "Und wann schneiden wir dem N-Wort eigentlich die Eier ab?"

Eine Beschwerde bei der Dramaturgie über den Regisseur und die geduldeten rassistischen Witze blieb ohne Konsequenzen. Und das, obwohl man ihm zugesagt hatte, das Problem innerhalb der Produktion anzusprechen. Auch Intendant Wilfried Schulz habe sich nicht gemeldet, erst jetzt, nachdem der Fall öffentlich wurde.

Ron Iyamu sieht in seinen Erfahrungen ein strukturelles Problem

Im WDR-Beitrag wird Schulz dazu befragt. Er sagt: "Dass das ein vollkommen inakzeptabler Vorgang ist, darüber brauchen wir uns nicht unterhalten. Mea Culpa." Das Theater entschuldigt sich in einem Statement am Montag bei Ron Iyamu: "Uns war nicht bewusst genug, wie weitreichend und tiefgreifend diese Erfahrungen für ihn sind", heißt es. "Wir haben seine persönliche Betroffenheit, das Ausmaß der Verletzungen und vor allen Dingen die Aufarbeitung falsch eingeschätzt." Weiter verweist das Theater auf Anti-Rassismus-Workshops, die es schon gebe, und verspricht die Erarbeitung eines "Code of Conduct", eines Verhaltenskodex, der die Werte des Theaters festhalten soll.

Ron Iyamu ist seit einigen Wochen krankgeschrieben und fürchtet, dass er für einige in der Szene nun als "Nestbeschmutzer" gilt. Doch er sieht in seinen Erfahrungen ein größeres, strukturelles Problem und hofft, dass sich die Theater dem endlich stellen. Die Theaterleitung des Düsseldorfer Schauspielhauses habe sich inzwischen bei ihm gemeldet, sagt Iyamu, auch er sei nach wie vor zu Gesprächen bereit.

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