Iffland-Ring Theaterwelt rätselt über Bruno Ganz' Vermächtnis

Viel wird darüber spekuliert, wen Bruno Ganz vor seinem Ableben als Ring-Erben genannt hat.

(Foto: picture alliance / dpa)
  • Der Iffland-Ring zeichnet den "jeweils bedeutendsten und würdigsten" deutschsprachigen Theaterkünstler aus. Auf Lebenszeit.
  • Nach Bruno Ganz' Tod steht die Frage im Raum, an wen der Iffland-Ring übergeht. Namen wie Martin Wuttke, Nicholas Ofczarek oder Lars Eidinger kursieren. Oder vielleicht doch eine Frau?
  • Wer den Ring bekommt, wird bei der Trauerfeier für Ganz in Zürich an diesem Mittwoch bekannt gegeben.
Von Christine Dössel

Wer wird neuer Träger des Iffland-Rings? Mehr als vier Wochen ist es schon her, dass Bruno Ganz gestorben ist, und noch immer ist nicht bekannt, wen der große Schauspieler als seinen Nachfolger bestimmt hat. Der Iffland-Ring, ein diamantenbesetzter Fingerring aus Eisen, zeichnet den "jeweils bedeutendsten und würdigsten" deutschsprachigen Theaterkünstler aus, traditionsgemäß einen Mann. Auf dem Schmuckstück prangt das Konterfei des Schauspielers und Theaterdirektors August Wilhelm Iffland (1759-1814), auf den die an Legenden reiche Geschichte des Ringes zurückgeht.

Wer den Ehrenring bekommt, hat ihn auf Lebenszeit und darf testamentarisch bestimmen, an wen er die hohe Auszeichnung weitergeben möchte. Jeder aktuelle Träger ist verpflichtet, binnen drei Monaten nach Erhalt des Kleinods ein Kuvert mit dem Namen des Nachfolgers im österreichischen Kunstministerium zu hinterlegen. Seit den Fünfzigerjahren ist der Iffland-Ring zweckgebundenes Eigentum der Republik Österreich.

Der Schweizer Bruno Ganz bekam die Auszeichnung 1996 von Josef Meinrad vermacht. Dieser wiederum hatte den Ring 1959 auf Verfügung des genialischen Werner Krauß erhalten, dessen Votum für den vorwiegend in Nestroy- und Raimund-Rollen brillierenden Österreicher Meinrad damals etliche irritierte. Hatte er doch viel berühmtere Bühnengrößen wie Gustaf Gründgens, Ernst Deutsch, Will Quadflieg oder Oskar Werner freimütig übergangen. Krauß selbst erhielt den Ring 1954 nicht von dem vorherigen Träger Albert Bassermann, sondern vom Kartellverband deutschsprachiger Bühnenangehöriger. Die von Bassermann verfügten drei Kandidaten waren zu früh gestorben, einer nach dem anderen. Danach hatte Bassermann keine Lust mehr, den Ring, auf dem womöglich ein Fluch lastete, zu vergeben. Am liebsten hätte er das Ding dem begnadeten Alexander Moissi mit ins Grab gegeben, daher warf er den Ring 1935 auf dessen Sarg. Von wo er jedoch für die Nachwelt gerettet wurde.

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Auch Gert Voss ist zu früh gestorben. Ihn, den grandiosen Burgschauspieler, hatte Bruno Ganz eigentlich als seinen Nachfolger auserkoren. Nach Voss' Ableben 2014 musste er einen anderen Ring-Erben nennen. Welchen wohl? Darüber wird seit Ganz' Tod am 15. Februar viel spekuliert. Mögliche Namen machen die Runde: Jens Harzer, Martin Wuttke, Nicholas Ofczarek, Ulrich Matthes, Klaus Maria Brandauer, Lars Eidinger, Joachim Meyerhoff, Ulrich Tukur - wenn es um "den Würdigsten" geht, wird die Topklasse der Schauspielkünstler durchgeforstet. Jeder darf auf seinen Liebling wetten.

Und die Frauen? Die mussten sich bisher mit dem weitaus weniger berühmten Alma-Seidler-Ring trösten, 1978 gestiftet von der österreichischen Regierung. Aktuelle Trägerin ist Regina Fritsch. Doch wer weiß, ob Bruno Ganz nicht für eine Überraschung gut ist. In einem Fernsehinterview hatte er geraunt, er dürfe den Ring auch an eine Frau weitergeben. Österreichs Kulturministerium ließ inzwischen verlauten, dass die Geschlechterfrage juristisch gar nicht eindeutig geregelt sei. Wir werden sehen. Die Trauerfeier für Ganz ist an diesem Mittwoch in Zürich. Dann wird hoffentlich auch der Umschlag geöffnet.

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