"The Suicide Squad" im Kino:Endkampf gegen den Seestern

Suicide Squad

Margot Robbie hat ihre Antiheldin Harley Quinn modernisiert: Sie achtet jetzt auf Warnhinweise bei der Männerwahl.

(Foto: Warner)

In James Gunns Superheldenfilm sind die Bösen die Guten. Plötzlich ist das Genre wieder unterhaltsam.

Von Juliane Liebert

"The Suicide Squad" ist laut seinem Regisseur James Gunn ein Kriegsfilm. In einem Interview sagte er, dass er es hasst, wenn von Kugeln getroffene Menschen einfach nur halbherzig tot nach hinten fallen, deswegen gibt es in "The Suicide Squad" viele halbzerfetzte Köpfe, durchgeschnittene Kehlen und zerrissene Körper. Außerdem ist "The Suicide Squad" ein sehr süßer Film. Nicht nur die Charaktere sind putzig, sogar das Alien-Monster in Seesternform ist irgendwie liebenswert. Was "The Suicide Squad" zu einem süßen Kriegsfilm macht.

Warum auch nicht? Es ist 2021, welche Hoffnung auf Aufheiterung bleibt der Menschheit denn sonst? Im konkreten Fall besteht die Hoffnung der Welt in einem Team von inhaftierten Superschurken mit eher obskuren Fähigkeiten. Darunter ein Millennial-Mädchen (Daniela Melchior), das Ratten kontrollieren kann und meistens schläft. Ein Superheld namens Polka-Dot Man (David Dastmalchian), dessen Spezialfähigkeit es ist, bunte Punkte zu schießen. John Cena als Peacemaker, der für den Weltfrieden kämpft, "egal wie viele Männer, Frauen und Kinder dabei sterben". Sylvester Stallone spricht einen menschenfressenden laufenden Hai. Außerdem sind Margot Robbie als Harley Quinn und Idris Elba als Bloodsport am Start.

Sie alle sitzen eigentlich im Knast. Dann aber sollen sie eine geheime Regierungsmission ausführen - damit sie nicht abhauen, haben sie ferngesteuerte Bomben im Hinterkopf implantiert. Als Belohnung für ihren Erfolg ruft die Freiheit. Die ist teuer erkauft, denn natürlich geht bei dem Einsatz so ziemlich alles schief, was schiefgehen kann. James Gunn hat als Satireliebhaber, der er ist, die Gelegenheit genutzt, ein paar fiese Witze über die amerikanische Außenpolitik einzubauen.

Zum Beispiel metzelt das Team versehentlich eine ihnen freundlich gesonnene Rebellenzelle nieder (die Kämpfer entschuldigen sich aber). Auch sonst gelingt es Gunn, die Spannung zwischen Brutalität, Albernheit und, tja, Liebenswürdigkeit zu halten. Denn wenn die Bösen die Guten sind, kommen einem die Guten zunehmend fies vor. Was wollen die denn mit ihren Regeln und Strafen, außer ihre eigenen Mängel zu vertuschen? Da überrascht es nicht, dass es am Ende die Bösen sind, die moralische Integrität beweisen. Oder zumindest so etwas in der Richtung.

Gunn übertreibt an den richtigen Stellen, so dass der vertraute Brei Würze bekommt

Besonders Harley Quinns Figur wurde von Margot Robbie zeitgemäß weiterentwickelt. Wenn sie nicht gerade in einem tiefroten Kleid Feinde ermordet oder mit bloßen Waden Gefängniswächter erwürgt, lernt sie etwas ganz Neues: Auf Red Flags bei den Männern zu achten, die sie datet! Nicht mit Leuten zu schlafen, die Kinder töten, zumindest nicht mehrmals, ist eine ihrer Erkenntnisse. Wenn das mal nicht vorbildlich ist.

Im Großen und Ganzen ist "The Suicide Squad" ein High Budget Blockbuster, der so funktioniert wie fast alle Superhelden-Blockbuster der letzten Jahre. Unfreiwilliger Heroismus, unendlich teure Action-Szenen an exotischen Orten, sich gegen alle Widerstände verbündende Antihelden, Vatergefühle, dunkle zu überwindende Kindheiten, Splatter, tralala.

Nur dass es Gunn gelingt, immer an den richtigen Stellen eine Spur so zu übertreiben, dass der vertraute Brei dann doch etwas Würze bekommt. Der Film wirkt, als hätte man die letzten Reste der vom Kapitalismus hundertfach verdauten und wieder ausgespuckten Superhelden zusammengeklaubt und in eine Story gesteckt. Und dann ist etwas Besseres herausgekommen als bei den eigentlichen Heldensagen. Zudem reißt der Soundtrack einiges: Wer hätte zum Beispiel geahnt, dass "Hey" von den Pixies ausgerechnet vor dem Endkampf zwischen einem Seestern-Alien und einem Typen, der bunte Punkte schießt, weil er seine Mutter hasst, perfekt passt? Ist aber so. Und das macht einem dann doch wieder irgendwie Hoffnung.

The Suicide Squad, USA 2021 - Regie und Buch: James Gunn. Kamera: Henry Braham. Musik: John Murphy. Mit Margot Robbie, Viola Davis, John Cena, Daniela Melchior, Idris Elba, Sylvester Stallone (Stimme), Taika Waititi. Warner, 132 Minuten.

© SZ/khil
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