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"The Gentlemen" im Kino:Wenn Männer reden ...

Filmstills

Unterwelt-Verhandlungen: Tom Wu, Matthew McConaughey und Charlie Hunnam (v. l.) in "The Gentlemen“.

(Foto: Leonine)

Guy Ritchies "The Gentlemen" lässt ein oft stummes Geschlecht zu Wort kommen, das offenbar sehr gern das Wort "Fuck" benutzt.

Guy Ritchies "The Gentlemen" ist der perfekte Film für alle, die gerne Männern beim Reden zusehen. Es gibt zu wenig redende Männer auf der Welt, ein nahezu stummes Geschlecht, darum ist es sehr gut, dass es diesen Film gibt, sonst wüsste man ja gar nicht, was in denen so vorgeht. Und Marihuana gibt es auch! Aber leider nicht umsonst, sonst wäre der Film tatsächlich perfekt.

Das ist kein Diss gegen Filme mit redenden Männern an sich, obwohl ihr Gerede natürlich immer etwas inkohärent ist. Es gibt Filme, in denen Männer Sprechrollen haben, die aber trotzdem gut sind. "Once Upon A Time In Hollywood" beispielsweise, oder "Die zwölf Geschworenen". Da aber in Guy Ritchies "The Gentlemen" alle Männer nahezu exakt die gleiche Ausdrucksweise haben — sie fluchen viel und sind sehr, ehm, cool — verschmelzen sie zu einem gewaltigen Supergentleman, der aus verschiedenen Männermündern spricht. Die sich freuen, ganz oft "Fuck" sagen zu dürfen. Fuck fuck fuck fuck.

Die Gleichung ist dabei einfach: Umso öfter eine Figur "Fuck" sagen darf, desto cooler ist sie. Wenn man jetzt noch wüsste, warum! Was macht all diese Männer so wütend? Was nur?

Sehr oft "Fuck" sagen darf Hugh Grant, der, recht ungewohnt, ein Ekel spielt, den Privatdetektiv Fletcher. Fletcher versucht, Drogenkönig Mickey Pearson (Matthew McConaughey) zu erpressen.

Mickey Pearson hat sich (so geht die Geschichte) zum unbestrittenen Graskönig hochgearbeitet, will sich aber mit seiner Frau Rosalind (Michelle Dockery) zur Ruhe setzen. Deswegen möchte er sein Imperium für 400 Millionen Pfund verkaufen. Es besteht aus geheimen Hightech-Marihuana-Plantagen unter den Anwesen englischer Lords. Sein Verkaufswille ruft allerdings auch andere Interessenten auf den Plan, unter anderem solche, die nicht die leiseste Absicht haben, 400 Millionen für ein paar unterirdische Gärtchen auszugeben. Und eben Fletcher, der uns in Flashbacks durch die Geschichte führt.

Hugh Grant machte, eigentlich passend, zuletzt vor allem durch klare Ansagen auf Twitter auf sich aufmerksam. So erklärte er im August dem britischen Premier: "Du wirst nicht die Zukunft meiner Kinder ficken. Du wirst nicht die Freiheiten zerstören, die mein Großvater in zwei Weltkriegen verteidigt hat. Verpiss dich" - im Englischen "Fuck off" - "du überbefördertes Gummibadespielzeug. Großbritannien ist von dir und deiner kleinen Bande masturbatorischer Präfekten angeekelt." Im Englischen ist nicht ganz klar, ob er Johnson gesiezt hat. Vermutlich eher nicht. Wer will es ihm verübeln? Auch Grants Hass gegen die britische Boulevardpresse ist bekannt, und er transzendiert ihn hier in eine Figur, die man nicht einmal über die Feiertage seine Katze füttern lassen würde. Leider geht das irgendwie unter, weil die meisten Charaktere in den "Gentlemen" recht unangenehm sind. Selbst wenn man eigentlich nichts gegen Drogen hat, könnte der Film einen dazu bewegen, noch mal darüber nachzudenken. Verwandeln sie ihre Konsumenten und Vertreiber am Ende doch in Monster? Wäre Guy Ritchie ein besserer Regisseur, wenn er weniger kiffen würde? Kifft er überhaupt, oder ist er bei diesem Thema ... nur faszinierter Beobachter? Wäre "King Arthur" ein besserer Film gewesen, wenn König Arthur gekifft hätte?

Nun sind Guy Ritchie-Filme meistens eher albern. Ganz lustig manchmal, aber auch oft nervig, weil es schlicht an Drehbuchsubstanz fehlt. Schon sein Debütfilm, "Bube, Dame, König, grAS" war so eine Kicher-Thriller-Komödie. Hier kann er sich offenbar nicht entscheiden, ob er jetzt lustig sein oder einen glaubhaften Thriller erzählen will. Immerhin kann man Hugh Grant sehr oft "Fuck" sagen hören. Eventuell wäre aber ein Film, in dem Hugh Grant in einem leeren Raum auf einem Stuhl sitzt und seine Tweets vorliest, nicht nur spannender, sondern auch lustiger, tiefgründiger und emotional mitreißender. Die haben nämlich immerhin ein Anliegen.

The Gentlemen, USA 2019 - Regie, Buch: Guy Ritchie. Kamera: Alan Stewart. Mit Matthew McConaughey, Charlie Hunnam, Hugh Grant, Michelle Dockery. Verleih: Leonine, 114 Min.

© SZ vom 27.02.2020
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