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Tarantino verklagt Gawker:Ein Schuldiger muss her

Regisseur Quentin Tarantino

Er bat um Vertraulichkeit, doch daraus wurde nichts: US-Regisseur Quentin Tarantino.

(Foto: Getty Images)

Schadensersatz in Millionenhöhe - das fordert Quentin Tarantino für die ungenehmigte Verbreitung des Drehbuchs zu seinem neuen Western "The Hateful Eight". Ziel seiner Anschuldigungen ist das Internetportal Gawker. Dieses bestreitet allerdings, für die ursprüngliche Veröffentlichung des Skripts verantwortlich zu sein.

Jetzt hat er einen Schuldigen gefunden. Nachdem Oscar-Preisträger Quentin Tarantino die Arbeit an seinem neuen Western "The Hateful Eight" abgebrochen hat, weil der Inhalt des Skripts zu dem Film gegen seinen Willen an die Öffentlichkeit gedrungen war, will er nach US-Medienberichten das US-Unternehmen Gawker Media dafür verantwortlich machen. Gawker bestreitet allerdings, die Verantwortung für die ursprüngliche Veröffentlichung des Skripts zu tragen, das Tarantino sechs Vertrauten gegeben hatte.

Wie die US-Branchenblätter Variety und Hollywood Reporter berichteten, hat Tarantino gegen Gawker Media eine Millionenklage eingereicht. Der Blog-Betreiber habe laut Klage Tarantinos das Drehbuch nach seiner Veröffentlichung lanciert und verbreitet. In einem von Gawker veröffentlichten Artikel hätten sich Links gefunden, über die man das 146-Seiten-Dokument zum Download habe abrufen können.

Das war zum Beispiel über das Portal AnonFiles.com möglich. Hier lassen sich Dokumente anonym hochladen. Die Website weist aber darauf hin, dass Urheberrechtsverletzungen geahndet und illegal hochgeladene Dateien entfernt werden.

Tarantino zufolge habe Gawker die Urheberrechtsverletzung befördert und die Öffentlichkeit dazu aufgefordert, das Skript zu lesen. Gawker-Chefredakteur John Cook verwehrte sich in einem Artikel auf der eigenen Seite gegen die Vorwürfe. Es wäre lediglich ein Link veröffentlicht worden, über den das Dokument abrufbar sei.

Die Schuld, dass es überhaupt im Internet aufgetaucht wäre, liege andernorts. Durch die Meldung hätte Gawker nur auf Nachrichten und Informationen aufmerksam gemacht. Das sieht die Anklage anders. In der Klageschrift heißt es, es gäbe in den von Gawker bereitgestellten Informationen keinerlei journalistischen Mehrwert.

"Sehr deprimiert"

Am 21. Januar hatte Tarantino von der Veröffentlichung erfahren. Im Gespräch mit dem Branchen-Portal Deadline.com hatte er seinem Ärger darüber Luft gemacht und gesagt, er sei über das Ereignis "sehr sehr deprimiert".

Zudem hatte er angekündigt, die Arbeiten an the "The Hateful Eight" zu verschieben. Er wolle zunächst einen anderen Film drehen und den Stoff als Buch auf den Markt bringen. Wenn er dem kleinen Kreis von Leuten nicht vertrauen könne, denen er das Skript gegeben habe, dann habe er keine Lust, den Film zu machen, hatte der Regisseur seinen vorläufigen Ausstieg aus dem Filmprojekt begründet.

© SZ.de/dpa/mfh/pak

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