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Wechsel in die Schweiz:Tanzender Kosmopolit

Sidi Larbi Cherkaoui

Sidi Larbi Cherkaoui.

(Foto: Joris Casaer)

Der Choreograf Sidi Larbi Cherkaoui übernimmt das Ballett in Genf.

Von Dorion Weickmann

Sidi Larbi Cherkaoui, seit 2015 Leiter des Ballet Vlaanderen in Antwerpen, wechselt Mitte kommenden Jahres an die Spitze der Ballettkompanie am Grand Théâtre de Genève. Der Choreograf und Regisseur übernimmt damit abermals ein klassisch ausgerichtetes Ensemble, obwohl er vom Hip-Hop und anderen zeitgenössischen Stilen kommt. Freilich hat der Belgier einiges an Erfahrung mit Traditionskompanien gesammelt und dabei - vom Pariser "Boléro" bis zum Stuttgarter "Feuervogel" - mit bildgewaltigen Inszenierungen überzeugt. Auch in München ist Cherkaoui kein Unbekannter. 2017 wurden die Opernfestspiele mit seiner Version von Rameaus "Les Indes Galantes" eröffnet.

Brückenschlag zu anderen Kulturen

Was den 45-Jährigen vor allem auszeichnet, ist eine kosmopolitische Ästhetik. Sowohl als Tänzer wie als Tanzmacher hat Cherkaoui stets den Brückenschlag zu anderen Kulturen gesucht. Gemeinsam mit Shaolin-Mönchen schuf er 2008 das Meisterwerk "Sutra", im Schulterschluss mit der Flamenco-Legende Maria Pagés die Mittelmeerfantasie "Dunas". Dank einer expressiven und emotionalen Bewegungssprache sind Cherkaouis Produktionen leicht zugänglich - ohne dass es ihnen deshalb an künstlerischer Substanz mangelte. Das Ballett seiner Heimatstadt Antwerpen hat er zeitgemäß entschlackt, wobei er infolge zahlreicher Gastaufträge nicht mit allzu häufiger Anwesenheit glänzte.

Das dürfte sich in Genf wohl ändern. Seine Berufung verdankt Cherkaoui schließlich dem ehemaligen Direktor der Vlaamse Opera, Aviel Cahn, der vorvergangene Spielzeit nach Genf gewechselt ist. Dort hat sich der künftige Ballettchef bereits mit einer grandiosen Opernaufführung vorgestellt: "Pelléas et Mélisande" ist auf operavision.eu noch bis 19. August zu streamen. Bis dahin wird sich vielleicht auch entscheiden, was mit Cherkaouis eigenem, in Antwerpen ansässigem Kollektiv Eastman passiert, das er bislang parallel zur Ballettdirektion weitergeführt hat. Was von der Schweiz aus erheblich schwieriger sein dürfte. Derweil ist am Theater in Antwerpen noch keine Nachfolge in Sicht, vorerst sollen gastierende Choreografen verpflichtet werden.

© SZ/jhl
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