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Start des 65. Filmfestivals von Cannes:Ein Ausblick auf das Programm 2012

Auch ihr "Twilight"-Partner und Lebensgefährte Robert Pattinson nutzt seinen Starruhm inzwischen, um Filmkunst zu machen - er stand für David Cronenbergs Wettbewerbsfilm "Cosmopolis" vor der Kamera und wird ebenfalls auf dem Roten Teppich auftauchen. Auch hier liegt ein Roman zugrunde, diesmal von Don DeLillo: Ein Banker der Superreichen, der in ein Occupy-ähnliches Chaos in Manhattan gerät und an einem einzigen Tag seinen völligen Ruin erlebt. Stars, die sich an schwierige Stoffe wagen und auf noch nicht etablierte Regisseure setzen - dieses Muster setzt sich dann auffällig fort:

[] Nicole Kidman, Zac Efron und Matthew McConaughey spielen in "Paperboy", dem neuen Film des "Precious"-Regisseurs Lee Daniels, eine Mordgeschichte im Florida der Sechzigerjahre.

[] McConaughey taucht ebenso in "Mud" auf, diesmal an der Seite von Reese Witherspoon. Da geht es um eine Flucht durch Arkansas, Regie führt Jeff Nichols, der gerade erst mit "Take Shelter" Aufsehen errregt hat.

[] Brad Pitt unterstützt nach "Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford" zum zweiten Mal den Australier Andrew Dominik, mit dem Film "Killing Them Softly".

[] Mit John Hillcoat nimmt sich ein weiterer Australier der amerikanischen Mythen an, hier der Prohibition. Er konnte als Star das "Transformers"-Milchgesicht Shia LaBeouf gewinnen.

[] So unterschiedliche Figuren wie Kylie Minogue, Eva Mendes und Denis Lavant haben sich zusammengefunden, um mit dem franzöischen Extrem-Romantiker Leos Carax "Holy Motors" zu machen - seinen ersten Film seit 13 Jahren.

[] Isabelle Huppert, die Grande Dame des französischen Autorenfilms, legt sich gleich zweifach ins Zeug: Einmal für den Österreicher Michael Haneke und desssen "L'Amour", eine Liebesgeschichte im Alter inklusive Demenz und Tod; und dann auch für den Koreaner Hong Sang-Soo, für den sie "In Another Country" gedreht hat.

Die Liste ließe sich noch fortsetzen - aber nicht alle Filmemacher, die im Wettbewerb vertreten sind, setzen auf die Präsenz von Stars. Der Italiener Matteo Garrone mit "Reality", der Iraner Abbas Kiarostami mit seiner Japan-Exkursion "Like Someone in Love", der Brite Ken Loach mit der Whiskykenner-Komödie "Angel's Share" oder der Österreicher Ulrich Seidl mit seiner Sextourismus-Studie "Paradies: Liebe" vertrauen nicht auf bekannte Gesichter, sondern allein auf ihre Geschichten. Und oft hat Cannes schon bewiesen, dass diese Strategie im Wettbewerb um die Goldene Palme am Ende sogar erfolgreicher sein kann.

© Süddeutsche.de/ihe/pak

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