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Dresden:Opernball-Chef entschuldigt sich für Orden für al-Sisi

Semperopernball zeichnet Ägyptens Staatspräsident Al-Sisi aus

Kairo am vergangenen Sonntag: Hans-Joachim Frey (l), künstlerischer Leiter des Semperopernballes, bei der Übergabe des St.-Georgs-Ordens an Ägyptens Präsident Abdelfattah al-Sisi.

(Foto: Egyptian Presidency/dpa)
  • Die Organisatoren des Semperopernballs verleihen jährlich den St.-Georgs-Orden an Prominente. Am Sonntag bekam Ägyptens Präsidenten al-Sisi ihn überreicht.
  • Nach heftiger Kritik hat sich Ballvereins-Chef Hans-Joachim Frey jetzt für die Verleihung entschuldigt und davon distanziert.
  • Der Opernball selbst soll am 7. Februar stattfinden. Die Moderatoren, Schlagersänger Roland Kaiser und Tagesschau-Sprecherin Judith Rakers, denken über Konsequenzen nach.

Der Semperopernball gehört zu den großen Kulturveranstaltungen Sachsens. Die Organisatoren vergeben alljährlich den St.-Georgs-Orden an Prominente. Diesmal sorgte die Wahl des Preisträgers für Proteste: Am Sonntag hat Ägyptens Präsidenten Abdelfattah al-Sisi den Orden überreicht bekommen. Ballvereins-Chef Hans-Joachim Frey war dafür nach Kairo gereist. Jetzt hat er sich für die umstrittene Verleihung entschuldigt.

Am Dienstagabend teilte Frey mit, dass die Verleihung "ein Fehler" gewesen sei: "Wir möchten uns für diese Preisverleihung entschuldigen und davon distanzieren." Frey hatte in der Vergangenheit schon mit einer anderen umstrittenen Entscheidung Schlagzeilen gemacht: 2009 war Russlands Präsident Wladimir Putin Ballgast und Preisträger.

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Abdelfattah al-Sisi hat am Sonntag den Orden in der Kategorie Politik und Kultur entgegengenommen. Der frühere General und Armeechef war 2013 nach einem Militärputsch an die Macht gekommen und 2014 als Präsident vereidigt worden. Seitdem geht er mit harter Hand gegen Oppositionelle und Kritiker vor, Meinungs- und Versammlungsfreiheit sind stark eingeschränkt. Vereinschef Frey hatte die Auswahl damit gerechtfertigt, dass der Ball eine Kultur- und keine politische Veranstaltung sei. Al-Sisi sorge in Ägypten für Stabilität, den Aufbau der Gesellschaft, für Kultur und Bildung - und er sei als Präsident der afrikanischen Union die Stimme Afrikas.

Nach der Verleihung hatten die Grünen-Bundestagsabgeordneten Kai Gehring, Mitglied im Menschenrechtsausschuss, und Erhard Grundl, Kulturexperte, Frey aufgefordert, die Entscheidung zurückzunehmen, auch um Schaden von der "hochgeschätzten" Semperoper abzuwenden. Al-Sisi sei "ein lupenreiner Autokrat und Anti-Demokrat", die Preisverleihung an ihn "ein Affront" gegen alle friedlichen Regimekritiker.

Nach dem MDR hatte sich mit der Sächsischen Zeitung auch der langjährige offizielle Medienpartner des Balles distanziert. Die DDV-Mediengruppe twitterte: "Missachtung von Menschenrechten einschließlich des Rechts auf freie Meinungsäußerung sind mit Haltung und Selbstverständnis von Verlag und Redaktionen der Mediengruppe unvereinbar."

Der Semperopernball soll am 7. Februar stattfinden. Schlagersänger Roland Kaiser und Tagesschau-Sprecherin Judith Rakers sollen durch den Abend führen - und denken nun über Konsequenzen nach. "Mich irritiert diese Verleihung sehr, und ich bin seitdem in Gesprächen über die Konsequenzen, die ich als Moderatorin des Balls ziehen möchte", schrieb Rakers auf Twitter vor der Entschuldigung Freys. Aus dem "rauschenden kulturellen Ereignis" sei "ein politisches geworden", schrieb Kaiser auf Facebook. Seit Bekanntwerden dieser Verleihung sei er "in Gesprächen über die Konsequenzen, die ich voraussichtlich ziehen werde".

Zuvor hatte auch der Oberbürgermeister der sächsischen Landeshauptstadt, Dirk Hilbert (FDP), mitgeteilt, seine Teilnahme zu prüfen. Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) behält nach Angaben der Staatskanzlei die Schirmherrschaft und wird den Ball wie geplant eröffnen.

© SZ.de/dpa/aner
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