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Schauspieler Manfred Zapatka wird 70:Blick in die Kälte

Manfred Zapatka dringt in kalte Herzen vor. Er spielt nicht Heinrich Himmler, nicht den Hassprediger, sondern er führt ihre Gedanken vor. Und das hat er immer als Arbeit, nie als Kunst aufgefasst. Nun wird der Schauspieler 70 Jahre alt.

Susan Vahabzadeh und Egbert Tholl

Manfred Zapatka

Spiel in reiner Großaufnahme: Wenn sich der Theaterschauspieler Manfred Zapatka vor die Kamera begibt, wird es frostig - er spielt Männer mit kaltem Herz.

(Foto: Bongarts / Getty Images)

Fernsehen hat er gemacht, wie viele, aber dann kamen Ende der Neunziger einige sehr besondere Projekte dazu - er spielte Helmut Schmidt im Zweiteiler "Todesspiel" (1997), Heinrich Breloers Dokufiktion über den Deutschen Herbst. Und dann traf Manfred Zapatka auf Romuald Karmakar. Die beiden hatten ein Hörspiel zusammen gemacht und dann gemeinsam 1998 "Das Frankfurter Kreuz", später "Die Nacht singt ihre Lieder" - ein wunderbares Zusammenspiel.

Vor allem aber hat Romuald Karmakar zwei seiner bemerkenswertesten Filme ganz und gar um Manfred Zapatka herum gesponnen - "Das Himmler-Projekt" (2001) und "Hamburger Lektionen" (2006), zwei Monologe, die jeden Rahmen sprengten, den das deutsche Kino bis dahin kannte. Was Zapatka da machte, in diesen zwei Filmen, - im Grunde nur ein Text, die Kamera und sein Gesicht - das war Anti-Theater: das Spiel in der reinen Großaufnahme.

Ein stolzer Tasso, ein faszinierender Clavigo

Karmakar hat ihm in diesen Filmen das Äußerste abverlangt, beide Projekte basieren auf verstörenden Texten - in Karmakars "Himmler-Projekt" trug Zapatka eine Rede vor, die Himmler 1943 vor SS-Generälen gehalten hatte, ein rassenideologisches Pamphlet, in dessen kaltes Herz Karmakar und Zapatka damals vordrangen; in "Hamburger Lektionen" waren es Hasspredigten von Mohammed Fazazi, die sich die Hamburger Zelle vor dem 11. September 2001 angehört hatte.

Zapatka muss unsere Kontaktperson sein hinein in eine grauenhafte Binnenlogik, er spielt nicht Himmler, nicht den Imam, er führt ihre Gedanken vor, und aller Halt, die Zuschauer dort finden können, liegt in Zapatkas Blick: Man kann in das hineinsehen, was diese Texte in ihm auslösen.

Viele Jahre lang war dieser Blick, der Klang seiner Stimme im Theater zu erleben. Zapatka war ein stolzer Tasso, ein faszinierender Clavigo, war Teil des Ensembles von Dieter Dorn, als dieser seine größten Triumphe feierte. 1999, kurz bevor Dorn von den Münchner Kammerspielen ans Bayerische Staatsschauspiel wechselte, ging Zapatka nach Berlin. Um eben mehr zu drehen. Um Geld zu verdienen, "wenn die Frau einen neuen Wintermantel braucht". Solche Sätze kann er leicht sagen, weil er die Schauspielerei immer als Beruf, als Arbeit, nie als Kunst aufgefasst hat. An diesem Dienstag wird Manfred Zapatka 70 Jahre alt.

© SZ vom 02.10.2012/ihe

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