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Revivals von TV-Serien:Rückkehr als zahnlos lächelnder Albtraum

New Warner Bros. TV Stills

Die "Gilmore Girls" kommen zurück. Aber wollen wir das wirklich?

(Foto: Getty Images)

Netflix hat gesprochen: Die Gilmore Girls werden reaktiviert. Die Fans jubeln. Aber wollen wir diese ständigen Serien-Wiederbelebungen wirklich?

Serien können wie Affären sein: Heiße Geschichten, die von selbst laufen - oder anstrengende Angelegenheiten, die extrem viel Aufmerksamkeit brauchen. Doch anders als eine Affäre lässt sich eine Serie leicht abservieren. Passt es irgendwann nicht mehr, oder geht die Serie zu Ende, lächelt man sich eben die nächste an. Und selbst wenn einen die Sehnsucht überkommt: Man kann ja immer wieder die alten Folgen auspacken.

Nur manchmal bleibt man hängen und will fortsetzen, was eigentlich nicht fortzusetzen ist. Wie Anfang dieser Woche: "Gilmore Girls Revival!" titelte das Internet. Und die Fans rasteten aus vor Begeisterung. Das "Age of Gilmore" wurde ausgerufen, bevor überhaupt die erste Episode gestreamt war. Nur eines fragte kaum jemand: Schon wieder?

Das Geschäft mit der Nostalgie boomt

Kein geringerer als Netflix holt die Serie aus dem Jenseits zurück, natürlich. Der Streaming-Dienst erweitert damit seine Liste digitaler Auferstehungen, nach Full House und Wet Hot American Summer. Bei Showtime soll es bald neue Twin-Peaks-Folgen geben, bei Fox wird Prison Break wiederbelebt. Das Geschäft mit der Nostalgie boomt. Doch die Frage ist: Wollen wir diese Zombies?

Ein kurzer Flashback, um die Gilmore-Girls-Hysterie zu verstehen: Im Mai 2007 lief die letzte Episode. Für Fans eine Unverschämtheit. Nicht nur, weil der Abschied so schwer fällt, sondern auch, weil Erfinderin und Autorin Amy Sherman-Palladino kurz vor Schluss ausgebootet wurde. Und ihren Co-Schreibern geht ein eher lahmes Serienfinale von der Hand.

Aber Palladino hat vorgesorgt. In einem Interview erwähnt sie, es gebe vier magischen Wörter, die ursprünglich die Gilmore-Saga beschließen sollten. Palladino bietet einen Deal an: Bleibt die siebte Staffel die letzte, lüftet sie das Geheimnis. Und tatsächlich: Gilmore Girls geht zu Ende. Doch Palladino bricht ihr Versprechen, behält die Zauberwörter für sich. Und erschafft stattdessen einen Mythos, der über ihre Serie hinaus existieren wird — genial!

Jetzt soll Palladino die Drehbücher für das Revival auf Netflix schreiben. Die Legende der letzten Worte, die sich so viele Fans in der Fantasie ausgemalt hatten, wird exklusiv auf Netflix.com enthüllt. Endlich?

Fantasien sind nur dann eine schöne Sache, so lang sie wenig mit der Realität zu tun haben. Träume, die wahr werden, sind keine mehr.

Serien geben Halt - aber wozu die Toten wecken?

Wenn Netflix und die anderen Produzenten nun unsere alten Helden zurück in den Ring schicken, drängeln sie sich immer auch in unseren wohl behüteten Erinnerungs-Schatz. Serien sind längst therapeutische Zeitkapseln geworden. Alte Lieblings-Folgen lassen sich jederzeit streamen und nostalgisch anschmachten. Wir werden älter, aber die Serie bleibt gleich, das gibt uns Halt. Also wozu die Toten wecken?

Die meisten Neuauflagen alter Serien wirken wie seltsame Familienfeste. Wir treffen auf alte Verwandte — längst verschollen, aber in guter Erinnerung — und müssen plötzlich ganz vertraut tun, während die uns vollquatschen, dabei erkennen wir sie kaum wieder.

Witziger als ganze Staffeln wären einzelne knackige Revival-Episoden. Wie beim Klassentreffen. Da geht man ja auch nach dem letzten Bier nach Hause — und nicht spaßeshalber nochmal ein paar Jahre zur Schule.

Wer reflexartig aufjauchzt, wenn Netflix ein Revival ankündigt, sehnt sich nicht nach faltigen Bekannten in aufpolierten Episoden. Oder nach letzten Worten. Eher spürt er instinktiv einem verloren gegangenen Gefühl nach, das von Netflix zu eigenen Zwecken angezapft wird.

Der Rest vom Revival ist Horror: Die einst vertrauten Verwandten kehren entstellt zurück - und wollen geliebt werden. Aber Vorsicht: Wer dann hinguckt, überschreibt seine sepiafarbenen Erinnerungen mit grellen Bildern in HD. Der wahr gewordene Traum gerät zum verpixelten Alptraum - wie die Ex-Affäre, die plötzlich zahnlos lächelnd an der Tür klopft.

© SZ.de/ebri/rus
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