Rechtsextremismus Altgediente Bands mit Kontakten ins Ausland

Mittlerweile gibt es in der rechtsextremen Szene alle möglichen Strömungen. Selbst Hip-Hop ist unter Neonazis durchaus beliebt. Bekanntes Beispiel ist der Rapper MaKss Damage. Doch wenn man sich die Line-ups des "Schild und Schwert"-Festivals sowie vergangener Veranstaltungen ansieht, dominieren vor allem altbekannte Neonazi-Bands wie Kategorie C oder Die Lunikoff Verschwörung. Kategorie C ist eine 1997 in Bremen gegründete Band, die Hooligan- und Nazi-Szene miteinander verbindet. Sie steht der in Deutschland verbotenen "Blood and Honour"-Bewegung nahe (hier mehr zu der Band). Während Kategorie C sich vom Musikstil sehr nah am Deutschrock bewegen, schwankt Die Lunikoff Verschwörung zwischen punkigem Rock und seichten Gitarrenklängen.

Seit ihrer Gründung im Jahr 2004 gilt die Gruppe als Kultband. Das liegt besonders an Sänger Michael Regener. Regener war früher Frontmann der verbotenen Band Landser und saß mehrere Jahre im Gefängnis, unter anderem wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung und Volksverhetzung. Regener tritt auch solo auf, oder als Gastsänger bei anderen Bands wie etwa Stahlgewitter. Die Lunikoff Verschwörung ist auch Headliner des Festivals in Ostritz (hier mehr zu der Band).

Es geht ums Geld

Rechtsextreme Musik gilt bis heute als Einstiegsdroge insbesondere für ein jugendliches Publikum. Eine These, der der Musikwissenschaftler Thorsten Hindrichs widerspricht. "Nur weil ich Landser höre, werde ich nicht gleich zum Nazi", sagt er. Die Einstiegsmechanismen seien viel komplexer, wichtiger sei sozialer Kontakt zu Rechtsextremen. Festivals wie "Schild und Schwert" richten sich laut Hindrichs vor allem an tief in der Szene verwurzelte Neonazis. Dass Rechtsextreme neben zahlreichen kleinen konspirativen Konzerten und Liederabenden nun auch Großevents wie in Ostritz organisieren, hat für den Rechtsrock-Experten sehr einfache Gründe: "Es geht um Aufmerksamkeit und um Geld."

Offiziell verlangten die Veranstalter von rechtsextremen Festivals in Themar keine Eintrittsgelder. Doch am Eingang bezahlten die Teilnehmer einen festen Betrag als Spende. 35 Euro waren es bei "Rock gegen Überfremdung". Schätzungen zufolge sollen sich die Einnahmen auf 200 000 Euro belaufen. Hinzu kommen Erlöse aus dem Verkauf von Getränken und Merchandising. Beim Festival in Ostritz verkauft Thorsten Heise offiziell Eintrittskarten. Für das gesamte Wochenende müssen Besucher 45 Euro zahlen. Mit dem Fan-Ticket gelangt man auch hinter die Bühne. Essen und Trinken sind dabei kostenlos. Kostenpunkt: 195 Euro. Das Geld fließt wieder zurück in die Bewegung und wird etwa zum Kauf weiterer Immobilien verwendet.

NPD oder parteilose Nationalisten gehören zu den Anmeldern

Auch die NPD braucht Geld. Und das nicht zu knapp. Denn seit sie aus den Landesparlamenten geflogen ist, kann sie nicht mehr von öffentlichem Geld profitieren. Umso erstaunlicher, dass sie offenbar über die Mittel verfügt, eine Großveranstaltung wie die "Tage der nationalen Bewegung" auf die Beine zu stellen. Stattfinden soll diese neu eingeführte Veranstaltung in Themar. Doch der Landkreis verbot die Veranstaltung, begründete dies mit dem Naturschutz. Die Veranstalter haben gegen das Verbot geklagt, eine finale Entscheidung steht noch aus.

Die NPD profitiert bei der Organisation von der mittlerweile guten Vernetzung zwischen Rechtsextremen und deren Erfahrung mit Großevents. Zentrale Figur ist hierbei Tommy Frenck. Er besitzt in Themars Nachbarort Kloster Veßra eine Gaststätte, wo er auch selbst Liederabende und andere politische Veranstaltungen organisiert. Gleichzeitig ist er Organisator von "Rock gegen Überfremdung".

Bei der Landratswahl trat Frenck als unabhängiger Kandidat an, in Themar holte er 20 Prozent der Stimmen und zementierte damit seine Beliebtheit in der Region. Frenck ist parteiloser Nationalist, der sich ganz der Sache des nationalen Widerstands verschrieben hat, wie er in einem Interview vom vergangenen Jahr sagte.

"Wir haben einen Plan"

Seitdem sich die AfD immer weiter radikalisiert, befinden sich rechtsextreme Parteien in der Krise. Der von der NPD ausgerufene "Kampf um die Parlamente" ist verloren, die Neonazis grenzen sich ihrerseits wieder stärker ab, mehrere Parteien und Gruppen kämpfen um lokalen Einfluss. Bei den "Tagen der nationalen Bewegung" sollen sie alle zusammengebracht werden. Auf der Internetseite heißt es, alle Patrioten seien willkommen, die eine starke Gemeinschaft an die Stelle von Gruppenegoismen stellen. Neben bekannten Rednern der NPD sollen Vertreter von "Die Rechte" sprechen. Auch Tommy Frenck wird auftreten.

Frenck selbst steckt schon mitten in den Vorbereitungen für die mittlerweile dritte Ausgabe des "Rock gegen Überfremdung"-Festivals. Der Termin ist für Ende August angesetzt. Ob wieder Themar Veranstaltungsort sein wird, ist offen. In dem Ort fühlen sich vor allem die Gegner Frencks von der Politik alleingelassen.

In Ostritz gingen Behörden und Politik von Anfang an ein völlig anderen Weg. Die Stadt holte sich externe Berater, die halfen, Sorgen und Wünsche der Bewohner zu ordnen. Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) hat die Schirmherrschaft über das Friedensfest übernommen. Polizei und Verfassungsschutz dimmten Ängste herunter, Ostritz könnte von randalierenden linken Gegendemonstranten heimgesucht werden. Alle - und das ist in Sachsen nicht selbstverständlich - waren sich einig: Das Problem sind die Neonazis.

Deswegen ist es gar nicht so falsch, was Verfassungsschützer Henry Krentz auf der Bürgerversammlung Anfang April über die künftige Entwicklung sagte. In Ostritz könnte sich tatsächlich die Zukunft des Rechtsextremismus entscheiden. Denn hier entscheidet sich, wie man mit ihm in Zukunft umgehen will.

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