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Nachruf auf Raul de Souza:Sonnenbrücke

Photo of Raul de Souza

Raul de Souza mit 84 Jahren - und noch immer ein Gigant des Jazz.

(Foto: Tom Copi/Getty Images)

Raul de Souza konnte auf seiner Posaune Bossa Nova, Funk, Jazz. Ihm gelang auch ein Welthit. Jetzt ist er mit 86 Jahren in Paris gestorben.

Von Andrian Kreye

Der brasilianische Posaunist Raul de Souza ist gestorben. Ausgerechnet ein paar Wochen nachdem er sein neues Album herausbrachte, das eigentlich noch mal eine Ehrenrunde durchs Rampenlicht einleiten sollte, in dem er nur selten stand. Mit dabei war er eigentlich immer. Beim Bossa Nova, beim Funk, beim Jazz. Er hatte sogar mal einen Welthit.

Abzusehen war das alles nicht. Geboren wurde Raul de Souza 1934 als Pfarrersohn in Rio de Janeiro. Als Kind spielte er in der Kirche Tamburin, versuchte sich während der Schulzeit an der Trompete, am Saxofon und an der Posaune. Mit 16 arbeitete er erst einmal als Weber in einer Fabrik. Dort hatten sie auch ein Orchester, in dem er die Tuba spielte. Dann kam der Wehrdienst bei der Luftwaffe, allerdings nur als Fußsoldat. Auch die hatten ein Orchester. In dem lernte er Airto Moreira kennen, der sein Leben lang sein Freund und musikalischer Weggefährte sein sollte.

Rio war in den Sechzigerjahren eine der Metropolen, in denen die südliche Halbkugel ihren Anschluss an die kosmopolitische Welt fand. Amerikanische Jazzstars kamen, um mit den Einheimischen zu spielen. De Souza gehörte zum Kreis um den Pianisten Sérgio Mendes, der mit dem Gespür für bittersüße Pop-Ohrwürmer einer der ersten Weltstars des Bossa Nova wurde. Im Studio arbeitete er für künftige Superstars wie Eumir Deodato und Flora Purim, die Frau seines Freundes Airto.

Als Solist war er begehrt, spielte mit Herbie Hancock, Jaco Pastorius und immer wieder mit seinem Freund Airto

Es war dann die zweite Welle der brasilianischen Fusion, die ihn zum Star machte. In den Siebzigerjahren gab es eine Art Sonnenbrücke zwischen Rio und L. A., auf der ein reger Austausch stattfand. Es war weniger der melancholische Bossa, als der aggressive Samba, der die Kalifornier begeisterte. In L. A. beeindruckte Raul de Souza Musiker und Produzenten mit seinem mächtigen, strahlenden Ton, der ihn zum einzigartigen Solist machte. Auf seinem ersten amerikanischen Album "Colors" spielten dann auch Jazzlegenden wie Cannonball Adderley und Jack DeJohnette. Der Keyboarder George Duke produzierte ihm dann zwei Alben, die mit Jazz nur noch wenig zu tun hatten. Mit einer Mischung aus brasilianischer Percussion-Euphorie und schwerem Funk landete de Souza mit dem Titelstück des Albums "Sweet Lucy" einen Hit, der im Radio so gut funktionierte, wie in den Discos. Als Solist war er begehrt, spielte mit Herbie Hancock, Jaco Pastorius und immer wieder mit seinem Freund Airto, der selbst ein Star wurde.

Dann wurde es wieder etwas ruhiger. De Souza lebte zweitweise in Frankreich, arbeitete im Studio, tourte hin und wieder. Seine Platten erschienen nur noch auf kleineren Labels. Eine Größe blieb er.

Im Mai dieses Jahres erschien nun sein Album "Plentitude", auf dem er mit sehr viel jüngeren Musikern noch einmal an seine große Zeit im Funk erinnerte. Aktualisierte Versionen von "Sweet Lucy" und "Daisy Mae" spielte er ein. Eine Tour war geplant. Am Sonntag ist er in Paris an den Folgen einer Krebserkrankung gestorben. Er wurde 86 Jahre alt.

© SZ/RJB
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