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Pop:Zu Besuch in Xaviers Welt

Xavier Naidoo

Naidoos großes Vorbild war Bob Marley. Heute gehört Naidoo zu den Lieblingsmusikern der Pegida. Wie kam es dazu?

(Foto: dpa)

Wenn man die Debatte um den umstrittenen Sänger verstehen will, fragt man am besten die, die ihm mal am nächsten waren: seine enttäuschten Fans.

Es lohnt sich, mit enttäuschten Fans über Musiker zu sprechen, denn gerade die meinen es meistens gut mit den Künstlern. Rachel zum Beispiel, eine deutsche Jüdin, die früher von Xavier Naidoo schwärmte, würde einfach gerne verstehen, was in Naidoo gefahren ist.

Man trifft Rachel im Nieselregen vor einer Konzerthalle im Osten Stuttgarts nach einem Auftritt der Söhne Mannheims. Das ist die Band, die dank Naidoo über Mannheim hinaus bekannt wurde und nun dank Jan Böhmermann landesweiten Ruhm erlangte, allerdings als "Hurensöhne Mannheims". Die Söhne touren grade mit ihrem jüngsten Album "MannHeim", von dem auch das Lied "Marionetten" stammt. "Wie lange wollt ihr noch Marionetten sein? Seht ihr nicht? Ihr seid nur Steigbügelhalter", heißt es darin über deutschen Politiker.

"Falscher Ort für so was!"

Im Nieselregen unter einer schwachen Laterne stehen Rachel und ihr Freund. Auf dem Plakat, das sie dem feuchtfröhlichen Publikum entgegenhalten, stehen drei Worte: "Gegen jeden Antisemitismus". Das Konzert ist vorbei, das Publikum schlendert hinaus, Bier in Plastikbechern, Restmusik auf den Lippen: "Und wenn ein Liiiied meine Lippen verläääääßt..." Das Plakat wird im Vorbeigehen kommentiert: "Falscher Ort für so was!"

Die Menschenmenge fließt, einer streckt seine Zunge raus, ein anderer zeigt den Mittelfinger. Rachel ist bei der Antifa und befürchtet Überraschungen von rechts, deswegen will sie ihren Familiennamen nicht in der Zeitung lesen. Ihre Vorfahren flohen im 15. Jahrhundert aus Spanien; als Hitler an die Macht kam, zählte ihre Großfamilie in Deutschland 500 Menschen. Vier davon überlebten.

Man sitzt dann bis halb drei Uhr morgens in einer verrauchten Stuttgarter Kneipe und redet über Xavier Naidoo. Er beschäftigt Rachel. Früher hat man auf antifaschistischen Demos, auf die Rachel gegangen ist, Naidoos Musik gespielt. Naidoos großes Vorbild war Bob Marley (neben Jesus). Heute gehört dieser Popstar zu den Lieblingsmusikern der Pegida. Wie kam es dazu? Wie geht es der Band auf der Tour? Und was sagen die Menschen in seiner Heimatstadt Mannheim, die er zum "Neuen Jerusalem" erklärt hat? Eine Spurensuche zwischen Rhein und Neckar.

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Xavier Naidoo Rechtsruck

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Rechtsruck

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