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Pop:Unerkannt erfolgreich

In Lateinamerika ist Paty Cantú ein Superstar. Familienbande bringen sie nun in die fränkische Provinz

Das müssen heimische Popstars erst einmal schaffen: 1,4 Millionen Abonnenten auf Instagram, 5,5 Millionen Likes auf Facebook, 1,8 Millionen monatliche Hörer auf Spotify, dazu ein Plattenvertrag beim weltgrößten Major Label Universal, sie hat mit Andrea Bocelli gesungen und aufgenommen, ist an der Seite von Laura Pausini aufgetreten. Das alles kann die 36-jährige Sängerin und Songwriterin Paty Cantú verbuchen.

Paty Cantú, nie gehört? Kein Wunder, denn die Filiale von Universal, die sie betreut, ist die ihres Heimatlandes Mexiko. Und die wuchtigen Erfolgszahlen generiert die schlanke Schöne, die mit vollem Namen Patricia Giovanna Cantú Velasco heißt, fast ausschließlich in den spanischsprachigen Regionen der Welt. Weil dazu inzwischen auch die große Community der Hispanics in den USA gehört, hat sie immerhin auch im größten Musikmarkt der Welt einen Fuß in der Tür. War bei den MTV Awards in den Latin Music-Kategorien vielfach nominiert und hat zwei der Preise gewonnen. Zwei ihrer Songs wurden von MasterCard und Coca-Cola für ihre Werbespots ausgewählt, letzterer bei der Kampagne zur Fußball-WM 2014.

Natürlich kann man sich auch hier ihre Alben und Songs bei Spotify herunterladen oder sich auf Youtube Clips von ihr anschauen. "Cuervos" etwa, bei einem Konzert aufgenommen, das mit der opulenten Lichtshow, modernem Synthesizer- und Vocoder-Intro und hymnischer Hookline einen ersten Eindruck von dem großen Aufschlag vermittelt, den sie zu Hause gewohnt ist. Oder das über 55 Millionen Mal aufgerufene "Valiente", ein schlichter, aber druckvoller Popsong internationalen Zuschnitts samt aufwendigem Video mit Erdbeben-Szene. Der stammt von ihrem 2015er Album "#333", das ihr 140 Millionen Streams und goldene Schallplatten in Mexiko und Chile eingebracht hat. Hier kann man nicht nur ihre klare, kraftvolle und variable Stimme mit einem im Pop nicht selbstverständlichen Umfang bewundern, sondern auch ihre Präsenz, die ihr in Mexiko auch schon tragende Rollen in zwei Fernsehserien eingetragen hat.

Oder vielleicht am schönsten "Mariposas", auf Deutsch "Schmetterlinge", ein lustiger, flotter Song mit typischer Latin-Rhythmik und Akkordeon-Einsprengseln, der an die spanischsprachigen Alben von Gloria Estefan von vor 20 Jahren erinnert. Die wurden seinerzeit auch in Deutschland wahrgenommen, aber die Estefan war eben auch ein US-Star, der sonst auf Englisch sang, wie es fast alle international bekannten Latin-Stars bis hin zu Shakira tun. Erstaunlich, dass es im Zeitalter der Globalisierung ausgerechnet in der Musik immer noch Sprachbarrieren gibt. Wenn sie überwunden werden, wie etwa bei Juanes, dann über Bühnen-Präsenz.

Präsenz ist auch das Stichwort, das erklärt, warum Paty Cantú wenigstens im Fränkischen eine kleine deutsche Fangemeinde besitzt. Ihre Schwester Maria-Dolores hat einen Deutschen, geheiratet, den Anwalt Gustav Albrecht, und wohnt seit mehr als 20 Jahren im mittelfränkischen Städtchen Weißenburg. Schon seit Teenagerzeiten kommt Paty deshalb alle ein, zwei Jahre zu Besuch - und kann dort völlig unerkannt und unbehelligt durch die Straßen schlendern. In Mexiko konnte die aus Guadelajara stammende entfernte Verwandte von Linda Ronstadt das schon früh nicht mehr, sie fing in einer Girlie-Band an, unterschrieb mit 18 ihren ersten Plattenvertrag - übrigens mit fachlicher Unterstützung ihres Schwagers hier in Weißenburg - und machte sich bis 2007 im Duo "Lu" mit Mario Sandoval einen Namen.

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Millionenfach gestreamt und geklickt: Nun tritt die mexikanische Sängerin Paty Cantú zum zweiten Mal in Deutschland auf.

(Foto: Diego Simon Sanchez/imago)

In Weißenburg wird Paty immer noch vorwiegend als Schwester von "Loly" Albrecht wahrgenommen, obwohl sie vor drei Jahren im dortigen Wildbadsaal und im Nürnberger "Hirsch" ihre - immerhin ausverkauften - ersten zwei Konzerte in Deutschland gab. Trotzdem wird es emotionaler werden und weitere Kreise ziehen, wenn sie jetzt mit ihrem neuem Programm wieder in Deutschland auftritt, am Samstag in der durch die jährlichen "Bluestage" bekannten Rother Kulturfabrik. Vor zwei Jahren nämlich kam Patys Neffe, der 18-jährige Sohn der Albrechts, dem sie sehr nahestand, bei einem tragischen Unglücksfall ums Leben, was in der fränkischen Heimat wie auf Patys Social Media-Kanälen große Erschütterungen auslöste. Paty hat ihm einen Song gewidmet, der natürlich auch zu hören sein wird, bei dem vom Rotary Club Roth-Weißenburg als Benefizkonzert für zwei mexikanische Hilfsorganisationen veranstalteten Abend.

Paty Cantú, Samstag, 15. Februar, 20 Uhr, Kulturfabrik Roth, Stieblerstraße 7

© SZ vom 15.02.2020
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