Stars auf Abschiedstour Tourschlusspanik auf dem Ticketmarkt

Kiss noch einmal live erleben? In München geht das für 103,25 Euro.

(Foto: Nicholas Kamm/AFP)
  • In diesem Sommer häufen sich die Abschiedsankündigungen vieler Stars - und die entsprechenden Konzerte.
  • Wer sich diese letzten Konzerte sprachlich vornimmt, bemerkt: Selbstironie (John Cleese), Geradlinigkeit (Slayer) und Offensive (Heino).
  • Aber bedeutet Abschiedstour auch endgültig letzter Auftritt?
Von Martin Wittmann

Ein Sommer der Abschiedstränen naht: Dieses Jahr gehen auffallend viele Musiker ein letztes Mal auf Konzertreise, mehr als ein Dutzend namhafte Künstler findet, wer nach den Abschiedstouren 2019 sucht. Die Botschaft dieser Ankündigung, danach wirklich nie, nie wieder bewundert werden zu können, ist offensichtlich: Das sollte man sich keinesfalls entgehen lassen. Koste es, was es wolle. Die Verknappung des Angebots wirkt preistreibend. Wer etwa die "End of the Road"- Show von Kiss in München sehen möchte, zahlt 103,25 Euro, für Elton John gibt es in Stuttgart nur noch Sitze seitlich der Bühne für 106,50 Euro. Tourschlusspanik auf dem Ticketmarkt.

Eine nachgelagerte, aber im Popgeschäft auch nicht bedeutungslose Frage ist nun: Wie nennt man so ein ultimatives Angebot? Die Latte hängt hoch, seit die amerikanische Rockband Aerosmith ihrer (vermeintlichen) Abschiedstour 2017 den Namen "Aero-Vederci Baby!" gab. Einfallslosere Stars nennen ihre letzte Konzertreise irgendwie "Farewell"-Tour: Lynyrd Skynyrd etwa, die B 52's, Elton John und Joan Baez. Dann gibt es die selbstironischeren Künstler: John Cleese bewirbt seine Comedy-Shows als "Last time to see me before I die", und die Erste Allgemeine Verunsicherung ist gerade auf ihrer "1000 Jahre EAV Abschiedstour".

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Die "Erste Allgemeine Verunsicherung" hat Lieder geschrieben, für die sie verklagt und zensiert wurde. Und "Ding Dong". Ein innerer Zwiespalt, der sich auch bei der letzten Tour kaum ertragen lässt.   Von Martin Wittmann

Ozzy Osbourne hingegen musste sein für 2019 angekündigtes Finale namens "No more Tours II" gerade verschieben. Den ersten Teil dieser Tour übrigens absolvierte er nach argen gesundheitlichen Problemen, er wollte ein ruhigeres Leben mit seiner Familie führen. Das war 1992. Redselig und zur Sicherheit auch noch mehrsprachig ist die Schweizer Rockband Krokus. Sie sagt "Adios Amigos - Join us for the final party, we'll not be back". Geradliniger: Slayers "Final World Tour", die Puhdys und "Die Abschiedstour". Und es gibt die edlen Künstler, die den Letzte- Chance-Charakter ihrer finalen Tour gar nicht thematisieren: Mario Adorf gibt eine "Zugabe", das Schlagerduo Hauff und Henkler blickt zurück auf "50 Jahre live".

Heino hingegen ging das Karriereende offensiv an: Er nannte seine jüngste Platte "... und Tschüss - das letzte Album", und gerade war er auf "Abschiedstournee". Doch Heino ist nicht nur ein Meister im Gehen, sondern auch im Bleiben. "Ich könnte noch gern ein bisschen weitermachen", sagte er nach der Tour, nun stehen weitere Termine an. Die lukrative Ausweitung einer Limited Edition, oder wie die Bild kürzlich schrieb: "Die miese Masche mit der Abschiedstour". Angeklagt wurde da auch die Rockband Status Quo.

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1984 rief deren Sänger Francis Rossi nach mehr als 20 Jahren auf der Bühne das "End of the Road" aus. Die Briten kamen später natürlich zurück, tourten wie verrückt, bis sie vor drei Jahren "The Last Night of the Electrics" ankündigten - der endgültige Abschied, behauptete Gitarrist Rick Parfitt. Auf dieser Tour erlitt Parfitt einen Herzinfarkt und wurde durch einen anderen Gitarristen ersetzt. Parfitt erholte sich nicht mehr, er starb noch 2016.

Karten für die kommenden neun deutschen "Back! On Tour"-Sommershows von Status Quo sind übrigens ab 57,90 Euro zu haben.

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