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Personalabbau:Haus der Verzweiflung

Ai Weiwei bei Aktion für kündigungsbedrohte Mitarbeiter am Haus der Kunst in München, 2019

Vor der Presse stritten Ai Weiwei und Bernhard Spies vor einer Woche über Mitarbeiter-Outsourcing. Die Wogen haben sich noch nicht geglättet.

(Foto: Catherina Hess)

Streit mit Mitarbeitern eskaliert: Direktor des Hauses der Kunst will Mediator anrufen

Der Ärger zwischen dem kaufmännischen Direktor Bernhard Spies und der Belegschaft im Haus der Kunst ist in den vergangenen Tagen weiter eskaliert. Nachdem der chinesische Künstler Ai Weiwei für die vom Outsourcing bedrohten Aufsichten demonstriert und Spies ihn des Hauses verwiesen hatte, verschickte Spies am Donnerstag ein aufgebrachtes, hausinternes Rundschreiben. Darin steht, die nicht genehmigte Demonstration mit Ai Weiwei habe "ausschließlich dem Ziel gedient, dem Ruf des Hauses der Kunst zu schaden". Alle, die sich an dieser Aktion beteiligt hätten, "haben daher mit arbeitsrechtlichen Konsequenzen zu rechnen; im Wiederholungsfall bis zur fristlosen Kündigung".

Und Spies geht in dem Brief noch weiter. Bestimmte, im Schreiben teils namentlich genannte Mitarbeiter trügen Mitschuld daran, dass dem Haus enormer wirtschaftlicher Schaden entstanden sei. So sei es in der Vergangenheit zu Gesetzesverstößen etwa bei der Abwicklung von Kunsttransporten gekommen, schreibt er. Deshalb müsse das Haus Fördergelder in der Summe eines hohen sechsstelligen Betrags an den Freistaat zurückerstatten. Aktionen wie die mit Ai Weiwei dienten dazu, "von den eigenen Versäumnissen und Fehlern abzulenken". Der Inhalt des Schreibens blieb nicht lange hausintern. Er macht auch deutlich, dass sich nicht nur die Aufsichten, sondern Angestellte im Bereich der Verwaltung mit ihrem kaufmännischen Direktor überworfen haben. Bernhard Spies sah sich noch am Freitag gezwungen, zu reagieren. In einem weiteren Rundschreiben teilte er sein Bedauern mit, und die Bitte um Verständnis, für seine "über das Ziel hinausschießende" Reaktion. Diese sei der höchst angespannten wirtschaftlichen Situation des Hauses geschuldet sowie den "vielfältigen Problemen, mit denen die Geschäftsführung in den letzten Monaten zu kämpfen hatte und hat". Bernhard Spies, der im März 2018 geholt worden ist, um die Finanzen des Hauses zu ordnen, das damals unmittelbar vor der Insolvenz stand, erkrankte im Herbst 2018 schwer und muss sich bis heute regelmäßigen Behandlungen unterziehen. Der SZ sagte er nun: "Ich bin mit dem festen Willen gekommen, das Haus zu sanieren, aber ich habe den Eindruck, das wird nicht wirklich gewünscht. Innerhalb und außerhalb des Hauses. So schwer habe ich mir es nicht vorgestellt."

In seiner offiziellen Stellungnahme zu den jüngsten Entwicklungen schreibt er: "Die Vorkommnisse um die Aktion von Ai Weiwei haben gezeigt, dass die Nerven bei allen Beteiligten im Haus der Kunst höchst angespannt sind." Es sei ihm ein Anliegen, "die vielen Missverständnisse und persönlichen Verletzungen auszuräumen und zu einem sachlichen Dialog zurückzukommen". Daher habe er den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern noch am Freitag vorgeschlagen, einen gemeinsamen, externen Mediationsprozess anzustoßen. Der Vertrag von Bernhard Spies läuft noch bis zum März 2020. Ob er bis dahin bleibt, wird sich zeigen. Da bislang noch kein neuer künstlerischer Direktor für das Haus gefunden ist, droht andernfalls ein enormes Führungsvakuum. Das Kunstministerium betont unterdessen, dass "die künstlerische Geschäftsführung zeitnah vorgestellt werden kann".