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Interview mit Intendant Nikolaus Bachler:"Für einen Kampf braucht es zwei"

"Die andere Seite hat sich verweigert", sagt Nikolaus Bachler, 68. Er will die Auseinandersetzung im Vorfeld seiner Salzburger Intendanz aber nicht als "Kampf" bezeichnet wissen.

(Foto: Stephan Rumpf)

Nikolaus Bachler, künftiger Intendant der Salzburger Osterfestspiele, über die Auseinandersetzung mit Christian Thielemann, seine Reformpläne und das Ende der Klassik-Autokraten.

Am Dienstag hat der Aufsichtsrat der Salzburger Osterfestspiele einstimmig beschlossen, den Vertrag mit dem künstlerischen Leiter Christian Thielemann über das Jahr 2022 hinaus nicht zu verlängern. Damit ist der Weg frei für Nikolaus Bachler. Eine Zusammenarbeit zwischen Thielemann und Bachler war immer wieder infrage gestellt worden. Bachler, derzeit Intendant der Bayerischen Staatsoper, ist von 2022 an Intendant der Osterfestspiele. Zuletzt gab es Streit darüber, welche Oper 2022 gezeigt würde: "Lohengrin", Thielemanns Wunsch, oder "Der fliegende Holländer". Es wird nun "Lohengrin", mit dem sich Thielemann verabschiedet.

SZ: Herr Bachler, wussten Sie, dass sich der Aufsichtsrat für Sie und gegen Thielemann entscheiden würde?

Nikolaus Bachler: Nein. Aber: Das Wort "Kampf", das in letzter Zeit im Zusammenhang mit der Entscheidung immer wieder auftauchte, ist grundfalsch. Denn für einen Kampf braucht es zwei. Ich habe aber nicht gekämpft, sondern mich ein halbes Jahr lang um Zusammenarbeit bemüht. Ich fand es spannend, dass, wenn man nun schon zusammengespannt würde, man auch etwas daraus macht. Es stört mich sehr, dass nun von "Sieg" oder "Niederlage" die Rede ist, denn das sind Begriffe für den Sport oder den Krieg, aber sicher nicht für die Kunst.

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Von außen betrachtet wirkte zuletzt die Frage "'Lohengrin' oder 'Holländer'" eher kindisch.

Das stimmt aber nicht. Ich habe, in meiner neuen Funktion, die Frage gestellt, ob die Oper, die Herr Thielemann am meisten dirigiert - in Bayreuth, in Dresden -, in Salzburg vielleicht durch eine andere ersetzt werden könnte. Mehr war da nicht. Aber es war kein Kampf. Die andere Seite hat sich verweigert und dies über die Öffentlichkeit ausgetragen.

Im Grunde ist der Vorgang simpel: Ein auslaufender Vertrag wird nicht verlängert.

Genauso ist es. Aber das liebt die Öffentlichkeit nicht, die liebt das Drama und den Kampf. Nach zehn Jahren soll etwas Neues beginnen. Oder besser, in diesem Fall: Nach mehr als 50 Jahren soll vielleicht einmal eine neue Idee beginnen. Das ist nicht nur normal, das ist geradezu notwendig.

Die Lösung nun - Thielemann kriegt seinen "Lohengrin" - ist eine Befriedung.

Ich war immer der Meinung, wenn es Verträge gibt, sollte man sie erfüllen. Man kann aber auch nachdenken darüber, ob etwas anderes nicht besser sei. Ich glaube, das Grundproblem ist eine weltanschauliche Haltung; ich bin zutiefst davon überzeugt, dass Autokratismus im 21. Jahrhundert nicht mehr möglich ist. Das wird auch Trump noch lernen.

Der Kunstbetrieb ist da aber ein bisschen hinterher.

Das glaube ich eben nicht. Möglicherweise gibt es da noch einzelne Fälle. Aber wenn Sie sich die heutige Generation jüngerer Dirigenten anschauen, die funktionieren ganz anders. In einer Leitungsposition geht es heute um Sinnstiftung und Überzeugungsarbeit, nicht um Befehl und Anordnung.

Die Osterfestfestspiele sind nicht gerade berühmt dafür, Zentrum der Sinnstiftung zu sein. Man weiß ja, welche Schwierigkeiten etwa der derzeitige Intendant Peter Ruzicka hatte, dort eine kleine zeitgenössische Kammeroper aufzuführen.

Erstens weiß ich nicht, ob die kleine zeitgenössische Kammeroper in einem Zehn-Tage-Festival mehr sein kann als ein Feigenblatt. Zweitens glaube ich grundsätzlich an Sinnstiftung. Die Frage ist nur, an welchem Ort ist man, und wie sieht dort der Sinn aus? Mich interessiert, wie man in zehn Tagen eine Hitze, einen Sinn, eine Identität erreichen kann.

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