bedeckt München 29°

Neues Magazin "Symbolia":Journalistische Artenvielfalt

Views From The Consumer Electronics Show

Das neue Magazin "Symbolia" wird es vorerst nur als App fürs iPad geben.

(Foto: Bloomberg)

Ein neues Magazin präsentiert journalistische Inhalte in interaktiver Comicform. "Symbolia" ist eine App, die bislang nur für das iPad produziert wird. In jeder der Reportagen gehts ums Leben, ums Überleben und ums Weiterleben.

Von Anja Perkuhn

Da sind Millionen zertretene Fischgräten anstelle von kalifornischem Strandsand. Da sind bleiche, blinde Fische im Kongo-Fluss, und da sind Inlineskatende Jugendliche im Nordirak, die ein Leben unter Saddam Hussein nicht mehr kennen.

In jedem der Comics geht es ums Überleben. Ums Leben, Weiterleben. Damit das deutlich wird, braucht Symbolia keine Farbfotos und keine spektakulären Videos, es reicht beispielsweise eine Audio-Datei, die nichts enthält als das Geräusch von knirschenden Schritten am toten Uferstreifen des Salton Sees, gebettet in klare, trocken und blass kolorierte Zeichnungen.

Symbolia ist eine Application, ein interaktives Magazin, das die beiden US-Amerikanerinnen Erin Polgreen, 30, und Joyce Rice, 25, bisher ausschließlich für das iPad produzieren. Es setzt sich zusammen aus großen, relativ zeitlosen journalistischen Reportagen in Comicform, die alle das selbe Thema bearbeiten aus jeweils eigenwilligen Blickwinkeln.

"Illustrated journalism"

Das Magazin ist kein simples Infotainment, kein Zwitter aus Nachricht und Unterhaltung, bei dem eine Blondine im Bikini in einen Kühlschrank steigt, um zu demonstrieren, dass es darin kühl ist. Es ist eine weitere Spielform des Versuchs, den Journalismus mit den Möglichkeiten der neuen Medien begreifen und ergreifen zu wollen - und ihn schön, optisch ansprechend zu machen.

"Illustrated journalism" nennt Erin Polgreen es, nach dem Vorbild eines Comicjournalismus, wie ihn beispielsweise der maltesisch-amerikanische Journalist Joe Sacco in den Neunzigern mit Büchern über palästinisch-israelische Beziehungen oder den Bosnienkrieg populär gemacht hat, Magazine und Zeitungen wie Harper's Magazine oder der Guardian öffneten sich für das Konzept.

"Comics erreichen etwas, das Aufnahmegeräte nicht erreichen können"

Die Kunst schafft hierbei den Zugang zu den Inhalten, "Comics erreichen etwas, das Aufnahmegeräte nicht erreichen können", sagt Polgreen, "sie vermenschlichen komplizierte Geschichten und erzählen in einem Bild mehr als ein Essay mit zehntausend Worten." Damit folgt sie der Grundidee des amerikanischen Comiczeichners und -theoretikers Scott McCloud, dass ein vereinfachtes Bild den Betrachter dazu bringt, sich in die Rolle des Reporters zu versetzen und die Themen dadurch anders zu betrachten als bisher.

Fünf Autoren oder Teams aus Journalisten und Comiczeichnern haben an der ersten Ausgabe mitgearbeitet, die Anfang Dezember erschienen ist unter dem Oberthema "How we survive". Die international wohl prominenteste von ihnen ist Sarah Glidden. Im vergangenen Jahr ist die 1980 geborene Künstlerin in den USA als Entdeckung gefeiert worden, in ihrem ersten Buch "Israel verstehen in 60 Tagen oder weniger" (2011, Vertigo-Verlag) hat sie sich bereits mit dem Nahen Osten auseinandergesetzt, hat ihre Eindrücke von Israel und den dort lebenden Menschen aufgezeichnet in zart kolorierten Bildern.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema