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Neues Album der Red Hot Chili Peppers:Ewiges Sonnenstaat-Anliegen

Aber die besten Botschafter für ihr ewiges Sonnenstaat-Anliegen sind die alten Chili Peppers trotz dieser Kosmetik nicht mehr. Beim vierten oder fünften Durchlauf der Platte hat man deutlich das Gefühl, sie hätten diesmal absichtlich an den großen Würfen vorbeigearbeitet, mehrfach erleiden die Songs nach brauchbarem Beginn eine unnötige Zäsur, oder bekommen ein Hohlkreuz und hinken davon.

Und nein, das liegt nicht nur daran, dass einem die Begriffe Funkrock und Crossover mittlerweile ganz schön verwittert vorkommen. Die Herren selbst sprechen ja in Interviews von einer "völlig neuen Band", die sie nach fünf Jahren Veröffentlichungspause geworden wären.

Das ist offenkundiger Quatsch, dieses Album hätte genauso gut auf "One Hot Minute" folgen können. Falls sie mit dem Neuanfang die plakative Verweigerungshaltung in vielen Stücken meinen, so sei ihnen das natürlich gestattet, aber je länger eine Stadionband musiziert, desto öfter stellt sich doch die Frage nach ihrer Daseinsberechtigung.

Die beste Antwort darauf war seit jeher: neue Hits. Nicht ein bisschen gefälliges Brainstorming und Rumdrucksen in der Proberaumecke. Größtes Plus der Band war doch stets ihr niedrigschwelliger und allzeit abrufbarer Sexappeal, der die Songs in den besten Momenten so unwiderstehlich aus der Kurve beschleunigen konnte, wie die Achterbahn am Pier von Santa Monica ihre Passagiere.

Wenn Kiedis' Sprechgesang dereinst lässig über die brillant groovende Rhythmussektion stolperte und schließlich markant überschlagend den Refrain zelebrierte, wäre es einem selbst beim Inline-Skaten auf dem Weserdamm schwergefallen, ein dämliches Glücksgrinsen zu unterdrücken.

Diesen magischen Kickpoint treffen sie auf "I'm With You" aber nur noch selten, obwohl die Zutaten durchaus da sind. Allen voran Fleas superakzentuierter Bass geht dem Hörer an vielen Stellen wieder direkt ins Wippbein, nur leider greift bei vielen Songs dann die gute Idee nicht ganzheitlich über - vielleicht fehlen tatsächlich die Führungsqualitäten von Frusciantes Gitarre.

Ein schönes Farewell

Ausnahmen sind durchaus dabei - die angesprochene Single oder auch "Brendan's Death Song", der eine schönes Farewell für einen alten Freund der Band darstellt und angeblich einer spontanen Trauer-Jamsession entstammt. Solch vertontes Herzblut aber wurde eben nicht allzu großzügig vergossen, auch wenn sich das ganze Werk rein inhaltlich fast nur bei den Topthemen Tod und Liebe herumtreibt.

Eine gewisse Amtsmüdigkeit muss man ihnen also wohl attestieren, trotzdem sind die Red Hot Chili Peppers auch im Jahr 2011 noch die unpeinlichste Cabriomusik. Falls es so was überhaupt gibt.

© SZ vom 27.08.2011/pak
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