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Neuer Film von Steven Spielberg im Kino:"BFG" reicht nicht an "E.T." heran

"BFG" von Steven Spielberg im Kino

Der Riese und Sophie(chen) - im Roman von Roald Dahl noch in umgekehrter Reihenfolge.

(Foto: Constantin Film Verleih GmbH)

Steven Spielberg ist immer noch der größte Gefühlsmanipulator unter den Regisseuren. Aber seine Romanverfilmung von "Sophiechen und der Riese" bietet keine Überraschungen.

Eigentlich müsste Sophie schon wissen, dass diesem Riesen zu trauen ist, als sie ihm das erste Mal in die Augen sieht - er kann mit ihnen lächeln und zweifeln und sich fürchten, und es ist immer Wärme in diesen Augen. Sophie und der Riese sind die Helden in Steven Spielbergs neuem Film "BFG - Big Friendly Giant", aber die Sache mit dem gefühlvollen Blick ist alles andere als selbstverständlich.

Denn der große, freundliche Gigant ist ein Wesen aus dem Computer, die Dimensionen seines Körpers und seiner Ohren verraten es sofort. Zum Glück aber ist er keine dieser kühlen Motion-Capture-Figuren, die Spielberg vor einigen Jahren für "Die Abenteuer von Tim und Struppi" zum Leben erweckte - und dabei so leere digitale Gesichter schuf, dass man gar nicht wissen wollte, was Tim da erlebt hat. Auch Meister lernen dazu - die Augen des freundlichen Riesen sind jetzt die Fenster zur Seele des wundervollen Schauspielers Mark Rylance.

Roald Dahls Kinderbuch "Sophiechen und der Riese" ist 1982 erschienen, für Spielberg adaptiert hat es die im vergangenen Jahr verstorbene Drehbuchautorin Melissa Mathison, die auch "E. T." geschrieben hat. In beiden Geschichten geht es um eine von Spielbergs Lieblingsmissionen: Erschaffe eine Figur, die im ersten Moment bedrohlich wirkt - und dann bring deine Zuschauer in Windeseile dazu, sie ins Herz zu schließen. Der schrumpelige Außerirdische konnte das, aber auch der feindliche Spion, den Mark Rylance in Spielbergs "Bridge of Spies" (2015) spielte. Jetzt darf Rylance denselben Trick noch einmal vorführen.

Sophie will zurück, sofort

Am Anfang geistert der BFG durchs nächtliche London und verteilt dort Träume, die er mit einem trompetenartigen Gebilde in die Schlafzimmer bläst. Es darf ihn keiner sehen, und als Sophie (Ruby Barnhill) ihn erblickt, die im Waisenhaus lebt und nicht schlafen kann, nimmt er sie einfach mit ins Land der Riesen, das zwischen Schottland und dem Nirgendwo zu liegen scheint. Er hat sich aber nicht so recht überlegt, was er nun mit ihr machen soll. Sophie versucht, die Situation erst einmal auszudiskutieren. Sie will zurück, sofort.

Geht nicht, erklärt ihr der BFG, sie darf gar nicht mehr raus aus seiner Höhle. Denn draußen lauern seine Nachbarn, die noch viel größer sind als er und gerne Kinderfleisch fressen. Für Kinder ist das ganz schön schrecklich, aber Spielberg findet das nicht schlimmer als die Erschießung vom Bambis Mutter im legendären Disney-Film. In "BFG" ist er aber auch Dompteur erwachsenerer Ängste, er hat die Weisheit aus Roald Dahls Geschichte herausdestilliert: Nicht das Märchen vom gefahrlosen Idyll beschwichtigt, sondern das von den Helden, die sich stellen und die Herausforderungen meistern.