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Neue Harry-Potter-Bücher:Wie der Fast Kopflose Nick fast seinen Kopf verlor

Fast Kopfloser Nick Harry Potter

John Cleese als fast Kopflose Nick, im Original Nearly Headless Nick, in einer Szene aus "Harry Potter und die Kammer des Schreckens" mit dem jungen Harry Potter (Daniel Radcliffe).

(Foto: Warner Brothers)

Joanne K. Rowling meldet sich mit drei neuen Büchern aus dem Harry-Potter-Kosmos zurück - wunderbare Werkstattberichte fürs Nerdwissen.

Von Carolin Gasteiger

Lange hat die Abstinenz nicht gedauert. Vier Wochen nach der Theaterpremiere von "Harry Potter and the Cursed Child" in London hat Joanne K. Rowling drei neue Bücher aus dem Kosmos von Harry Potter und Hogwarts veröffentlicht.

Worum geht's?

Alle drei Bände sind eine Mischung aus Glossar und Werkstattbericht, Erläuterungen zu Handlung, Setting und Figuren der Harry-Potter-Welt. Rowling hat die Bücher dennoch grob inhaltlich aufgeteilt: In "Hogwarts: An Incomplete and Unreliable Guide" geht es vor allem um die Zauberschule Hogwarts, die Harry Potter und seine Freunde besuchen (Highlight: Wie Rowling auf die Idee mit dem Sprechenden Hut kam). "Short Stories from Hogwarts of Power, Politics and Pesky Poltergeists" widmet sich dagegen den persönlichen Schicksalen einzelner Charaktere wie Dolores Umbridge oder Quirinus Quirrell. Und in "Short Stories from Hogwarts of Heroism, Hardship and Dangerous Hobbies" geht es um die "Guten", etwa Minerva McGonagall, Hogwarts-Lehrerin und rechte Hand von Schulleiter Albus Dumbledore.

Was ist das Besondere?

Jedes Kapitel schließt mit "J.K. Rowling's thoughts", also den Überlegungen der Autorin. Und diese geben nicht nur einen interessanten Einblick in die Entstehungsgeschichte ihrer Potter-Romane. Sie illustrieren außerdem, mit wie viel Liebe und Akribie sich die Autorin mit dieser Welt auseinandersetzt, etwa wenn sie über die Genese der Eigennamen schreibt, die immer auch eine tiefere Bedeutung haben (so ist das Gefängnis Azkaban eine Mischung aus Alcatraz und dem hebräischen Ausdruck "Abaddon", das "Ort der Zerstörung" bedeutet). Oder wenn sie schildert, wie sie Elemente wie den Zeitumkehrer, den Hermine Granger eine Zeit lang verwendet, aus Logik-Gründen aus den Geschichten streichen musste.

Was ist die beste Anekdote?

Das Schicksal vom Fast Kopflosen Nick, einem der Geister, die in Hogwarts herumspuken. Noch am Leben hielt sich Sir Nicholas de Mimsy-Porpington für einen besseren Zauberer als er war und wollte - Achtung, Spoiler! - seine Angebetete becircen, indem er ihr auf eigenen Wunsch die Zähne begradigte. Das ging leider gründlich schief - der Armen wuchsen Stoßzähne. Und für Nick bedeutete es das Todesurteil. Allein das ist schon skurril genug, aber Rowling hat eine ganze Ballade über Nicks krudes Schicksal verfasst. In der heißt es unter anderem:

"'This may sting a bit'/ said the cack-handed twit/ As he swung the axe up in the air/ But oh the blunt blade!/ No difference it made,/ My head was still definitely there."

Was ist überflüssig?

Die Auflistung aller Zaubereiminister von 1707 bis zur Gegenwart mag den Leser ja noch kopfschüttelnd amüsieren. Aber ein eigenes Kapitel über Hexenkessel? Come on, Joanne! Das dürfte selbst dem eingefleischtesten Harry-Potter-Fan zu weit gehen.

Was fehlt?

Harry Potter. Um den geht es tatsächlich nur in Szenen, die Rowling als Erinnerung anführt. Aber das macht nichts - war der prominente Zauberer ja erst Protagonist in Rowlings jüngst veröffentlichtem Theaterstück über sein Erwachsenenleben.

Wer sollte das lesen?

Alle, die ein Herz für Detailliebe und Nerdwissen haben. Sollten Sie allerdings noch nie von Harry Potter gehört haben, können Sie sich die drei Pfund, die die Bücher jeweils kosten, sparen.

Was lernen wir daraus?

J.K. Rowling kann ihren Harry Potter einfach nicht loslassen. Sei es, weil sie ihre Fans nicht vergraulen will, auf deren Meinung sie stets Wert legte. Sei es, weil ihr als Autorin Harry Potter am besten liegt. Aber wie oft sich Rowling nun schon mit einer weiteren Harry-Potter-Veröffentlichung zurückgemeldet hat, ist nur ein weiteres Indiz für die zunehmende Prequelisierung - und Sequelisierung - der Popkultur, in der Geschichten einfach nie, nie, nie auserzählt sein dürfen. J.K. Rowling hat bestimmt nicht zum letzten Mal über Harry Potter geschrieben.

© SZ.de/doer/sks
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