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Musik und Fotografie: "Destroyed":Das Moby-Mobil

Moby reist seit 20 Jahren mit seiner Musik um die Welt, und genauso lange fotografiert er schon - die Flughäfen, die Fans und das Alleinsein nach dem großen Auftritt. Die Bilder.

Ruth Schneeberger

15 Bilder

Moby und das Absurde des Tourlebens

Quelle: dpa

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Moby reist seit 20 Jahren mit seiner Musik um die Welt, und genauso lange fotografiert er schon - die Flughäfen, die Fans und das Alleinsein nach dem großen Auftritt. Die Bilder.

Ein Zitat vorab: "Was Moby macht, ist beste Begleitmusik für alle Dreißigirgendwasse, die geregelter Arbeit nachgehen und - jawoll - auch mal Feierabend vom Shareholder-Value haben wollen. Für Menschen also, die einen Idioten zum Chef haben und in deren Appartement öfter mal die Heizung ausfällt, die aber niemals laut sagen würden, dass sie einen Idioten zum Chef haben und ein Appartement, in dem öfter mal die Heizung ausfällt - weil sie immerzu Verständnis haben."

Wenn es stimmt, was einst ein Kritiker über Richard Melville Hall schrieb, und über seine Musik, die er nun schon seit 20 Jahren unter dem Künstlernamen Moby macht, dann liefert uns der Künstler selbst gerade nicht nur den perfekten Soundtrack dazu, sondern auch gleich die passenden Bilder:

Text: Ruth Schneeberger/sueddeutsche.de

Die folgenden Bilder stammen aus dem besprochenen Band.

Moby

Quelle: Damiani-Verlag

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Guter Verkäufer, der er ist, hat der 45-jährige Musiker, Sänger, DJ und Produzent sein neues Musik-Album auf die letzte Seite eines Foto-Albums gepackt. Bevor man also zu den sphärischen Klängen vorstößt, die man so oder so ähnlich schon seit 20 Jahren kennt, darf der Käufer seines neuen Werkes mit Namen "Destroyed" in Mobys persönlichen Erinnerungen stöbern - oder zumindest in denen, die der Künstler der Öffentlichkeit zur Verfügung stellt. Wir blättern also ... 

Moby

Quelle: Moby/Damiani-Verlag

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... in einem schnieken Farbdruck-Katalog des italienischen Kunstbuchverlags Damiani und sehen Fotos Tausender tobender Fans, die dem Großmeister des Elektropop auf der Bühne zujubeln ...

Moby

Quelle: Moby/Damiani-Verlag

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... abwechselnd mit Bildern von der Einsamkeit, die Moby zwischen den Auftritten befällt: Auf Flughäfen, wo sonst eigentlich eher viele Menschen sind, die bei Moby aber einzig von gleißendem Licht ausgefüllt werden, ...

Moby

Quelle: Moby/Damiani-Verlag

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... in Wartebereichen, wo ihn keiner kennt, und niemand Notiz von ihm nimmt, ... 

Moby

Quelle: Moby/Damiani-Verlag

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... in Herbergen und Städten, die ihm fremd anmuten (im Bild eine Aufnahme aus Berlin um vier Uhr morgens), ...

Moby

Quelle: Moby/Damiani-Verlag

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... von anonymen Hotelfluren ...

Moby

Quelle: Moby/Damiani-Verlag

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... bis zu Momenten über den Wolken. Wenn der US-Musiker, der schon die Filmmusik unter anderem für die Bourne-Trilogie, Akte X, The Beach und Heat machte, der noch 1993 mit dem peitschenden Hardcore-Techno-Track Thousand den schnellsten Track der Welt schrieb, um später mit umso beseelterem Elektro-Pop ("Natural Blues", "In This World", "Lift Me Up", "We Are All Made Of Stars") Weltruhm zu erlangen, wenn Moby also unterwegs ist zwischen den Kontinenten, von einem Auftritt zum nächsten. Ob in der Luft ... 

Moby

Quelle: Moby/Damiani-Verlag

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... oder auf der Straße: Wir sehen Bilder eines Handlungsreisenden der Musik, ...

Moby

Quelle: Moby/Damiani-Verlag

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...  der trotz und wegen seiner vielen Auftritte ...

Moby

Quelle: Moby/Damiani-Verlag

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... und Intensivbegegnungen mit jenen, denen er seine Kunst verkauft, ...

Moby

Quelle: Moby/Damiani-Verlag

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... am Ende doch einsam zurückbleibt und nicht wirklich in Kontakt mit anderen Lebewesen tritt: "Gerade noch stehst du verloren in einer seelenlosen Flughafenhalle, im nächsten Moment fliegst du schon über die schönsten Landschaften der Welt. Gerade noch sitzt du im anonymen Backstage-Bereich, plötzlich findest du dich auf der Bühne vor 75.000 Menschen wieder. Starke Kontraste und Entfremdung - das heißt für mich auf Tournee zu sein und das ist es, was ich in Bildern zu erzählen versuche", schreibt Moby im Vorwort zu seinem Fotoband. "Auf Tournee bleibt nichts ohne sein Gegenteil: absurd leer und absurd voll, absurd leblos und absurd fruchtbar."

Moby

Quelle: Moby/Damiani-Verlag

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Wenn etwas schön und lebhaft ist an diesen ansonsten fast antiseptischen Bildern, dann ist es Mobys Begeisterung für die Natur, sein Blick für ihr Zusammenspiel mit futuristischen Elementen der Architektur (im Bild Oscar Niemeyers Nationalmuseum in Brasília), ...

Moby

Quelle: Moby/Damiani-Verlag

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... dann ist es die Poesie der Einsamkeit, die selbst eine Stadt wie Paris auf ein einziges digital anmutendes kühles Hinterhof-Leuchten reduziert, ...

Moby

Quelle: Moby/Damiani-Verlag

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... und dann ist es genau dieses Leuchten, das die ansonsten strikt geometrischen Bilder erwärmt - bei Tag und bei Nacht: Moby hat das Licht entdeckt. Was seine Fans an seinen teils tieftraurigen sphärischen Klängen schon immer liebten ("Why Does My Heart Feel So Bad?", 1999), nämlich den unablässigen Hoffnungsschimmer inmitten größter Seelenpein, das hat der Künstler nun auch optisch und öffentlich sichtbar gemacht.

Das ist schön, das ist genauso konsequent wie sein Künstlername, der sich vom Weltklassiker Moby Dick ableitet, den sein Ur-Ur-Großonkel Herman Melville 1851 veröffentlichte. Und es ist genauso konsequent wie Mobys Weltsicht, die ihn schon so lange wie er Musik und Fotos macht auch vegan leben und sich für Tierrechte einsetzen lässt.

Aber: Die Musik, die auf dem neuen Album noch lässiger daherkommt als alle bisherige Moby-Musik, ist so wohlig plätschernd, dass sie in ihrer freundlich melancholischen Harmlosigkeit schon fast wieder zäh wirkt. Vom Hocker reißt einen das nicht. Muss es aber auch nicht: Man kann das Album Destroyed prima beim Durchblättern des Coffee-Table-Books Destroyed hören. Und hat dann viel Verständnis für den armen reichen Moby in seiner schönen einsamen Welt. Auch wenn man einen idiotischen Chef hat und die Heizung manchmal nicht funktioniert.

Mobys Fotos sind noch bis zum 4. Juni in einer Ausstellung der Seven-Gallery in Berlin zu sehen. Am Sonntag, 29. Mai, gibt er ein Konzert im Kölner E-Werk.

© sueddeutsche.de/rus
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