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"Makers" von Chris Anderson:Anderson als Nutznießer der Veränderung

Abschließend ist Andersons These aus dem zentralen Satz von Seite 83 ist auch inhaltlich ein Beleg für die Art und Weise, wie "Makers" geschrieben ist: Es geht um Thesen, nicht um Belege - wie in dem zitierten Fall der Behauptung vom wachsenden Wunsch, an der Produktentstehung beteiligt zu sein. Ein Beleg für diese Beobachtung fehlt. Leider, denn natürlich könnte man auch sagen, dass extrem populäre Produkte wie Smartphones sich gerade nicht dadurch auszeichnen, dass der Käufer an ihrer Entstehung beteiligt ist. Womöglich würden viele sogar auf den Kauf der Telefoncomputer verzichten, wenn sie wüssten, unter welchen Bedingungen sie entstehen. Aber auf derlei Kontroversen will Anderson sich gar nicht einlassen, er will Bewegungen beschreiben - und im besten Fall auch erzeugen.

Anderson ist nicht der Beobachter, der analysiert, wie neue Technologien die Gesellschaft verändern: Er ist Antreiber und Nutznießer der Veränderungen und will seine Leser dafür begeistern. Dieser Wunsch, die Makers-Bewegung zu beschreiben, geht häufig auf Kosten der Genauigkeit. Das Internet der Dinge - das titelgebende Schlagwort der Stunde, das die Verbindung von Gegenständen über Sensoren und Sender beschreibt - wird erst definiert, nachdem Anderson seine Begeisterung dafür formuliert hat.

3-D-Drucker könnten die Welt verändern

Deshalb wirkt diese Begeisterung anfangs weniger ansteckend, als vom Autor vermutlich gewünscht. Nur wer sich bis zum zweiten Teil vorkämpft, beginnt zu ahnen, warum Anderson sich so sehr für den Wandel ereifert. Denn selbst wenn nur die Hälfte von Andersons Begeisterung stimmt, deutet sich hier eine tief greifende Veränderung im Umgang mit Produkten an: 3-D-Drucker könnten die Welt so verändern, wie es den Papierdruckern geglückt ist.

Und diese Veränderung - das belegt auch das Experiment im "Süddeutsche Zeitung Lesesalon" - beschränkt sich nicht auf die Welt der Bastler und Maker, die sich zum Beispiel Anfang November auf der Makers-Munich-Messe in München trafen. Der Wandel zeigt sich auch daran, dass Menschen sich nicht nur dafür interessieren, sondern auch sehr inspirierend daran beteiligen, wie eine Buchkritik entsteht. Belege dafür kann man auf sz.de/thema/lesesalon nachlesen, wo die besten Kurzkritiken der Teilnehmer nachzulesen sind.

© SZ vom 14.11.2014/danl
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