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Kurz-Rezensionen:Die Mitmacher über "Makers"

Im Rahmen des "Süddeutsche Zeitung Lesesalon" lasen 100 Leserinnen und Leser das Buch "Makers" von Chris Anderson - hier eine Auswahl ihrer Kurz-Besprechungen. Verfasst von Leserinnen und Lesern der SZ

"Makers" weiß nicht, was es sein will: Für eine kritische Auseinandersetzung zu oberflächlich, für einen inhaltlich hochspannenden, informativen und unterhaltsamen Vortrag zu lang, für einen DIY-Ratgeber zu kurz. Ein aufregendes und komplexes Thema, das in seiner Umsetzung enttäuscht.' (Silke Gaertzen)

Zunächst fühlte ich mich etwas verschaukelt - mir schien die Einleitung unseriös, effekthascherisch - , dann öffnete sich mir ein Fenster, durch das ich noch nicht so ganz zu schauen vermag. Geholfen hat, dass ich vor drei Tagen zum ersten Mal ein 3D-Erzeugnis sehen und befühlen konnte. Zu einer sachgerechten Einschätzung des Inhaltes fehlt mir die Kompetenz. Würde gern noch Lanniers "Wem gehört die Zukunft" lesen. (Almut Seiler-Dietrich)

Manches was er behauptet entspricht mehr seiner Überzeugung als belegbaren Feststellungen, aber vieles ist plausibel: dass die Produktion von Gebrauchsgütern durch die Techniken des 3­D-Drucks Eingang in den Alltag finden wird und dass die Comunities an Bedeutung gewinnen werden. Change will happen. (Wilfried Hoffer)

Es hat sieben Kapitel gebraucht, bis mich die Leidenschaft Andersons endlich abgeholt hat - aber erst als er von den Bereichen spricht, in denen er als Unternehmer und Chef einer 3-D-Drucker-Firma tätig ist, verschiedene Bereiche von erfolgreichen Startups zeigt, da macht es endlich Spaß in die Welt der Maker einzutauchen und das Buch zu lesen. Anderson ist ein erfolgreicher Unternehmer und leidenschaftlicher Maker, er sollte es dabei belassen. (Andreas Mayer)

Besucher auf der Make-Munich Maker-Messe

Besucher auf der Make-Munich Maker-Messe Make Munich Tonhalle München, 1./2. November 2014

Industrielle Revolution 4.0: Daniel Düsentrieb entdeckt das Internet, wird aber wohl nicht so reich wie Onkel Dagobert. (Thomas Brasch)

Das Problem dieses enthusiastisch vorgetragenen Buchs zwischen Prosa und Ratgeber ist seine gut situierte Monoperspektive. Ökonomisch, neoliberal, amerikanisch, reich, männlich. Aus der Leichtigkeit dieser Position heraus versucht Anderson (der in sich den "Maker" vereint, den Unternehmer und den gelangweilten Jungen, der nedlich neues Spielzeug will), den Westen wieder an China vorbei zu americandreamen. (Christoph Streckhardt)

Manches fehlt, anderes ist doppelt - aber unter dem Strich vermittelt Anderson so viel unerwartete Zukunft, dass man Makers nach der Lektüre nicht mehr aus dem Kopf bekommt. (Nadja Scharfe)

Wer bei diesem nicht enden wollenden Beschuss von guter Laune nicht zusammenbricht, überlegt, wo Konfliktlinien verlaufen. Sie finden sich leicht und Chris Anderson legt die Spur: vermutlich ungewollt. Allzu viele termini technici führt er ein, die einem technikfernen Computeridioten 3. Grades, wie mir, völlig fremd sind. Ich fühle mich ausgeschlossen - und wohl zu recht. Die schöne neue Welt ist nur für Leute, die mit dem Computer und den neuesten Programmen gut umgehen, ja sie weiterentwickeln können. (Ulrich Fischer)

Ein interessantes Thema wird oberflächlich und wirr abgehandelt, in einem Wust von aufgeblähten Anekdoten werden immer wieder Informationshäppchen versteckt, meist durchsetzt mit Fachjargon oder was man dafür halten könnte. (Gerhard Weber)

"Makers macht eine interessante Beobachtung, wenn es die Materialisierung des Netzes und das Übergreifen von digitalen Logiken auf die Sphäre der Produktion in ihrer vielfältigen Breite und umwälzenden Kraft umschreibt - und es scheitert doch als Buch, da es zum anekdotischen und wenig reflexiven Reportage- und Werbetext verkommt, weil es sich nicht traut, die Ambivalenzen der Entwicklung heads-on anzugehen, sondern lieber als Missionsstatement gelesen werden will." (Thorsten Thiel)

Einer interessanten Entwicklung tut der Autor keinen Gefallen, indem er mit teils widersprüchlichen und in ihren Wiederholungen ermüdenden Argumenten unkritisch für sie wirbt, sein deutscher Verlag lässt es zugleich an Aufmerksamkeit fehlen, den Makern einen Weg aus ihrer selbst gewählten Nische zu weisen. (Klaus-Christoph Mosecker)

Für mich war Makers durch seinen unkritischen, dagegen immer total begeistertem Ton eher ein nerviges Buch, obwohl es mir auch gezeigt hat, dass technisch wirkliche Umwälzungen vor uns liegen (das war interessant), und außerdem hat mich das richtig geärgert, dass so oft von einer "Demokratisierung" der Produktion gesprochen wurde, denn ich finde, dass der Begriff Demokratisierung hier fehl am Platze ist. (Birgit Ladwig)

Das Buch war etwas enttäuschend, wenig analytisch, sehr viel Storytelling, zeigte aber dann doch eine Entwicklung unterhaltend auf. (Manfred G. Lieb)

Visionär und verwirrend: Hätte ich Makers nicht im Lesesalon gelesen, ich hätte das Buch nicht Kapitel für Kapitel zu Ende gelesen. Umso bereichernder fand ich den Social Reading Aspekt und die Möglichkeit, sich in Kommentaren und auf der Plattform auszutauschen. Letztere steckt selbst noch in den Kinderschuhen; somit wurden wir aus dem Lesesalon quasi zu Meta Makern, indem wir im Sinne der Schwarmintelligenz an der Verbesserung mitarbeiteten. Das ist eher mein ganz persönliches Verständnis von digitalen Bastlern, ein crowdbasiertes Zusammenarbeiten bzw. collaboratives Coworking bei ausgewählten Problemen und Aufgaben. (Anna-Lena Müller)

Die Besprechungen entstanden im Rahmen des "Süddeutsche Zeitung Lesesalon", in dem mit Hilfe der Software DBOOK das Buch "Makers" von Chris Anderson gelesen wurde.

© dvg
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