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Literaturfest:Fröhliches Frittatenfiasko

Heinrich Steinfest übt sich im Scheitern

Von Bernhard Blöchl

Das Literaturfest ist gescheitert, unter großem Applaus. Schuld daran ist der Österreicher Heinrich Steinfest, der es mit seinem am Donnerstag im Gasteig vorgestellten Buch geradezu darauf anlegte, dem Festival und seinen Besuchern die Sinnhaftigkeit der Niederlage angedeihen zu lassen. "Gebrauchsanweisung fürs Scheitern" heißt sein im Piper-Verlag erschienenes literarisches Sachbuch, und damit jetzt keine Missverständnisse entstehen: Die München-Lesung des Wahl-Stuttgarters erwies sich freilich als das Gegenteil, als Triumph dergestalt, dass wohl kaum einer eleganter und verschmitzter, gleichzeitig in den Satzschlenkern Heimito-von-Doderer-artig über Missgeschicke und Ängste, peinliche Situationen und "Besserscheiterei" schreibt als der Bayerische-Buchpreis-Träger aus dem Jahr 2016.

In seinen Miniaturen geht es um verzweifelte Rückschläge beim Tischtennis in China, beim Segeln, beim Eier-Kochen, bei der Wahl des Themas für das nächste Buch. Ein sehr persönliches Werk, wie Steinfest in der gut gefüllten Black Box sagte, was sich in den vergnüglichen Episoden aus seinem Leben manifestierte. Etwa, wie er einst an großer Tafel eine Frittatensuppe auftischte, bei der Portionierung der Einlage aber zunächst zu großzügig zu Werke ging, weshalb es unter "Prüfungsschwitzen" zu einer "Frittatenumverteilung" kam. Köstlich auch die Verquickung des Scheiterns "in Fragen der Kleidung und der Liebe".

Heinrich Steinfest, 58, hat seine literarische Stimme längst gefunden; er schreibt seit 20 Jahren, preisdekorierte Krimis, in vielerlei Hinsicht fantastische Romane jenseits der Genres, Sachbücher. Ob er liest oder frei redet, um die mitunter philosophisch marinierten Texthäppchen zu binden, spielt keine Rolle. Man beißt an, hört ihm gerne zu. Zum Beispiel dann, wenn er von den Albträumen des Schriftstellers vor Lesungen erzählt. Die Zähne könnten ihm ausfallen, "hinein in mein Buch, als erbräche sich ein Gerippe", er könnte sich nackt vor dem Publikum befinden, "in diesem Fall ohne ein Tischtuch, das den unteren Bereich des Lesetischs verdecken würde". All das geschah nicht, Steinfest war gut gekleidet und verlor, so weit bekannt, auch keine Zähne.

© SZ vom 30.11.2019
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