Stefan Hertmans: Die Fremde

Jahrelang hat Stefan Hertmans an "Die Fremde" gearbeitet. Ausgangspunkt des Romans ist der französische Wohnsitz des Autors in Monieux. Im Archiv, in der Bibliothek und auf Reisen hat Hertmans der Geschichte nachgespürt, die sich zur Zeit des Ersten Kreuzzuges im späten 11. Jahrhundert vor seiner Haustür zugetragen hat. Er berichtet vom Schicksal einer Christin, die ihre Familie verließ und zum jüdischen Glauben übertrat, um David, den Sohn eines Rabbis zu heiraten. Um ihren Verfolgern zu entgehen, flüchteten sie nach Monieux. Doch dauerhafte Sicherheit fand das Paar dort nicht. Bei einem Pogrom durchziehender Kreuzritter wurde David ermordet, die zwei Kinder des Paares wurden geraubt.

Im Präsens tritt der Erzähler an die Seite der Figuren und scheint sich gelegentlich an den Ekstasen der Liebenden und dem Delirium der entlaufenen Christin angesteckt zu haben, die im Aufschwung der Pogrome und Kreuzzüge untergeht. Nie macht diese fiebrige Einbildungskraft ein Hehl daraus, dass sie ein mögliches in ein wirkliches Geschehen verwandelt. Sie schöpft aus historischem Wissen, wenn sie das Europa der christlichen Mobilmachung als eine Gefahrenzone vor Augen stellt, aus der die Fluchtwege nicht hinausführen. Aber die Unruhe dieses Autors ist aus der Gegenwart Europas hervorgegangen.

Lesen Sie hier die vollständige Rezension von Lothar Müller.

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Bild: Hanser Berlin 22. März 2017, 08:302017-03-22 08:30:08 © SZ.de/luch/smb