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"Leto" im Kino:Vor dem Ausbruch

Wiktor Zoi (Teo Yoo, links) war der tragische Fremde, dem der frühe Tod die Verwandlung Russlands in eine kapitalistische Müllkippe ersparte.

(Foto: Weltkino)

Der Regisseur Kirill Serebrennikow hat mit "Leto" einen Film über den legendären Rockmusiker Wiktor Zoi gedreht, den seine Anhänger als Erlöser verehren.

Der Anfang ist reine Energie, eine unterdrückte, gewaltige, potenziell systemgefährdende Kraft. Noch sitzen die Jungen und Mädchen im Leningrader Rockklub auf ihren Stühlen wie festgeschraubt, aber ihre Augen sind Glühwürmchen, die Knie vibrieren, in letzter Sekunde schlüpfen Bewunderinnen durchs Fenster, schlimm, schimpfen die Aufpasser, diese "Kakerlaken". Als eine junge Frau vor der Bühne einen Zettel mit einem Herz darauf in die Höhe hält, schreiten die Wächter energisch ein, als schwenke sie eine Amerikaflagge. Sie ahnen: Der Applaus am Ende mag erzwungen brav dahinplätschern, als hätten Mike Naumenko und seine Band "Zoopark" zur Balalaika gesungen und nicht einen Song namens "Bljad", was mit "Schlampe" eher kinderfreundlich übersetzt ist, aber es liegt etwas in der Luft, vielleicht kein Aufruhr, aber etwas Ungeschliffenes, Unbezähmbares, Niedagewesenes.

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