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Verfemte DDR-Autoren:Heidemarie Härtl

1943 in Oelsnitz im Vogtland geboren. Studium des Bauwesens in Dresden. 1967 Studium am Leipziger Literaturinstitut. Ehe mit dem Dichter Gert Neumann. 1970 Zwangsexmatrikulation zusammen mit ihrem Ehemann wegen "unbotmäßiger Rede". Beginn des literarischen und politischen Widerstands in Leipzig. Umfassende Observation durch die Staatssicherheit. Verhinderte Publikationsmöglichkeiten. Einzige, durch den Geheimdienst strategisch geplante Veröffentlichung 1977 "Ach, ich zog den blauen Anzug an", um die Ehe zu untergraben. 1983 Mitarbeit an der staatlich nicht genehmigten Zeitschrift Anschlag. 1987 Gründung und Herausgabe der Untergrund-Zeitschrift zweite person. Einlieferung in die Psychiatrie. 1993 starb Härtl nach langem Krebsleiden in Leipzig.

Heidemarie Härtl

Heidemarie Härtl

Die Bedürfnisse des Körpers helfen, die Motive zu finden. Der Wahn als Reserve der Wahrheit. Ich will in Relevanz leben. Begegnungen ohne Liebe sind für mich irrelevant. Die Form des Tages gibt zu wenig her. Ich verlange Transzendenz. Ich bin nicht inspiriert. Ich trinke Kaffee und hoffe. Das ist es. Ich muss nachdenken. Ich brauche Zeit. Die Empfindungen des Tages: eine gelbbraune Sonne, ein Lüftchen, ein Gesprächsfetzen. Mehr wünscht man sich doch nicht. Menschen mit Wimpern und gewölbten Fingernägeln, mit Haut wie der eigenen. Menschen, die in der Lage sind, das zu sehen - die Härchen auf den Armen zum Beispiel.

Aus dem Roman "Puppe im Sommer"