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Kurzkritik:Zauberhaftes Schweben

Das Duo Igudesman & Joo im Prinzregententheater

- Was man in jeweils fünf Sekunden alles an Meisterwerken der Musikgeschichte gewissermaßen plausibel erledigen kann: Beethovens Fünfte, Mozarts - in diesem Fall besonders - Kleine Nachtmusik, John Cages berühmtes Schweigestück "4' 33'' " verdammt viel kürzer und auch ein Requiem für eine Maus - ein schmerzlich berührender Quietscher auf der Geige. Oder einfach eine Email an Wolfgang Amadé Mozart schicken, vom Laptop beziehungsweise Flügel aus. Als Password wird B-A-C-H "eingegeben". Und dann die Frage: "Wo ist hier der @ Knopf?"

Die Einfälle von Igudesman & Joo versetzen in Vielfalt, überraschenden Effekten und hinreißender Leichtigkeit in ein zauberisches Schweben zwischen Lachen und Nachdenklichkeit. Aleksey Igudesman, in den Siebzigern im einstigen Leningrad geboren und unter anderem beim renommierten Violinprofessor Boris Kuschnir ausgebildet, und Hyung-ki Joo, britischer Pianist mit koreanischen Wurzeln, trafen sich in der Yehudi Menuhin School und begannen in der Nachfolge des großen dänisch-amerikanischen Musikkomödianten Victor Borge ihre Reisen in Musik und Komik. Voraussetzung für das Zünden musikalischen Witzes ist absolute Beherrschung der Instrumente. Beide haben auch als ernste Solisten Karriere gemacht. Doch die humorfreie Steifheit des Konzertrituals durchbrechen die beiden mit Kreativität, in der sie die "Rettung der Welt" sehen. Kann man den hysterischen Antisemiten Richard Wagner geistreicher kritisieren, als mit dem "Walkürenritt" im Klezmer-Stil? Gibt es einen eleganteren Weg vom Adagietto aus Gustav Mahlers 5. Symphonie zum Jazz als hier? Kann man einer Maria aus dem Publikum liebenswürdiger den Hof machen als Joo, wenn er sie ansingt, doch ihren Gatten zu erschießen?

Igudesman & Joo, diese fabelhaften Virtuosen, drehen das Rad ihrer Inspirationen so kunstvoll, gemischt aus Clownerie, Slapstick und Improvisationsschwung, dass für zwei Stunden keiner ihrer Magie widerstehen kann.