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Verrückte Auktionen:Glückssträhnchen

Pressebilder: Nirvana: Kurt Cobain Hair Presentation (John Reznikoff/University Archives Provenance)

Das zu versteigernde Arrangement mit Fotos, einem "Echtheitszertifikat" und natürlich den Haaren.

(Foto: John Reznikoff/University Archives Provenance)

Kurt Cobains Haare, Britney Spears Kaugummi: Über den Handel mit Rockstar-Erinnerungen.

Von Nicolas Freund

Was macht man dann damit? An die Wand hängen und hoffen, dass sich etwas von dem Genie des Rockstars erhalten hat? Dem Ding huldigen, wie einer Reliquie? Oder einfach in ein paar Jahren noch teurer weiterverkaufen? Im Rahmen der "Amazing Music Auction (Vol. 1)" werden gerade neben solchen mondänen Gegenständen wie von AC/DC signierten Gitarren und von den Beatles unterschriebenen Schallplatten auch Haare des verstorbenen Nirvana-Frontmanns Kurt Cobain versteigert. Sechs einzelne blonde Haare, um genau zu sein, zusammen mit ein paar Fotos und einem Text der früheren Besitzerin Nicole DePolo, in dem sie blumig beschreibt, wie sie an die Strähne des Rockstars gekommen ist.

Die soll ihr nämlich damals, 1994 in Seattle, eine gewisse Tessa Osbourne zugesteckt haben, als die beiden, wie viele andere Fans, um den verstorbenen Kurt trauerten. Jene Tessa Osbourne war extra aus Birmingham angereist und wurde von Cobains Ehefrau Courtney Love aber nicht auf die Beerdigung gelassen. Die Strähne besaß sie, weil sie mit Nirvana im April 1989 in Großbritannien unterwegs gewesen war, also noch bevor die Band ihren riesigen Durchbruch mit dem Album "Nevermind" gehabt hatte.

Der ikonische Haarschnitt des Musikers, schulterlang und hellblond getönt, soll auf diese Tessa zurückgehen. Zum Beweis der Geschichte gibt es Fotos, auf denen eine junge, dunkel gelockte Frau Cobain mit einer Bastelschere die Haare schneidet. DePolo erklärt in dem Begleitschreiben, sie habe die Haare kaum angesehen und immer "verstörend" gefunden, wolle aber, dass sie erhalten blieben, um von anderen "bewundert zu werden". Die Haare gelangten 2015 in den Besitz John Reznikoffs, eines berüchtigten Sammlers nicht nur von Haaren, der sie jetzt zum Verkauf bietet. Bei Redaktionsschluss am Montag lag das höchste Gebot bei 3025 Dollar. Die Auktion endet am Samstag amerikanischer Zeit.

Kaugummi und Nierenstein: Es gibt viele kuriose Verkäufe

Es ist nicht die erste bizarre und morbide Auktion aus der Welt des Rock: Neben Instrumenten und Platten, bei denen man die Faszination der Fans noch nachvollziehen kann, sind auch solche Dinge wie ein Kaugummi von Britney Spears (gebraucht), das Backgammon-Spiel von Elvis Presley (sowie natürlich auch dessen Haare) und ein Hemd mit dem Blut John Lennons versteigert worden. Bereits 2015 ist eine Haarsträhne von Kurt Cobain unter den Hammer gekommen, und der grüne Cardigan, in dem er die Live-Platte "MTV unplugged" einspielte, wechselte schon mehrmals den Besitzer.

Manche Prominente stoßen solche Verkäufe selbst an, wie William "Captain Kirk" Shatner, der 2006 einen Nierenstein, der ihm entfernt wurde, für 25 000 Dollar verkaufte. Es ist aber schwer vorstellbar, dass introvertierten Persönlichkeiten wie Kurt Cobain, der nicht zuletzt an dem öffentlichen Druck als Rockstar kaputtgegangen ist, ein solcher Devotionalienhandel mit persönlichen Gegenständen gefallen hätte. Immerhin: Ein Teil der Erlöse durch die Versteigerungen bei dem Auktionshaus Iconic Auctions soll dem Verein Crew Nation zugutekommen, der Menschen aus der Veranstaltungsbranche unterstützt, die wegen der Pandemie derzeit ihren Beruf nicht ausüben können. So haben die Haare doch noch einen Zweck.

© SZ
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