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Kulturpolitik:Preisfrage

Neuer offener Brief zur Verlagsförderung

Vieles ist eine Frage des Preises, auch in der Verlagsbranche. Ein Riesenunternehmen wie Bertelsmann gibt, wie am Mittwoch bekannt wurde, mal eben 675 Millionen Dollar aus, um die letzten noch fehlenden Anteile für Penguin Random House zu erwerben - die Verlagsgruppe soll künftig mehr als 300 Verlage weltweit umfassen, davon 47 in München. Um ganz andere finanzielle Dimensionen geht es bei unabhängigen kleinen Verlagen, doch auch da kommt jetzt etwas Bewegung in eine seit Längerem schwelende Angelegenheit: die Frage, in welcher Form der Freistaat den in diesem Jahr nicht vergebenen "Preis für einen bayerischen Kleinverlag" weiterführt.

Hatten sich etliche unabhängige Verleger bereits im November mit einem offenen Brief ans Kunstministerium gewandt (SZ vom 16./17. November), so setzte die Münchner Verlegerin Silke Weniger von der Edition fünf am Mittwoch noch einen offenen Brief drauf. Angeregt fühlte sie sich von der Verleihung des Jean-Paul-Preises an die Schriftstellerin Ursula Krechel am Montag, bei der Laudator Michael Stolleis sinngemäß sagte: "Preise sind der Dank des Staates an diejenigen, die Unkalkulierbares schaffen." Im Falle Krechels sind das auch ihre langjährigen Verleger Jochen und Anna Jung, die zur Feier reisten, ohne jedoch namentlich erwähnt zu werden. Für Weniger setzt hier ihr "Unbehagen mit der derzeitigen Situation der bayerischen Verlage" ein: "Die Öffentlichkeit kennt sie nicht. Ihre Verdienste um Kultur, Teilhabe und Diskurs bleiben unsichtbar." Und das, obwohl die Mehrzahl der mit dem bayerischen Kleinverlagspreis ausgezeichneten Verlage "ohne kurzfristige oder langfristige Aussicht auf Profit" arbeite.

Silke Weniger schlägt daher, ganz konkret, einen "Bayerischen Verlagspreis für unabhängige Verlage" vor. Nach dem Vorbild des neuen Berliner Verlagspreises plädiert sie für einen Hauptpreis von 35 000 und einen Förderpreis von 15 000 Euro sowie kleinere Anerkennungen für jüngere Verlage. Langfristig noch wichtiger sei allerdings eine systematische Programmförderung, weshalb sie zusätzlich einen Fonds von 50 000 bis 100 000 Euro für die Förderung zahlreicher einzelner Buchprojekte anregt.

Die Verlegerin dürfte nicht die Einzige bleiben, die genaue Vorstellungen einer idealen Förderung hat. Etliche Kollegen dürften mit Ideen folgen, nun ermutigt durch das Ministerium. Das hatte bereits Ende November einen "Call for Papers" angekündigt und nun umgesetzt: Auf der Webseite des Ministeriums (stmwk.bayern.de) ist seit Mittwoch ein Aufruf an Interessierte aus der Branche zu finden, bis zum 31. Januar Vorschläge für "künftige Formate der Würdigung unabhängiger Verlage" einzureichen. Die Ergebnisse sollen dann bei einem Round-Table-Gespräch diskutiert werden. Vielleicht ja lässt sich diese Preisfrage noch zur Zufriedenheit aller beantworten.

© SZ vom 19.12.2019

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