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Künstler in New York:Neuanfang in der Stadt der Heimatlosen

Lana Cenčić bei einem Auftritt in New York: Neu anfangen, fremd sein, Sehnsucht haben

(Foto: privat)

Lana Cenčić hat im Jugoslawienkrieg ihre Heimat verloren. In New York versucht die Musikerin das zu finden, was andere "Zuhause" nennen.

"Andere bauen sich im Leben etwas auf. Ich habe schon vier Mal alles eingerissen, was bis dahin mein Leben ausgemacht hatte. Das erste Mal war während des Krieges im ehemaligen Jugoslawien. Ich war acht Jahre alt, als ich meine Heimat verloren habe. Vielleicht war es diese frühe Erfahrung, die ich später immer wieder wiederholen musste. Neu anfangen, fremd sein, Sehnsucht haben. Das ist es, was mich prägt.

Meine Heimat ist nirgends. Es ist kein Ort, eher ein Gefühl. Ob ich mich irgendwo zu Hause fühle, hat auch nichts damit zu tun, von welchen Menschen ich umgeben bin. Ich kann bei meiner Familie sein und mich fremd fühlen. Oder allein sein und ganz daheim.

Ständig vermisse ich jemanden: Meine Verwandten und meine Freunde leben verstreut über Europa und die USA. Nie sind alle Menschen, die mir wichtig sind, an einem Ort versammelt. Meine Wurzeln reichen wohl nicht besonders tief, sie liegen oberirdisch, sie gehen um die ganze Welt.

Kein Zurück

Der Krieg hat mich abgeschnitten von dem, was in meiner Kindheit mein Zuhause war. Plötzlich gab es kein Zurück mehr in meine Heimatstadt Zagreb. Und auch kein Abschiednehmen.

Wenn ich höre, was die Flüchtlinge erfahren haben, die heute nach Europa kommen, weiß ich, dass ich eigentlich nichts Schlimmes erlebt habe. Ich hatte immer Glück: Ich habe keine Toten gesehen, keine Familienmitglieder wurden durch Bomben getötet oder verstümmelt. Aber der Krieg hat mich doch geprägt.