"The Huntsman & The Ice Queen" im Kino:Zwei böse Königinnen zum Preis von einer

Huntsman and the Ice Queen

Zwei Böse zum Preis von einer: Emily Blunt (links) und Charlize Theron.

(Foto: Universal)

Das Prequel "The Huntsman & The Ice Queen" ist vorhersehbar, kitschig, beliebig. Merkwürdigerweise macht das Ganze trotzdem Spaß.

Filmkritik von Juliane Liebert

Es war einmal ein großer Kassenerfolg. Er hieß "Snow White & the Huntsman" und kam vor vier Jahren in die Kinos, Kristen Stewart, Chris Hemsworth und Charlize Theron spielten darin mit, und alles mündete, wie sollte es anders sein, in ein wunderbares Happy End. Und wenn sie nicht gestorben sind ...

Nur stirbt in Zeiten des Fortsetzungswahns eben niemand mehr. Außer Han Solo in "Star Wars", aber selbst bei dem darf man nicht allzu sicher sein, ob ein Laserschwert-durchbohrtes Herz samt anschließender Todessternexplosion ihn wirklich dauerhaft aus dem Verkehr zieht.

Heute serviert Cedric Nicolas-Troyan also die Reste vom Schneewittchenbraten, nicht mehr ganz frisch, aber die Zeiten sind hart. Unsere alte Bekannte, die böse Königin mit dem schmeichlerischen Spiegel und dem vergifteten Apfel, ist zu Beginn von "The Huntsman & the Ice Queen" zwar mausetot. Sie hatte aber - Überraschung! - eine Schwester. Und diese Schwester ist - Surprise, Surprise! - die Eiskönigin. Die von Hans Christian Andersen. Wie, das ist ein anderes Märchen? Ist doch egal!

Wer schlägt jetzt wen und warum?

Also, diese neu dazu erfundene Eiskönigin will das im ersten Teil befriedete Land in eine Eiswüste verwandeln, und dabei belebt sie versehentlich auch gleich ihre Schwester wieder, die mit dem Spiegel und dem Apfel, macht zwei Böse zum Preis von nur einer. Und los geht's.

Der Huntsman alias Jäger Eric (immer noch Chris Hemsworth) und seine Geliebte Sara (Jessica Chastain) müssen sich diesem Doppelpack auf Bitten von Snow White alias Schneewittchen stellen. Die mischt selbst allerdings nicht mehr mit, Teil eins hat ihr offenbar zu sehr zugesetzt. Dafür gibt es Zwerge, ein vom Schicksal getrenntes Liebespaar und viele von diesen Prügeleien, bei denen nie ganz klar ist, welches Körperteil zu wem gehört und wer jetzt wen warum schlägt. Eric und sein Gefolge durchreiten diverse Fantasyklischees bis zu einem angemessen beeindruckenden Eispalast, wo der große Showdown abgespult wird.

Nach den hier erkennbaren Mustern lässt sich nun problemlos die Story für Teil drei generieren: In dem entdeckt die Cousine der bösen Königin, die auch die geheime Liebhaberin der Eiskönigin ist, von der man nur vorher nichts wusste, weil sie in den Flitterwochen war, dass ihre Basen tot sind. Ihr Name ist Frau Holle. Sie belebt die Schwestern in der Form von Wolken wieder, und zu dritt gehen sie in Schneewittchens Schloss, um dort Gold zu Stroh zu spinnen, während eine fulminante Verfolgungsjagd auf Einhorn-Drachen-Hybriden ums Knusperhäuschen tobt.

Bevor der Braten kalt wird: Der Film ist natürlich bis ins Letzte vorhersehbar, kitschig, beliebig. Der Spiegel der bösen Königin ist ein Rip-off von Tolkiens Ring, inklusive böser Stimme, die zum Töten aufruft. Spätestens, als die Eiskönigin auf einem Eisbären einreitet, wird es vollkommen lächerlich, und am Ende küssen alle irgendwen. Merkwürdigerweise macht das Ganze trotzdem Spaß.

Aufpassen? Nicht nötig

Selbst anspruchsvolle Kinogänger, sollten sie zufällig in diese Fortsetzung geraten, könnten danach das Bedürfnis verspüren, sich auch noch Teil eins anzuschauen. Aus reinem Interesse an den Machwerken des degenerierten Hollywood natürlich, also aus wissenschaftlicher Neugier. Und wenn sie das getan und die DVD danach in der Schmuddelkiste zwischen "Männerherzen II" mit Til Schweiger und "Twilight" versenkt haben, könnte unter Umständen auch noch der Gedanke auftauchen, dass Teil drei eigentlich gar keine so schlechte Idee wäre.

Denn letztlich hat diese Art Kino eine Entspannungsfunktion, weil man sich ja zum Beispiel um die Hauptcharaktere nie ernsthaft Sorgen macht und auch sonst nicht aufpassen muss. Als hätte hier Quentin Tarantino die Genreparodie einer Genreparodie gedreht, nur ohne die nervigen Monologe und das ständige Geballer.

Wann dreht Tarantino eigentlich endlich einen Fantasyfilm? Er könnte gleich mit Teil vier beginnen, das machte es für alle einfacher.

The Huntsman: Winter's War , USA 2016 - Regie: Cedric Nicolas-Troyan. Buch: Evan Spiliotopoulos, Craig Mazin. Kamera: Phedon Papamichael. Mit Chirst Hemsworth, Charlize Theron, Emily Blunt, Jessica Chastain. Universal, 114 Minuten.

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