Kirche:Preis für das "Papierklavier"

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Das Jugendbuch "Papierklavier" von Elisabeth Steinkellner und Anna Gusella lehnte die Bischofskonferenz als Preisträger ab.

(Foto: Anna Gusella/Beltz und Gelberg)

Nach dem Eklat um das Jugendbuch von Elisabeth Steinkellner hat sich eine Gruppe um einen katholischen Diakon die Ehrung ausgedacht. Das Preisgeld wollen sie per Spenden sammeln.

Von Annette Zoch, München

Vielleicht bekommt das "Papierklavier" von Elisabeth Steinkellner am Ende doch noch einen Preis - den "Christlichen Kinder- und Jugendbuchpreis 2021". Nie gehört? Kein Wunder, den Preis gibt es erst seit etwa zwei Tagen. Erdacht hat ihn eine Gruppe von Privatleuten rund um den katholischen Diakon Markus Fuhrmann. Das Preisgeld von 5000 Euro wollen sie per Spenden sammeln, kündigten die Organisatoren auf Twitter an.

Damit reagieren sie auf die Absage des diesjährigen Katholischen Jugend- und Kinderbuchpreises durch die Deutsche Bischofskonferenz. In diesem Jahr hatte die zehnköpfige Jury aus Theologieprofessoren, Literaturwissenschaftlerinnen und Pädagogen das Buch der österreichischen Autorin nominiert. In dem fiktionalen Tagebuch einer 16-Jährigen geht es um Tod, Armut - und Sex. Eine Nebenfigur im Buch ist transsexuell, die Mutter der Hauptfigur hat drei Töchter von drei Männern.

Beim Ständigen Rat, dem Arbeitsgremium aller 27 Diözesanbischöfe, kam das Buch nicht so gut an. Es habe "die Auffassung bei den Bischöfen überwogen, dass das Buch nicht hinreichend den Kriterien des Preises entspricht", twitterte der Sprecher der Deutschen Bischofskonferenz, Matthias Kopp. In den Statuten heißt es, der Preis werde für Arbeiten verliehen, "die beispielhaft und altersgemäß christliche Lebenshaltungen verdeutlichen". Kopp reagierte am Donnerstag auf die massive Kritik gegen die Entscheidung, unter anderem hatten sich 222 Kinderbuchautoren in einem offenen Brief zu Wort gemeldet.

Kopp trat jetzt dem Eindruck entgegen, es habe am Thema Transsexualität gelegen: "Weder das Thema Transgender, noch die Autorin - die bereits mehrfach auf der Empfehlungsliste in den zurückliegenden Jahren vertreten war - waren hierfür entscheidend", schrieb Kopp. Das Buch bündele "eindrucksvoll in einem Brennglas die heutige Lebenswirklichkeit von Jugendlichen". Auf die Frage, was dann Grund für die Ablehnung gewesen sei, sagte Kopp: "Zu den internen Beratungen des Ständigen Rates möchten wir uns nicht äußern." Auch der Jury-Vorsitzende, der Trierer Weihbischof Robert Brahm, sowie mehrere Bischöfe wollten auf SZ-Anfrage nichts sagen.

Den "Christlichen Kinder- und Jugendbuchpreis" will er nicht als Oppositionspreis gegen die Bischöfe verstanden wissen", so Markus Fuhrmann. "Aber wir finden, dieses Buch hat einen Preis verdient. Aus unserer Sicht als Christinnen und Christen ist das ein tolles Buch mit tollen Illustrationen, das Jugendliche zum Nachdenken anregt über das Leben, über den Tod und Identität." Natürlich gehe es auch um sexuelle Freizügigkeit, "aber das ist nicht der Kern der Geschichte."

© SZ
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