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Jeff Bridges wird 60:"Dude" im Hauptberuf

Hollywood-Veteran Jeff Bridges spielte in mehr als 70 Filmen - und blieb sich selbst treu. Der Mann, der Rockstar werden wollte, hat viel Zeit für Nebenjobs.

Unvergesslich, wie Max Klein zum Schutzengel wurde. Ein Freund und zahlreiche Passagiere waren bei der Notlandung eines Flugzeugs in einem Maisfeld ums Leben kommen, doch der kaum lädierte Max hilft sofort den Überlebenden. Er packt zu und redet Mut zu.

Vielfachtalent Jeff Bridges, geboren am 4. Dezember 1949.

(Foto: Foto: dpa)

Max Klein sieht daraufhin das Leben mit anderen Augen. Noch am Unfallort taumelt er in eine Aura der Unverwundbarkeit und schwebt mit verklärtem Blick über dem Schrecken. Ein omnipräsenter Tröster.

Der Schauspieler Jeff Bridges legt in den Blick des Max Klein Fassunsglosigkeit, aber auch schon die Vision von Unsterblichkeit. Das macht ihn zum Sonderling, zum Fremden auch in der eigenen Familie. Trotzdem wird er irgendwann, am Ende von Peter Weirs Filmdrama "Fearless - Jenseits der Angst" wieder auf den schnöden Boden der Tatsachen zurückkehren.

Die scheinbare Unverträglichkeit mit dem Dasein ist ein Motiv, das sich durch die Filmrollen von Jeff Bridges hindurchzieht - auch wenn er selbst sagt, dass er keinen bestimmten Typus verkörpere. Im Kultfilm "The Big Lebowski" spielt der gebürtige Kalifornier unter Regie der Coen-Brüder den "Dude", einen Alt-Hippie, der eine ziemlich ruhige Kugel schiebt.

Außer mit Bowling erfüllt sich der "Slacker" seine Existenz vornehmlich durch Rumhängen am Strand, ausgiebigen Genuss von White Russians und Joints im heimischen Badezuber. Bis das Schicksal in Form einer wüsten Entführungsstory samt exzessiver Gewalt über Jeffrey Lebowski und seine Kumpels hereinbricht. Nur, um ihn und einen überlebenden Buddy letztlich wieder zum Bowling zurückzuführen.

Gut möglich, dass solche Kontinuität auch das Erfolgsrezept des Menschen Jeff Bridges ist. Der Sohn des 1998 verstorbenen Schauspielers Lloyd Bridges krabbelte schon in früher Kindheit zusammen mit seinem älteren Bruder Beau vor der Kamera. Er sei im Grunde "ein Produkt der Vetternwirtschaft", merkte Jeff Bridges einmal an, schon früh habe er in der TV-Serie "Sea Hunt" aufspielen können. Dabei sei die Schauspielerei für ihn als Teenager nicht mal Traumberuf gewesen.

Egal, er konnte sich bald die Rollen aussuchen. Seine ersten Filme "Die letzte Vorstellung (The Last Picture Show)" und "Den letzten beißen die Hunde (Thunderbolt and Lightfoot)" waren Erfolge gewesen. Und Jeff Bridges entschied sich für Projekte, die schwierige Charaktere in überraschenden Situationen zeigen - alles wie bei einem guten Roman.

Ein Superstar des Hollywood-Traumfabrikwesens wurde er trotz seiner Rollen in mehr als 70 Filmen nicht - wohl aber Leitfigur für besseres Kino. Der Schauspieler mit dem markanten Gesicht lebt unauffällig in Kalifornien und hielt sich von Anfang an ziemlich erfolgreich aus den branchenüblichen Skandalen heraus. Seit mehr als 30 Jahren ist Jeff Bridges mit der Fotografin Susan Geston verheiratet und pflegt beharrlich seine zahlreichen Nebenjobs.

Außer Malerei und Fotografie hat vor allem die Musik es ihm angetan. Bridges wollte eigentlich Rockmusiker werden und schaffte es 2000 zu einem eigenen Album, "Be Here Soon". Die Gewinne hieraus gingen an die Initiative "Hunger Free America". Immer wieder steuert er selber Songs zu den Soundtracks seiner Filme bei. In der Erfolgsproduktion "Die fabelhaften Baker Boys (The Fabulous Baker Boys)" spielen er und sein Bruder Beau zwei leicht abgehalfterte Bar-Pianisten-Brüder, die sich in dieselbe Frau (Michelle Pfeiffer) verlieben. Nach allerlei Querelen kommt es auch in dieser Geschichte wieder zum Neubeginn.

Weniger glücklich, möglicherweise bewusst antipodisch zu seinen üblichen Rollen, gestaltet sich das Leben es Helden des Wilden Westens, den Bridges 1995 in Wild Bill darstellte. Der historische Büffeljäger, Spieler und Marshal James Butler Hickok hat zunehmend Probleme, mit seinem Ruhm zurechtzukommen. Er wird von Syphillis und Geldnöten geplagt - und schließlich von der Vergangenheit eingeholt: Einer, der glaubt, mit dem Revolvermann noch eine Rechnung offen zu haben, erschießt ihn beim Pokerspiel von hinten - im Alter von 39 Jahren.

Die gefährlichsten Jahre hat Jeff Briges hinter sich. "Halte dich für die Möglichkeiten offen, die das Leben dir bietet, und es wird dich nicht enttäuschen" - das nannte er einmal als Motto.

An diesem Freitag wird Bridges 60 Jahre alt.