Autobiografie von Jarvis Cocker:Kunstfasern, Kragenstäbchen und die Weltherrschaft

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Autobiografie von Jarvis Cocker: Grimmiger Sozialrealismus, glasiert mit Puderzucker: Jarvis Cocker.

Grimmiger Sozialrealismus, glasiert mit Puderzucker: Jarvis Cocker.

(Foto: Daniel Cohen/Rough Trade Records)

Disco 2022: Die Autobiografie von Jarvis Cocker ist ein großes poparchäologisches Vergnügen.

Von Peter Richter

Da streunt man eines schönen Sommertages bisschen durch das Londoner Viertel Marylebone, wo es heute eigentlich nur noch Milliardäre und deren Baristas zu betrachten gibt, die allerdings kaum voneinander zu unterscheiden sind. Dann tut sich auf einmal der Boden auf, und man stürzt in einen Nachbau des Kinderzimmers von Jarvis Cocker: Stahlstadt Sheffield, kunstfaserigste Siebzigerjahre und natürlich in jeder Hinsicht "The North", wie es auf den Autobahnschildern Englands immer so schön heißt, wo das ja weniger eine rein geografische als vielmehr immer auch eine soziale und kulturelle Richtungsangabe, wenn nicht gar Diagnose darstellt. Und das nun also mitten in "The South", wo der einerseits posher nicht sein könnte, und wo andererseits aber die rührende kleine "Gallery of Everything" in der Chiltern Street diesen Sommer für ein paar Wochen der Brunnen war, durch den man eben staunend ins Wunderland von Jarvis Cockers Kindheit fallen konnte (nahezu buchstäblich übrigens, nämlich über eine irre steile Kellertreppe).

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