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Institut für Zeitgeschichte:Alte Kameraden

Alltag 1950

Das IfZ hatte wegen seiner Seilschaften einen Schmähnamen: "Institut zur Förderung des Nationalsozialismus".

(Foto: Bayerische Staatsbibliothek/Georg Fruhstorfer)

Ex-Offiziere von Hitlers Wehrmacht durften besonders gerne mitarbeiten: Der brisante Nachlass von BND-Gründer Gehlen zeigt, wie das Institut für Zeitgeschichte in seiner Frühzeit gesteuert wurde.

Von Willi Winkler

Am 7. Oktober 1965 trifft sich Reinhard Gehlen mit Hans Globke. Der ehemalige Staatssekretär im Kanzleramt ist zwei Jahre zuvor mit Erreichen der Pensionsgrenze aus dem Amt geschieden, Gehlen ist noch immer Präsident des Bundesnachrichtendienstes (BND).

Die beiden Männer, die auf ihre Art zusammen die frühe Bundesrepublik kontrolliert haben, besprechen sich noch immer über das Tagesgeschäft. So wird eine mögliche Wiederverwendung des drei Jahre zuvor aus dem Amt gedrängten Verteidigungsministers Franz Josef Strauß verhandelt, aber auch Kleinigkeiten eher akademischer Natur kommen zur Aussprache.

Unter "Wünsche von Dr. Globke" notiert sein Kompagnon den Wunsch von Hans Buchheim, sich doch einmal zu verändern. "Dr. Buchheim möchte gerne etwas Neues, Festes haben, da es ihm widerstrebt, dauernd an Veröffentlichungen über das 3. Reich arbeiten zu müssen."

Reger Personalaustausch zwischen Geheheimdienst und IfZ

Auf dem Gebiet ist Buchheim Experte, er hat über die "Nationalsozialistische Zeit im Geschichtsbewusstsein der Gegenwart" geschrieben und zuletzt die "Anatomie des SS-Staates" untersucht. Seit 1953 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Münchner Institut für Zeitgeschichte (IfZ). Im Augenblick ist er beurlaubt und im Kanzleramt tätig, dem ehemaligen Wirkungsgebiet Globkes, wo er wissenschaftlich mit den Grundlagen der Adenauer-Politik befasst ist.

Interessant ist an dieser Eigenbewerbung vor allem ein weiterer Vorgang, den Gehlen notiert. Buchheim sei "von einem Herrn des BND angegangen und gefragt worden, ob er Institut in Ebenhausen übernehmen will". Gehlen genügen solche Kürzel, denn das "Institut in Ebenhausen", die Stiftung Wissenschaft und Politik, wurde zehn Kilometer isaraufwärts als Subunternehmen des in Pullach residierenden BND gegründet.

Erster Präsident dieser Stiftung wurde 1964 der ehemalige Wehrmachtsgeneral Hans Speidel, der erste Direktor Klaus Ritter, als "Dr. Röhl" seit 1951 stellvertretender Leiter der Abteilung Auswertung bei der Organisation Gehlen, dem Vorläufer des BND.

Über seine Zeit beim BND habe Ritter nie gern geredet, referierte ihn Theo Sommer 1987 in einem großen Stück über "Politikberatung in Deutschland" in der Zeit. "Er wollte nicht, daß die Neugründung als 'Seitenkapelle' des Bundesnachrichtendienstes erschien - aber das ist ihr auch nie nachgesagt worden."

Vielleicht wird es doch langsam Zeit, der Stiftung in Ebenhausen und einem weiteren wissenschaftlichen Institut genau das nachzusagen, nämlich dass der ehemalige Generalmajor Reinhard Gehlen mit weiteren Wehrmachtsoffizieren massive Personalpolitik betrieb. Dokumente aus einem bisher unbekannten Gehlen-Nachlass, die an die Süddeutsche Zeitung gelangt sind, belegen ein Verständnis von Forschung, das wenig mit Wissenschaft, dafür umso mehr mit Politik zu tun hat.

Bestes Beispiel dafür ist das heutige Institut für Zeitgeschichte, das 1949 bei äußerst bescheidener Ausstattung als "Deutsches Institut für Geschichte der nationalsozialistischen Zeit" gegründet wurde und durch Aufarbeitung eine Wiederkehr dieser Geschichte verhindern sollte.

Ohne Fachleute aus genau dieser Zeit ging es aber offenbar nicht, weshalb das Institut nicht ohne Grund als "Institut zur Förderung des Nationalsozialismus" geschmäht wurde, wie ein Mitarbeiter des Bundesamtes für Verfassungsschutz 1951 notierte. Zwischen ihm und der Organisation Gehlen herrschte in den ersten Jahren ein reger Personalaustausch, der hier zum ersten Mal dokumentiert werden kann.

Die Eignung eines Opfers der Gestapo wurde als in "sachlicher Beziehung fraglich" eingestuft

Für die letzten beiden Februartage 1949 lädt die bayerische Staatskanzlei das Kuratorium des zu gründenden Instituts zu einer ersten Sitzung nach München und macht ein unwiderstehliches Doppelangebot. Neben zwei Opernbesuchen sei auch "Gelegenheit zur Besichtigung des Münchner Faschingszugs. Plätze sind reserviert im Gebäude des Finanzministeriums, Ludwigstr. 1, Zimmer 22".

Zum ersten Geschäftsführer wird Gerhard Kroll bestellt, ein Mitbegründer der CSU, Mitglied des Parlamentarischen Rates und mittlerweile Landtagsabgeordneter, vor allem aber, wie die CIA notierte, "zweifellos eine enge Sonderverbindung" Gehlens. Der dankt Kroll Anfang 1950 in einem Brief dafür, "dass Sie in so grossartiger Weise Langkau fuer seine jetzige Taetigkeit zur Verfuegung gestellt haben".

Wer war Langkau und welche Tätigkeit?

Wolfgang Langkau, Deckname Langendorf, später Holten, hatte in Hitlers Wehrmacht als Oberleutnant gedient und wurde von Gehlen zum Leiter seines Strategischen Dienstes bestimmt, einer Art Geheimorganisation im Gehlen-Geheimdienst. Die Auskunft des IfZ ist zwar vorsichtig, aber eindeutig: "Eine Art 'zur Verfügung stellen' Langkaus durch Kroll erscheint uns sehr unwahrscheinlich." Und trotzdem fand genau das statt.

Reinhard Gehlen Deutschland

Reinhard Gehlen, Geheimdienst-Chef und vormals Generalmajor der Wehrmacht.

(Foto: imago/Sven Simon)

Mittelsmann war Hans Speidel, der ehemalige Adjutant Erwin Rommels, der mittlerweile an der Uni Tübingen als Geschichtsdozent unterrichtete, als Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats im Institut wirkte und unter dem Decknamen "Hauff" für Gehlen arbeitete. In Speidels Nachlass ist nachzulesen, wie die ehemaligen Wehrmachtsangehörigen füreinander einstanden.

Hans Speidel, 1944

Hans Speidel, einst General der Wehrmacht und später Stiftungs-Präsident.

(Foto: Süddeutsche Zeitung Photo)

Kroll hatte er noch nicht persönlich kennengelernt, aber am 31. Mai 1949 erschien es Speidel schon "zweckmässig, wenn auf der Geschäftsstelle unseres Instituts sich eine Persönlichkeit befindet, die über eine gewisse Erfahrung im militärpolitischen und militärischen Schrifttum verfügt". Dafür schlägt er Kroll einen "nach Charakter, Haltung und Leistung gleichermassen bewährten ehemaligen Offizier" vor, eben Wolfgang Langkau, der bisher im Landeszuzugsamt beim bayerischen Innenministerium beschäftigt ist. "Vielleicht darf er sich bei Ihnen unverbindlich vorstellen."

Dieses Soldatenversorgungswerk funktioniert auch umgekehrt: "Von zuverlässiger Seite", so Speidel am 6. Juli 1949 an ein anderes Beiratsmitglied, den Historiker Gerhard Ritter, sei ihm mitgeteilt worden, dass im eben entstehenden Institut zwei Herren beschäftigt werden sollten, "deren Eignung in politischer und sachlicher Beziehung fraglich" erscheine. Einer von ihnen ist Maurice Disch, der vom hessischen Staatssekretär Hermann Brill vorgeschlagen wurde, wie Disch ein Opfer der Gestapo. Wer die "zuverlässige Seite" ist? Die Organisation Gehlen, die "Hauff" mit Material gegen Disch beliefert hat.

Zum IfZ, so die Auskunft von dort, lasse sich keine "institutionelle Verbindung" Langkaus erkennen. Das mag formal zutreffen. Langkau wechselt zu Gehlen, aber Kroll macht über Langkau Gehlen mit Erich Fürst von Waldburg-Zeil bekannt, der Kroll die "Abendländische Aktion" finanziert, in der er sich nach seinem Abschied vom Institut verliert. Langkaus Gehlen-Büro und eine von Waldburg-Zeil gestützte Zeitschrift befanden sich im selben Haus in der Münchner Widenmayerstraße.

Bei Speidel hat sich als Nachfolger Langkaus bereits ein anderer arbeitsloser Offizier beworben, Leo Geyr von Schweppenburg. Man wolle sich, schreibt der Geschäftsführer Kroll am 13. März 1950 an Speidel, "wesentlich nach Ihren Vorschlägen richten". "Soviel mir durch Herrn Langkau bekannt ist", so Kroll ergeben weiter, wird es nicht Geyr sein. Verschiedene Namen werden genannt: "Jedenfalls soll eine Persönlichkeit bestimmt werden, die auch Dr. Schneider genehm ist." "Doktor Schneider" ist einer von vielen Decknamen, die der nichtpromovierte, aber ziemlich geltungssüchtige Gehlen führte.

Die Persönlichkeit ist schnell bestimmt, zehn Tage später schlägt Speidel Hermann Foertsch vor, der als General an der Südostfront in Nürnberg zwar angeklagt, aber freigesprochen wurde. Speidel sieht in ihm wieder "nach Charakter, Haltung und wissenschaftlicher Leistung eine 'Spitzenpersönlichkeit'", aber wichtiger ist ein anderes Einstellungskriterium: "Die Beauftragung des Generals der Infanterie a. D. Hermann Foertsch entspricht auch voll den Wünschen unseres gemeinsamen Freundes Gehlen." Speidel dankt Kroll für seine "Zustimmung zu dem Plane Foertsch". Der neue Mitarbeiter sei in wenigen Tagen in München. "Sie können ihn über unseren gemeinsamen Freund G. bzw. die Nummer 71126 erreichen."

Der Autor wittert überall Kommunisten - auch bei der Welt und der Süddeutschen Zeitung

Das IfZ ist seit Längerem mit der Aufarbeitung der eigenen Geschichte beschäftigt, doch würden sich "solche geheimdienstlichen Zusammenhänge natürlich nicht in unseren eigenen Akten widerspiegeln", wie der heutige Direktor Andreas Wirsching gegenüber der Süddeutschen Zeitung betont.

Ganz unbekannt kann diese von Pullach aus dirigierte Umbesetzung aber nicht sein, denn im Hausarchiv findet sich unter der Signatur ED 91/44 ein 1969 protokollierter Zeugenbericht des von Speidel und Kroll abgelehnten Geyr: "Als ich Speidel wieder begegnete, der im Kuratorium des Instituts für Zeitgeschichte zusammen mit dem Nichtarier Auerbach und dem Bundespräsidenten Heuß wirkte, fragte ich ihn: 'Wie können Sie Förtsch zum Bearbeiter der militärischen Geschichte des 2. Weltkrieges zulassen.", antwortete er mit einer gewissen Schärfe: 'Das habe nicht ich gemacht, das hat Gehlen veranlaßt.'"

Hermann Foertsch trägt den Decknamen "Viersen". Sich selber bezeichnet er als "Anfänger auf dem Gebiet wissenschaftlicher Arbeit", doch er erhält den Auftrag, eine Studie über die Fritsch-Krise zu verfassen, in der er, wie Wirsching mit Blick auf die schon 1951 kritische Resonanz betont, "als Mitlebender die Rolle der Wehrmacht im Sinne eines tragischen 'Verhängnisses' interpretierte und die tatsächlichen Verantwortlichkeiten eher verschleierte".

Für den Militärhistoriker Dieter Krüger hatten "Speidel und Gehlen sichergestellt, dass kein Historiker, sondern einer der ihren, also ein ehemaliger Generalstabsoffizier, sich um die militärische Zeitgeschichte kümmerte".

Die Herausgabe der "Führerprotokolle" sollte hinausgezögert werden

Bei Foertsch folgt das gleiche Wechselspiel wie bei Langkau, denn im Ernstfall ist der Geheimdienst doch wichtiger als die Wissenschaft: "Wir haben uns entschlossen, Förtsch für eine besondere Aufgabe zu uns zu nehmen", schreibt Horst von Mellenthin, Deckname "Merker", am 1. Juli 1952 aus Pullach an "meinen lieben Speidel" und endet "Mit herzlichen Grüßen auch vom Dr." Das Doppelspiel macht Speidel keine Mühe, nicht ohne Grund freut sich Mellenthin über die "restlose Übereinstimmung der Auffassungen" zwischen den ehemaligen Wehrmachtsgenerälen Mellenthin, Gehlen und Speidel.

Die Besetzungspolitik muss da noch nicht enden. Mellenthin empfiehlt als Foertschs Nachfolger einen weiteren General, Erich Schmidt-Richberg: "Wir haben ihn gemeinsam mit Förtsch schon seit längerer Zeit geprüft und festgestellt, daß er für diese Tätigkeit besonders geeignet ist." Speidel unterstützt dies nach Kräften, bearbeitet den neuen IfZ-Generalsekretär Hermann Mau. Die Bestallung scheitert nur, weil die Mittel für die Stelle vom zuständigen Bonner Staatssekretär nicht genehmigt werden.

Hermann Foertsch

Hermann Foertsch, einst Generalstabsoffizier, dann plötzlich Militärhistoriker.

(Foto: SZ Photo)

Die Wehrmachtsgeschichtsschreibung soll da noch nicht enden, und die Wissenschaft kann sich ihre Freiheit von übergeordneten Interessen nur mühsam erkämpfen. Kurz vor Weihnachten 1960 wendet sich Reinhard Gehlen an den "sehr verehrten, lieben Herrn Speidel", der inzwischen als Nato-General in Fontainebleau residiert. Er hat eine Bitte.

Das Institut für Zeitgeschichte plant eine Ausgabe der sogenannten Führerprotokolle, die bei den Gesprächen der Wehrmachtsgeneräle mit ihrem Oberbefehlshaber, mit Adolf Hitler, niedergelegt wurden. Gehlen fürchtet durch die Veröffentlichung Angriffe auf seinen Kriegsvorgesetzten Adolf Heusinger, der ihm bis zu seiner Aufnahme in die Bundeswehr unter dem Decknamen "Horn" diente und mittlerweile zum Generalinspekteur der Bundeswehr avanciert ist.

Eine neuerliche Intervention sei zwar möglich, aber "schlecht motiviert". Er wäre ihm, Speidel, "daher dankbar, wenn Sie prüfen könnten, ob Sie beim Beirat des Instituts eine Verzögerung der Herausgabe der 'Führerprotokolle' erreichen könnten".

"Bisher", so Gehlen in dem bis heute unbekannten Schreiben, "konnte eine Veröffentlichung durch indirekte Interventionen des Verteidigungsministeriums zwar nicht verhindert, so doch verzögert werden." Das mit den Interventionen trifft zu. Im Juli des Vorjahres hatte sich Ministerialrat Karl-Ulrich Hagelberg aus dem Innenministerium an Helmut Krausnick gewandt, der jetzt Direktor des IfZ war, und vor einer möglichen Anstachelung zur "Hetze der SBZ gegen mehrere führende Persönlichkeiten der heutigen Bundeswehr" gewarnt. SBZ steht für Sowjetische Besatzungszone - die DDR.

General Speidel habe sich die "Bedenken des Verteidigungsministeriums zu eigen gemacht", behauptet Hagelberg in kaum missverständlichem Ton. Krausnick lässt den Fall untersuchen und antwortet zwei Wochen später beherzt. Ganz im Gegenteil habe der General bei genauer Prüfung keine Passagen gefunden, "die geeignet sein könnten, Befürchtungen der bezeichneten Art auszulösen".

Hagelberg lässt nicht locker und wendet sich am 1. September 1959 erneut an Krausnick mit dem Hinweis, dass er großen Wert darauf lege, "daß wir uns vorher in irgendeiner Form mit dem Bundesverteidigungsministerium arrangieren". Krausnick hält Hagelberg hin und schreibt ihm schließlich am 2. Februar 1960, dass er seinerseits mit einem Propagandaoffizier der Bundeswehr gesprochen habe. Der habe "aus freien Stücken betont, daß das Verteidigungsministerium selbstverständlich nicht das Recht habe, das Institut in seinen Publikationen zu beeinflussen".

Ein Dossier über Journalisten

Am 31. August 1962 wird der Band mit den Führerprotokollen nach jahrelanger Bearbeitung endlich verschickt. Heusinger ist darin knapp und belanglos erwähnt, und am 5. September kommt eine Antwort Speidels, der dem Herausgeber Helmut Heiber und dem Institut zu dem Werk gratuliert.

Reinhard Gehlen verstand seine von den USA begründete und finanzierte Organisation, die er 1956 in die Bundeshoheit überführen konnte, als wissenschaftliche Einrichtung und schwärmte von der "harten, intensiven Arbeit mit gutem geisteswissenschaftlichen Niveau", die der BND leiste.

Nachdem sein Einfluss beim Institut für Zeitgeschichte doch nachließ, setzte der Geheimdienst-General seine Hoffnung auf ein anderes Unternehmen, die Stiftung Wissenschaft und Politik in Ebenhausen, die, wie Wikipedia keusch formuliert, "auf private Initiative hin" gegründet wurde. Im ersten Halbjahr 1964 leistet der BND eine Anschubfinanzierung von 254 508 Mark, erhält das Geld aber später vom Außenministerium zurück.

Im Juli 1965 wird Klaus Ritter, der mit Gehlen schon 1942 als Aufklärer bei Fremde Heere Ost zusammengearbeitet hat, noch schnell zum "Direktor im BND" und auf eine B-3-Stelle befördert. In seinem Abschiedsbrief an Gehlen vom 23. Dezember 1965 - als Absender erscheint noch der BND-Deckname "Dr. Röhl", die Unterschrift leistet bereits "Ihr Ihnen stets sehr ergebener Klaus Ritter" - betont der ehemalige Offizier, dass er den Beginn der "hiesigen Aufgabe meinerseits nicht als eine Trennung verstehen" will. Gehlen hat die Stelle markiert.

In seiner Antwort geht er ausdrücklich darauf ein. Er versichert dem langjährigen leitenden Mitarbeiter, "daß wir Sie, wenn auch nicht formal, so aber jedenfalls ideell als Angehörigen unseres Personenkreises betrachten".

Wie sehr Ritter zu diesem Personenkreis gehörte, beweist ein Dossier, das er, nach Erkenntnis des Zeithistorikers Gerhard Sälter, 1953 für die CIA anlegte. Es befasst sich mit der angeblich linken oder sogar kommunistischen Presse in Westdeutschland. Die Akte ist im Bundesarchiv einsehbar, allerdings sind noch heute einige Seiten gesperrt. Der Autor entdeckt überall Kommunisten, bei der Welt, bei der Frankfurter Rundschau und bei der Süddeutschen Zeitung.

Deren Chefredakteur Werner Friedmann sei wie der Stellvertreter Hermann Proebst ",ansprechbar' im östlichen Sinne", der Innenpolitikredakteur Ernst Müller-Meiningen jr. gar mit dem berüchtigten Kommunisten Arnolt Bronnen befreundet. Ritter empfiehlt eine "genauere Überprüfung der Redaktionsstäbe".

Klaus Ritter, der das Institut in Ebenhausen bis 1988 führte, starb 2015 hochgeachtet im Alter von 96 Jahren. Hans Buchheim, den es 1965 so sehr nach einer BND-gestützten Stelle verlangt hatte, dass er sich auch bei Ritter bewarb, erhielt schließlich eine Professur in Mainz. Zu seinen vielen Schülern gehörte die neue Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner.

© SZ vom 31.03.2018/odg
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