Im Interview: David Lynch "Ich verstehe nicht, was ich da gesagt habe."

David Lynch: Ich hörte mir einen Vortrag in einem Zentrum für TM an, und da wusste ich: Das ist der Ort, wo ich lernen will. Aber ich wusste nicht, was ich lernen würde. Ich hatte Zweifel. Aber der Instinkt zog mich hin. Ich traf meinen Lehrer. Er stellte mir ein paar Fragen und sagte, okay, David, Samstag bringe ich dir TM bei. Am Samstag um 10.30 Uhr gehe ich also hin und bekomme mein Mantra - ein Wort aus dem Sanskrit, ein bestimmter Klang, ein Ton, ein Gedanke, von dem man nicht weiß, was er bedeutet. Ich werde in ein Zimmer geführt, soll die Augen schließen und dieses Mantra verinnerlichen, es immerzu wiederholen. Und uhuhuh, man taucht, man sinkt, man rutscht eine rutschige Rutsche hinunter - und? Fällt ins Glück! Das Wort "einzigartig" sollte für dieses Erlebnis reserviert sein. Sowas passiert einem sonst nicht, und wenn, dann nur durch Zufall, und man kann es nicht wiederholen. Aber mit dieser Technik versinkt man jeden Tag in der Glückseligkeit, morgens und abends, jeweils für zwanzig Minuten taucht man in ein formloses, inhaltsloses Bewusstsein. In das reine Bewusstsein.

SZaW: Wie wirkte sich die Meditation denn auf Ihr Leben aus?

David Lynch: Zwei Wochen später fragt mich meine Frau: Was ist denn mit dir los? Ich schweige. Schließlich frage ich, was sie genau meint. Deine Wut, sagt sie, wo ist deine Wut? Weil ich immer alles an ihr ausgelassen habe. Diese Wut war verschwunden. Das war eine sehr reale Sache. Das Gleiche passiert mit der Traurigkeit und den Ängsten. Diese Angst, Angst, Angst, die sich überall auf der Welt manifestiert!

SZaW: Die Angst vor was?

David Lynch: Vor dem Ungewissen, vor dem Was-wird-nur-werden! Und du stehst mitten im Gerangel, weißt es selbst nicht und beschuldigst den Nachbarn für Dinge, die nur mit dir zu tun haben. Die Ängste und die Beklemmungen lösen sich. Man wird ruhig, erhebt sich über die Alltagssorgen. Es ist, als hätte man Millionen auf dem Konto, und jeden Tag, morgens und abends, stopft man sich wieder die Taschen voll. It's money in the bank!

SZaW: Haben Sie auch andere Arten von Meditation ausprobiert?

David Lynch: Oh, ich bin kein Experte. Mein Ziel ist: Glücklich zu sein. Wenn man meditiert, sollte man sich was suchen, was einen schnell zum Ziel bringt - nicht nach hundert Leben, sondern jetzt. Auf den Super Highway! TM ist nur das Transportmittel, wichtig ist, wo sie einen hinbringt und was man dort erfährt, dieser Zustand ruhevoller Wachheit.

SZaW: Transzendentale Meditation wurde von Maharishi Mahesh Yogi in den fünfziger Jahren entwickelt und im Westen verbreitet. Er ist der Führer dieser Bewegung. Haben Sie ihn kennen gelernt?

David Lynch: Ich habe ihn öfters getroffen. Aber man braucht den Maharishi nicht zu kennen. Man braucht seine Technik. Man fügt nichts hinzu, man nimmt nichts weg. Man macht es einfach zwei Mal am Tag. Das Mantra kehrt den Geist nach innen und man taucht in den Ozean des Bewusstseins, den sie im Sanskrit das Atma nennen ...

SZaW:...das Selbst ...

David Lynch:...mein Selbst, dein Selbst, unser aller Selbst! Maharishi nennt es auch das Einheitliche Feld, das Energiefeld aller Existenz, das uns alle miteinander verbindet. Es ist das Recht eines jeden, sich selbst zu kennen. Es ist dein Potenzial. Stellen Sie sich bitte einen Donut vor! Wenn die Welt ein Donut ist, guck nicht durchs Loch, iss den Donut! Und Maharishi sagt: Das sollte die Bildung tun, sie sollte dieses Potenzial fördern. Aber die Bildung macht heute Sklaven aus Schülern, auswendig lernende Sklaven, vollgestopft mit Frust und Angst. Und wenn sie aus der Schule kommen, geht's ab ins nächste Rattenrennen.

SZaW: Deshalb haben Sie jetzt eine Stiftung gegründet: The David Lynch Foundation for Consciousness-Based-Education and World Peace. Stimmt es, dass Sie an allen Schulen in den USA die TM einführen wollen?