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Hörspiel live:Mit dem Herzen des Zitherspielers

Georg Glasl verleiht Georg Elser mit seiner Zither eine Stimme.

(Foto: Christoph A. Hellhake)

Georg Elser ist bekannt als Hitler-Attentäter. Er war aber auch begeisterter Musikant. Georg Glasl und Ruth Geiersberger nähern sich ihm mit Tönen und Texten auf der Bühne

Einen präzisen Blick muss er gehabt haben. Den präzisen Blick eines Schreiners für seine Umwelt, der sieht, ob und wie etwas zusammenpasst. So zumindest stellt sich Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier den Widerstandskämpfer Georg Elser vor. Und noch etwas glaubt er, in dem schwäbischen Handwerker zu sehen, der vor 80 Jahren versuchte, Adolf Hitler im Münchner Bürgerbräukeller durch eine selbstgebaute Bombe zu töten: "Ich vermute, er sah auch mit dem Herzen, dem Herz eines Zitherspielers, mit der Empfindsamkeit eines Musikers, der Dissonanzen hörte, dem der anschwellende Lärm des Krieges und die Klage der Misshandelten in den Ohren gellte."

Steinmeier erinnerte am Montag an den Hitler-Attentäter Georg Elser in dessen Geburtsort Hermaringen. Dort weihte er ein Denkmal ein, das zur "Ehrung eines außergewöhnlich mutigen Menschen" gedacht ist. 80 Jahre nach dem missglückten Attentat wird dies nicht die einzige Ehrung bleiben: Eine flüchtigere, aber in ihrer Art beeindruckend intensive Erinnerung erschaffen der Zitherspieler Georg Glasl, die Performerin Ruth Geiersberger und der Tontechniker Benni Beblo auf der Bühne. Sie zeigen "Der Zitherspieler" am Freitag in Burghausen und am Samstag im Staatlichen Museum Ägyptischer Kunst in München. Die "musikalische Bühnenaktion" spielt auf Elser als Zitherspieler an und überlässt zugleich dem Instrument die Stimme des Widerstandskämpfers, der seine Ideen, Gefühle, Absichten selbst nicht schriftlich hinterließ.

Die Vorstellung, die heute von Georg Elser existiere, stütze sich letztlich auf die Verhörprotokolle, sagt Glasl. "Das ist Nazi-Diktion, das ist nicht Georg Elser." 2012 erarbeitete er gemeinsam mit Sabine Reithmaier das Hörspiel "Der Zitherspieler". Die Textcollage stützt sich auf Verhörprotokolle, auf Aussagen von Zeitzeugen wie der Kellnerin Maria Strobl, die am 9. November im Bürgerbräukeller servierte. Ermittler und Beamte kommen zu Wort und auch die Mutter Georg Elsers. Den Text sprach bei der Hörspielfassung Rainer Bock ein, um sich - dialogisch oder kontrapunktisch - mit der Zithermusik abzuwechseln. Glasl zog hierzu die Komposition "Jeshimon" von Peter Kiesewetter heran. "Seine Klangsprache war für mich symptomatisch für die Figur Georg Elser", erklärt er. Reduziert, das vorhandene Material bis ins Kleinste ausgelegt - so wie auch Elser minutiös plante, Schritt für Schritt behutsam vorging, sich den Sprengstoff besorgte, Bombe und Zünder baute, die Säule im Bürgerbräukeller unbemerkt aushöhlte.

Die Bühnenadaption nimmt sich etwas mehr Zeit als das Hörspiel. 70 statt 50 Minuten soll "Der Zitherspieler" dauern. Die Stimme ist nun eine weibliche, nämlich jene von Ruth Geiersberger, eine Wunschbesetzung für Glasl. Für die doch "bedrückende Angelegenheit" habe er sich eine Schauspielerin gewünscht, die nah ans Publikum herangehen, die es mitnehmen könne. Insgesamt bliebe die szenische Annäherung in ihren Mitteln aber bewusst reduziert. Weder das Attentat noch Georg Elser als Person würden beschrieben, die Zuschauer formen sich letztlich ihr eigenes Bild aus dem, was sie Textcollage und Musik entnehmen. Vielleicht ist jenes Bild dann nicht weit weg von den Vorstellungen Frank-Walter Steinmeiers.

Der Zitherspieler; Freitag, 8. November, 19.30 Uhr, Burghausen, Anker Filmtheater; Samstag, 9. November, 19 Uhr, München, Staatliches Museum Ägyptischer Kunst