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Hörenswert:Hallen, lallen, hecheln, lachen

Nora Gomringers Hommage an Dorothy Parker

Von Bernhard Blöchl

Man kann nicht oft genug an Dorothy Parker erinnern, diese tollkühne Poetin und Kritikerin, diese seufzend komische Liebes- und Geschlechterdeuterin, diese Meisterin des Spotts, der Ironie und des Sarkasmus. Nora Gomringer, knapp 87 Jahre nach Parker geboren, sieht das offenbar genau so. Die Bachmann-Preisträgerin aus Bamberg hat der New Yorkerin (1893 bis 1967) eine ganze CD gewidmet. "Peng Peng Parker" heißt sie, erschienen bei Voland & Quist, und sie erinnert schon in der Knallhaftigkeit des Titels an den Vorgänger: Wie bereits auf "Peng Peng Peng" (2017), wo immerhin eine Nummer Parker'sche Zeilen enthielt, trifft auch auf dem neuen Album die Kraft lyrischer Worte auf die quirlige Wucht von Percussion und Klavier, vereint im Jazz. Mit dem Unterschied, dass Gomringer diesmal ausschließlich Gedichte von Dorothy Parker rezitiert, basierend auf dem feinen Band "Denn mein Herz ist frisch gebrochen" (Dörlemann Verlag, 2017). Beim ersten Werk dieser Art waren es eigene Texte gewesen sowie Experimentelles von Ernst Jandl bis Kurt Schwitters.

Nun also Parker, und zwar mit großem Peng. Gomringer singt, slamt, rezitiert und rappt; sie haucht und stöhnt und krächzt und ätzt; sie hallt und lallt und lacht und hechelt. Man könnte sagen, sie holt alle Klangfarben aus sich heraus, um der bunten Persönlichkeit gerecht zu werden. Um die Ikone der Zwanzigerjahre in die neuen Zwanziger zu überführen. Mal erklingen nur die Originalverse auf Englisch, mal nur die deutsche Übersetzung (von Ulrich Blumenbach), mal Englisch und Deutsch hintereinander, mal ineinander verwoben. Mitreißend rhythmisch ist das, wenn ihre Zeilen die Drums antreiben wie in "Gesang für dunkle Stunden". Und was Dorothy Parker in "Men" über Männer schrieb, wird hier zur brodelnden Jazz-Nummer mit Klavier, Beat und viel Esprit: "Sie sind selbst deines Gangs Ruin/ Sie dirigieren und erziehn/ Sie tilgen, was dich einst empfahl/ Sie machen krank, sie können mich mal."

Philipp Scholz, der bereits das Debüt feinfühlig arrangierte, zeigt abermals, dass er nicht nur ein formidabler und abenteuerlustiger Musiker ist, sondern vor allem, dass er gut mit Gomringer harmoniert, wodurch zuweilen eine wilde Taktung entsteht. Gemeinsam waren sie auf Tour durch Europa und Japan; am Donnerstag heben sie im Literaturhaus ihr Glas auf Parker.

Peng Peng Parker, mit Nora Gomringer, Philipp Scholz und Philip Frischkorn, Donnerstag, 16. Januar, 20 Uhr, Literaturhaus, Salvatorplatz 1

© SZ vom 15.01.2020
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