bedeckt München 11°
vgwortpixel

Helen Mirren wird 70:Mit königlicher Klasse

Publicity photo from the Oscar nominated film 'The Queen'

Helen Mirren als Elizabeth II. in "The Queen".

(Foto: Reuters)

Helen Mirrens Auftritt als Queen Elizabeth II. krönte ihre Karriere. Diese hat die Britin auf der Londoner Bühne angefangen. Und zwar ganz oben. Nun feiert die Schauspielerin ihren 70. Geburtstag.

Schon seltsam, wenn eine stramme Anti-Royalistin es schafft, dass man wegen ihr plötzlich beginnt, eine Königin zu verstehen. Helen Mirren, Kind russischer Einwanderer, ist in England nachgerade dazu erzogen worden, Elizabeth II. abzulehnen. Die Monarchie, sagt Mirren, stand für das Klassensystem, unter dem ihre Eltern litten. Den ersten Versuch von Queen Elizabeth, sie in den Adelsstand zu erheben, schmetterte Mirren deshalb ab.

Und dann spielte sie, 2005, genau diese Elizabeth in "Die Queen". Stephen Frears erzählt in diesem Film von den Tagen nach dem Tod von Prinzessin Diana, die auch der Anfang der ersten Amtszeit des jungen Premiers Tony Blair waren. Ihm gilt Frears' Verachtung, und dass man das spürt, hat viel mit Mirrens Porträt dieser Elizabeth II. zu tun. Die stand damals, 1997, als ungelenk und kaltherzig da, neben dem sich in öffentlicher Trauer suhlenden Blair. Mirren spielt die Königin als durch und durch disziplinierte Frau, die immer Haltung wahrt - und plötzlich sieht man, dass dieser Blair eben überhaupt keine Haltung hat - er wird zu einem populistischen Hanswurst.

Helen Mirren bekam einen Oscar für diesen Auftritt, er war sozusagen die Krönung ihrer Karriere. Sie hat sich so gut in diese Rolle hineingefunden, dass sie sich doch noch adeln ließ. Dame Helen ist sie mittlerweile - und hat Elizabeth gleich wieder gespielt, im Londoner Westend und gerade erst am Broadway, im Theaterstück "The Audience", vom "Queen"-Drehbuchautor Peter Morgan.

Britische Monarchie im Film

Drama-Queens

Auf der Londoner Bühne hatte Mirren, geboren am 26. Juli 1945, angefangen, und zwar ganz oben: Sie war erst 21 Jahre alt, als sie in die altehrwürdige Royal Shakespeare Company aufgenommen wurde.

Diese Theaterjahre mündeten in einen bizarren Fernsehauftritt, der heute auf Youtube zu finden ist. Mirren war 1975 zu Gast in der BBC-Talkshow von Michael Parkinson. Der traktierte sie live und vor einem Millionenpublikum eine Viertelstunde lang mit anzüglichen Bemerkungen: "die Sex-Queen der Royal Shakespeare Company" nannte er sie, lobte ihre "schlampengleiche Erotik", und wollte wissen, ob es denn, bei ihrem Busen, überhaupt drin sei, als Schauspielerin ernst genommen zu werden. Mirren ließ sich das eine Weile sichtbar genervt gefallen und protestierte dann heftig.

Auf diese Episode angesprochen, hat sie noch vor ein paar Wochen in einem Interview mit der Times einen Wutanfall gekriegt. Ihr Verhältnis zu den Siebzigern ist alles andere als verklärt - es war die Zeit, sagt sie, nach der sexuellen Revolution und vor dem Feminismus.

Man kann heute gar nicht mehr recht glauben, dass ausgerechnet die resolute, wehrhafte Mirren, die inzwischen diverse abgebrühte Profi-Killerinnen gespielt hat - in den "R.E.D."-Filmen zum Beispiel -, dieselbe sein soll, die in Michael Powells "Age of Consent" 1969 ihr Leinwanddebüt gegeben hat: unbedarft und kindlich, ein bisschen naiv. Nur das Sinnliche, das sie damals als James Masons Modell, Muse und Gespielin schon hatte, ist ihr geblieben. Der Chauvinismus, der ihr dafür entgegenschlug, von Parkinson und anderswo, hatte dann sicher Einfluss darauf, wie sie später spielte. Und wen. So erst wurde sie ein richtig großer, internationaler Star.

Mit der Fernsehserie "Prime Suspect" hob sie richtig ab. Fünfzehn Jahre lang, von 1991 bis 2006, hat sie die Rolle der Kommissarin Jane Tennison immer wieder gespielt, die hart und unzugänglich ist und für ihren Job lebt. All die Ermittlerinnen, Gerichtsmedizinerinnen, Staatsanwältinnen, die heute das Fernsehen bevölkern, sind die Erbinnen dieser Figur.

Sie habe diese Frau, in die sie sich da hineinversetzte, nicht so richtig gemocht, hat Mirren später gesagt - aber sie wusste, was diese Rolle bedeutete: "Das war perfektes Timing. Es gab schon Frauen in solchen Jobs, und sie mussten Dreck fressen auf dem Weg, aber sie durften es nicht sagen. Und Jane Tennison wurde die Stimme dieser Frauen."

Tennison ist so legendär, dass jetzt in England eine neue Serie produziert wird mit dieser Figur. Allerdings ohne Helen Mirren. Die hätte vermutlich auch gar keine Zeit - der ganzen Preisverleihungen wegen. Sie hat, seit sie Tennison spielte, einen Tony gewonnen, einen Oscar, vier Baftas und vier Emmys. Und man munkelt, dass sie für ihren jüngsten Auftritt - als vor den Nazis geflohene Jüdin, die die Gemälde ihrer Familie zurückerstreitet in "Die Frau in Gold -, wieder einen Oscar bekommen könnte. Sogar der chauvinistische Moderator Michael Parkinson dürfte sie inzwischen als Schauspielerin ernst nehmen.

© SZ vom 24.07.2015/cag
Kino "Ich bin ganz gut in Schuss" Bilder
Bilder

Helen Mirren zum 70.

"Ich bin ganz gut in Schuss"

Helen Mirren, Anti-Royalistin mit adligen Wurzeln, wird 70 - und wusste schon immer, was sie will. Eine Hommage in Zitaten. Von ihr und über sie.

Zur SZ-Startseite