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GNTM-Finale als Aufzeichnung:"Ein Live-Event hat eine andere Energie"

Germany's Next Topmodel 2015 Finals

Am Anfang der Sendung verlief noch alles nach Plan: Heidi Klum begrüßt die vier Finalistinnen Vanessa, Katharina, Anuthida und Ajsa auf der Bühne in der SAP Arena in Mannheim.

(Foto: Getty Images)

Die Wiederholung des Topmodel-Finales kommt aus der Konserve. Ist das nach der Bombendrohung die richtige Entscheidung? Ex-"Wetten, dass..?"-Regisseur Frank Hof über die Gefahren für das Live-Fernsehen.

Das Finale von Germany's Next Topmodel (GNTM) vor zwei Wochen musste wegen einer Bombendrohung abgebrochen werden. Was passiert, wenn eine Live-Sendung mit Tausenden Zuschauern plötzlich anders verläuft als geplant? Frank Hof hat schon bei vielen großen Live-Shows Regie geführt, unter anderem bei der Wetten, dass..?-Sendung, in der Samuel Koch verunglückte.

SZ.de: Herr Hof, haben Sie das Finale gesehen?

Frank Hof: Nein, leider nicht. Ich hatte an dem Abend selbst eine Produktion. Ich habe erst am nächsten Tag erfahren, dass es abgebrochen werden musste.

Was ist Ihnen durch den Kopf gegangen, als Sie von der Bombendrohung hörten?

Die Produktionsbedingungen von Live-Fernsehen sind schwieriger geworden. Seit dem Anschlag auf Charlie Hebdo machen wir uns Gedanken. Ich bin Regisseur bei Die Anstalt. Das ist ein Satireformat, das live mit der Öffentlichkeit arbeitet. Wenn man etwas tun will - öffentlichkeitswirksam -, dann macht man es am besten in einer Live-Situation. Wir haben mittlerweile auch in unseren kleinen Studios verschärfte Sicherheitsbestimmungen. Aber das ist offensichtlich nötig.

Während der Evakuierung hieß es, das Finale müsse wegen technischer Probleme abgebrochen werden. ProSieben hat aber auch im Nachhinein einige Zeit gebraucht, um öffentlich Stellung zu nehmen. Ist Transparenz in so einer Situation überhaupt möglich?

Es ist wichtig, dass alle führenden Personen sofort informiert werden. Aber ich glaube, dass man sich das in der Tat zehn Mal überlegen muss: Wie geht man damit an die Öffentlichkeit? Vor allem an die, die unmittelbar betroffen ist? Ich weiß nicht, wie viele Leute in der Halle waren. Da muss man sehr vorsichtig sein, um keine Massenpanik auszulösen. Ich würde auch nicht schreien: "Jetzt alle raus hier, wir haben eine Bombendrohung!" Meiner Meinung nach haben die Verantwortlichen sehr besonnen gehandelt. Ich hätte das genauso gemacht.

Sie waren bei Wetten, dass..? Regisseur, als Samuel Koch 2010 bei einer Wette verunglückte - in einer Live-Sendung vor laufenden Kameras.

Bei Wetten, dass..? war das eine ganz andere Situation als bei Germany's Next Topmodel. Das war ein echtes Unglück, das da über uns hereingebrochen ist. Wie ich da selbst reagiert habe - das war eigentlich nur ein Reflex. Ich habe den Kameras gesagt: "Alle hoch ins Publikum!" - damit auch der Bildmischer nicht aus Versehen etwas Falsches macht. Man steht in so einer Situation unter Stress, hat einen Adrenalinschub. Das Erste, was mir in den Kopf geschossen ist: "Sofort weg, auf keinen Fall auf Sendung damit!" Mir war klar, dass Samuel etwas richtig Schlimmes passiert ist. Ich habe dann die Kommunikation mit dem Sender hergestellt, ob die uns runternehmen können.

Woher wissen Sie, was in so einem Fall zu tun ist?

Wie gesagt, das sind Reflexe, da kann man nur dankbar sein, dass man nicht das Falsche tut. Man ist komplett fremdgesteuert, reagiert nur noch. Wenn man live auf Sendung ist, hat man keine Zeit zum Nachdenken.