MeToo:Neue Vorwürfe gegen Gérard Depardieu

MeToo: Während Dreharbeiten soll es immer wieder zu Übergriffen gekommen sein: der Schauspieler Gérard Depardieu im Februar des Jahres 2018 am Drehort der Netflix-Serie "Marseille".

Während Dreharbeiten soll es immer wieder zu Übergriffen gekommen sein: der Schauspieler Gérard Depardieu im Februar des Jahres 2018 am Drehort der Netflix-Serie "Marseille".

(Foto: ANNE-CHRISTINE POUJOULAT/AFP)

13 Frauen sagen, der französische Schauspieler habe sie belästigt - teils während Ermittlungen gegen ihn wegen Vergewaltigung liefen.

Von Philipp Bovermann

Die Liste der Vorwürfe gegen Gérard Depardieu, die das französische Magazin Mediapart am Dienstag veröffentlicht hat, ist lang, sehr lang: 13 Frauen werfen ihm vor, sie bedrängt und berührt zu haben, an den Schenkeln, den Brüsten, dem Gesäß. Immer wieder habe er an die Frauen obszöne Bemerkungen gerichtet, Geräusche von "läufigen Schweinen" gemacht, gegrunzt, geschnüffelt. "Als er am Set ankam, sagte er: Hier drin riecht es nach Muschi!", wird eine der Frauen zitiert.

Die Journalistin Marine Turchi hat die Zeugnisse der Frauen in einer seit Februar 2021 laufenden Recherche für die Pariser Onlinezeitung zusammengetragen, sie sollen die Dreharbeiten für elf Filme und Serien zwischen 2004 und 2022 betreffen.

Die sexuellen Übergriffe hätten vor der versammelten Crew stattgefunden

Ganz offen habe Depardieu am Set eine sexualisierte Atmosphäre erzeugt, viele der Übergriffe hätten vor der versammelten Crew stattgefunden. Reaktionen darauf seien teils ganz ausgeblieben, es sei betreten geschwiegen oder nervös gelacht worden. Immer wieder hätten Produktionsverantwortliche das Verhalten des Schauspielstars gerechtfertigt, als zotigen, derben Humor. "Wir alle wissen, wie Gérard Depardieu ist", zitiert Mediapart den Produzenten Emmanuel Jacquelin.

Eine Statistin, die mit einem Pseudonym im Text auftaucht, damals 24 Jahre alt, berichtet, dass Depardieu ohne Vorwarnung mit der Hand unter ihr Kleid gegangen sei. "Ich spürte, wie seine Finger versuchten, sich hineinzuschleichen, um mein Höschen zu erreichen." Als sie ihn abwehren wollte, sei er aggressiv geworden und habe versucht, das Höschen auszuziehen. Die an der betreffenden Produktion beteiligte Kostümassistentin Isabel Butel hat Mediapart den Vorfall bestätigt, von der Reaktion der Verantwortlichen sei sie schockiert gewesen. "Oh, es ist Gérard, er neckt ein bisschen", habe es geheißen. Die Statistin sei derweil "in Tränen" gewesen.

Im Artikel kommt eine ehemalige Schauspielerin zu Wort: "Wenn alle aufstehen würden und die Arbeit niederlegten, wenn alle sagten: 'Das können wir nicht akzeptieren', hätten sie eine außerordentliche Macht." Das aber sei nicht geschehen, ganze Produktionen hingen am berühmten Namen Depardieus.

"'Weißt du, wer er ist? Wenn du vor Gericht gehst, wirst du nie gewinnen"

Auf die Fragen von Mediapart habe der Schauspieler nicht geantwortet, er bestreite über seinen Anwalt aber "mit Entschiedenheit alle Anschuldigungen, die strafrechtlich belangt werden könnten". Keines der mutmaßlichen Opfer habe Anzeige erstattet. Die Statistin, der Depardieu das Höschen auszuziehen versucht haben soll, habe von mehreren Crewmitgliedern zu hören bekommen, dass niemand "aussagen würde", falls sie eine Beschwerde einreicht: "Sie wiederholten mir: 'Weißt du, wer er ist? Wenn du vor Gericht gehst, wirst du nie gewinnen, und du wirst als ein Mädchen angesehen, das Publicity will."

Drei der Frauen hätten ihre Aussagen aber gegenüber den Behörden wiederholt. Seit 2020 laufen die Ermittlungen im Fall der Schauspielerin Charlotte Arnould, die Depardieu Vergewaltigung vorwirft. "Ich sagte mir, dass ich sie nicht allein lassen konnte", zitiert Mediapart die Schauspielerin Hélène Darras. "Die Filmindustrie ist voll von Gérard, wir müssen sprechen."

Die Ermittlungen haben im Jahr 2020 begonnen, die jüngsten der nun geschilderten Übergriffe seien indes noch letztes Jahr vorgefallen.

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