Neu in Kino & Streaming:Welche Filme sich lohnen - und welche nicht

Lesezeit: 4 min

Neu in Kino & Streaming: Natürlich landen sie wieder zusammen im Bett, die Regeln des Genres sind streng: Julia Roberts und George Clooney in "Ticket ins Paradies".

Natürlich landen sie wieder zusammen im Bett, die Regeln des Genres sind streng: Julia Roberts und George Clooney in "Ticket ins Paradies".

(Foto: Vince Valitutti/dpa)

George Clooney und Julia Roberts feiern Reunion in der Komödie "Ticket ins Paradies". Und ein Dokumentarfilm erforscht Leben und Werk von Alice Schwarzer. Die Starts der Woche in Kürze.

Von den SZ-Kinokritikerinnen und -Kritikern

Alice Schwarzer

Anna Steinbauer: Sie polarisiert, ist schlagfertig und hat kein Problem, ihren Diskussionspartner verbal niederzustrecken. "Ihr Redefluss hätte nur durch das Herausreißen der Zunge gestoppt werden können", schreiben die Ruhr-Nachrichten 1975 nach einem Fernsehauftritt Alice Schwarzers. Sabine Derflingers Porträt widmet sich der Emma-Gründerin, streitbaren Feministin und Ikone der Zweiten Frauenbewegung, die seit Jahrzehnten den Diskurs über Geschlechtergerechtigkeit prägt. Zwischen Selbstreflexion und öffentlichen Auftritten lässt Schwarzer die Vergangenheit, ihre Kämpfe und Errungenschaften Revue passieren. Ein starkes, wichtiges Stück Frauengeschichte.

Alle reden übers Wetter

Annett Scheffel: Aus Berlin fährt Clara mit ihrer 15-jährigen Tochter zum 60. Geburtstag ihrer Mutter zurück in die ostdeutsche Provinz. Regisseurin Annika Pinske seziert die Risse zwischen einer Frau, die es geschafft hat, sich in Berlin zwischen akademischen Ambitionen und Affären ein selbstbestimmtes Leben aufzubauen, und der Mutter, die zurückgeblieben ist. Ein Spielfilmdebüt, das beides zugleich ist: ein intimes und präzise gezeichnetes Porträt zweier Frauen, Mutter und Tochter, durch Liebe verbunden, durch Sprachlosigkeit getrennt. Und ein kluges Drama über Heimat und Herkunft, über Nachwende-Traumata und Milieus, von denen man sich emanzipieren, sie aber nie ganz abstreifen kann.

Chase - Nichts hält ihn auf

Doris Kuhn: Ein atemloser kleiner Verfolgungsthriller mit Gerard Butler als Jäger und einer Handvoll Durchgeknallter im amerikanischen Hinterland als Ziel. Butler spielt einen Mann, dessen Ehefrau an einer Tankstelle verschwindet. Während die Polizei fürs Erste ihn als Mörder verdächtigt, ist ihm klar: Es muss eine Entführung sein. Also bricht sein Hang zur Selbstjustiz durch, er stürmt los, sie zu suchen. Das hat man so ähnlich zwar schon öfter gesehen, auch lässt Regisseur Brian Goodman nur wenige Klischees aus, aber für zwei Stunden Amüsement ist das bestens geeignet.

La Clave - Das Geheimnis der kubanischen Musik

Anke Sterneborg: Auf Straßen und Plätzen, in kleinen Zimmern und weiten Höfen, in Schulen und gelegentlich auch auf kleinen und großen Bühnen: Musik und Tanz sind allgegenwärtig in Havanna. Anders als Wim Wenders in seinem Film über den Buena Vista Social Club setzt der Physiker und Unternehmer Kurt Hartel in seinem Regiedebüt ein Puzzle verschiedener Musiker, Stile und Expertenaussagen zusammen. Sein Film ist ein Herzensprojekt, eine Hommage an die vielfältige, komplexe Musikszene Kubas. La Clave, das sind die Holznägel, mit denen einst in den Werften die Schiffe repariert wurden, ihr Klacken ist das rhythmische Gerüst von Salsa, Rumba und Bolero, ebenso wie das des Films.

Dancing Pina

Fritz Göttler: Der Name im Titel ist wohl als Objekt gemeint, Pina tanzen ist das Programm, das sich die jungen Leute vornehmen im Film von Florian Heinzen-Ziob. Zwei Ballettgruppen, die weltbekannte Choreografien von Pina Bausch wiederbeleben: die Truppe der Semperoper in Dresden macht Glucks "Iphigenie auf Tauris", und die Tänzer und Tänzerinnen der École des Sables in Senegal Strawinskys "Frühlingsopfer", dabei gibt es viel Sonnenlicht und rauschende Bäume im Hintergrund. Leute, die einst mit Pina Bausch arbeiteten, geben ihre Erfahrungen weiter. Das ist, wunderbarerweise, magisch, dass dies nie eine Beziehung in einer Richtung, vom Lehrenden zum Ausführenden ist, sondern eine Gemeinsamkeit, eine Einheit. Dann droht jäher Abbruch, die Aufführungen werden abgesagt wegen der Covid-Lockdowns.

Europa Passage

Sofia Glasl: Eine triste Hamburger Kreuzung entlockt der Roma Maria ein Seufzen - wie schön diese Stadt doch sei! Die Trostlosigkeit ist für sie und Ehemann Tirloi mittlerweile zum Zuhause zwischen den Welten geworden. Hier in Deutschland leben sie auf der Straße und betteln, um die Familie im rumänischen Heimatdorf zu versorgen. Dort warten Arbeitslosigkeit und noch mehr Armut. Filmemacher Andrei Schwartz hat das Paar sechs Jahre begleitet. Respektvoll und unsentimental dokumentiert er die Lebensentwürfe und setzt sie geduldig in Proportion zu hiesigen Lebensstandards.

Into the Ice

Magdalena Pulz: Zwölf Tage mit dem Zelt durch die Eiswüste wandern, sich 180 Meter tief in eine Eishöhle abseilen - das sind Aktivitäten, vor denen selbst extreme Alpinsportler Respekt haben. In der Dokumentation von Lars Henrik Ostenfeld erlebt man, wie sich Klimaforscher auf der grönländischen Eisplatte genau diesen Gefahren stellen, um verlässliche Daten über die Eisschmelze zu gewinnen. Ostenfeld erzählt die Geschichte der Forscher ruhig und gelassen, obwohl es an Drama nicht mangelt. Wer sich bei Landschaftsaufnahmen langweilt, der kann sich vielleicht an der Stimme Campinos erfreuen - der übernimmt im David-Attenborough-Style in der deutschen Fassung die Rolle des Erzählers.

Die Küchenbrigade

Susan Vahabzadeh: Eine wahrlich französische Perspektive auf die Welt geht ungefähr so: Essen ist ein Teil der Menschenwürde. In Jean-Louis Petits Komödie landet Cathy in einem Heim für unbegleitete geflüchtete Jugendliche, weil sie sich mit ihrer Chefin in einem Nobelrestaurant entzweit hat. Als Kantinenchefin hat die Puristin Cathy mit dem Heimleiter, der pro Kind nur acht Euro ausgeben darf, bald größeren Ärger. Bis sie ihm seinen Job aus der Hand nimmt - sie möchte nämlich die Kids für eine Zukunft in der gehobenen Küche fit machen. Der Weg dorthin ist leise lustig, vor allem aber herzerwärmend.

Moonage Daydream

Fritz Göttler: Ein überschwängliches Filmpoem über David Bowie von Brett Morgen, für das er Zugang zu jeder Menge Materialien aus dem Nachlass bekam, Konzertauftritte, Videoclips, TV-Talkrunden, alle möglichen Bekenntnisse, Selbststilisierungen, Verwandlungen, Kostümierungen ... Es gibt eine lockere Lebens-Chronologie, aber eigentlich folgt der Film seinem Helden, der vom Chaos fasziniert ist. Plötzlich bekommt auch der grandiose Exhibitionist Bowie eine gewaltige Zerbrechlichkeit, und es gibt einen Blick auf die von ihm gemalten Bilder, die er von der Öffentlichkeit immer ferngehalten hat - Gesichter von Menschen in Berlin (wo er lange lebte), von der Einsamkeit grausam verzerrt, die auch Bowie spürte. Keinen Tag vergeuden, rät er uns eindringlich, um diese Parole gruppiert Brett Morgen Filmbilder von Jeanne d'Arc, Nosferatu, dem schachspielenden Tod am Meer, dem Mann mit seinem Rasiermesser vor dem Auge einer Frau.

Ticket ins Paradies

Fritz Göttler: Sie schauen beide blendend aus, George Clooney und Julia Roberts, nach längerer Pause finden sie sich wieder vor der Kamera, der von Ol Parker, der unter anderen den zweiten "Mamma Mia"-Film gedreht hat. Sie sind ein Ehepaar, das nach fünf Jahren schon geschieden wurde und nun, wenn ein Aufeinandertreffen gar nicht vermieden werden kann, rasant und lustvoll wechselt zwischen Anpöbeln und Übertrumpfenwollen. Dann müssen sie doch wieder gemeinsame Sache machen, die Tochter hat nach dem Studienabschluss sich in einen jungen Mann verliebt, einen Algenfarmer, auf Bali, und die angesetzte Hochzeit muss auf jeden Fall verhindert werden. Natürlich haben es die fiesen Intrigen und Sarkasmen schwer gegen den Clooney- und Roberts-Charme, und dann ist da noch das romantische farbenprächtige Inselparadies!

Zur SZ-Startseite

"Ticket ins Paradies" im Kino
:Intrigant am Strand

Julia Roberts und George Clooney spielen in der Komödie "Ticket ins Paradies" ein Ex-Paar, das die Hochzeit der gemeinsamen Tochter verhindern will.

Lesen Sie mehr zum Thema