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Filmstarts der Woche:Welche Kinofilme sich lohnen und welche nicht

Das zukünftige Deutschland, das Tarek Ehlail in "Volt" zeichnet, ist düster, gewalttätig und heruntergekommen. Und Theodore Melfies "Hidden Figures" bietet bestes Unterhaltungskino.

Von den SZ-Filmkritikern

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Erzähl es niemandem

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Quelle: © Real Fiction

Diese deutsch-norwegische Lovestory beginnt 1942 am Polarkreis: Die junge Lillian verliebt sich in den deutschen Besatzungssoldaten Helmut. Doch dessen Uniform ist bloße Tarnung; seine Mutter Jüdin - auch nach Kriegsende sollte das stets geheim bleiben. Erzählen kann Lillian erst jetzt 87-jährig nach Helmuts Tod von den Wirren dieser Zeit - und sie tut es mit lebhaften, zärtlichen Erinnerungen. Klaus Martens Kamera folgt ihr an die Orte dieser Geschichte, die nicht spannungs- oder wendungsreich sein will, sondern reines Abbild einer verblassenden Vergangenheit.

Annett Scheffel

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The Eyes of My Mother

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Quelle: © 2016 Eyes of Mother, LLC.

Gewalt ist in vielen guten Horrorfilmen eine scheiternde Zuwendung, die exzessiv wird; unbezähmbare Gefühle durchschneiden den Körper. In Nicolas Pesces nachtschwarzer Filmperle verschließt eine junge Frau mit dem Messer fremde Augen vor dem Unausweichlichen: Dass Eltern irgendwann sterben, auch ihre. Auf deren Hof lebt und mordet sie, ein von Einsamkeit zerquälter Nachtmahr in der Weite der amerikanischen Landschaft.

Philipp Bovermann

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Familienfilm

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Quelle: © déjà-vu film

Spielt in Prag, beginnt wie ein typisches Middleclass-Familienkrise-Fernsehspiel, wenn die Eltern (Karel Roden, Vanda Hybnerova) zum Yacht-Urlaub nach Thailand verschwinden und ihre beiden Teenage-Kids sogleich mit Schuleschwänzen, Partyfeiern, Sex und Alkohol auf Abwege geraten. Regisseur Olmo Omerzu bemüht sich hartnäckig, den Erzählton auf Coolness und Ironie zu stimmen, und verliert dabei seine Figuren aus den Augen.

Rainer Gansera

4 / 11

From Business to Being

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Quelle: © 2015 mindjazz pictures

Der Homo oeconomicus steht am Rande des Nervenzusammenbruchs - und die Führungskräfte in Hanna Henigins und Julian Wildgrubers Dokumentation auch. Kurz versinkt der Film leider in Gedanken zur Unternehmensphilosophie, das nachdenklich stimmende Interview mit einem Investmentbanker, der nach einem Burnout aus seiner alten Arbeit ausgestiegen ist, lässt das aber schnell vergessen und macht den Film sehenswert.

Thomas Feiler

5 / 11

Hidden Figures - Unerkannte Heldinnen

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Quelle: © 2016 Twentieth Century Fox

Amerika 1961, Space Race, die NASA: im Raketenprogramm arbeiten Frauen, sie sind schwarz, sie können besser rechnen als ihre weißen männlichen Kollegen. Mehr jobimmanentes Konfliktpotenzial geht kaum, mehr Möglichkeit zur Diskriminierung auch nicht. Theodore Melfi zeigt drei Wissenschaftlerinnen bei der Pionierarbeit, nicht nur für die Raumfahrt, und er macht dazu aus Zeitgeschichte bestes Unterhaltungskino.

Doris Kuhn

6 / 11

Die irre Heldentour des Billy Lynn

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Quelle: © 2016 Sony Pictures Releasing GmbH

Irakkriegsheld Billy (Joe Alwyn) soll mit seiner Einheit während einem Football-Spiel in Dallas bei einer Siegesfeier mit Destinys Child auftreten. Ang Lee ist ein Genie: Sein in hoher Auflösung gedrehter Film lässt ein geschmackloses, patriotisches Spektakel in seiner nackten Hässlichkeit erstrahlen und zeigt es dennoch als phantastische, spirituelle Welt. Weiterer Pluspunkt: Kristen Stewart spielt mit.

Philipp Stadelmaier

7 / 11

Live By Night

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Quelle: Claire Folger

Florida in der Prohibitionszeit, die Gangster strömen aus dem ganzen Land in den Sonnenscheinstaat, um Rum zu schmuggeln und Mädchen aufzureißen. Ein Thriller über die Liebe zum Geld und zum leichten Leben, und natürlich auch über den Todestrieb, der beiden Leidenschaften innewohnt. Ben Affleck inszeniert die Geschichte nach einem Roman des Krimikünstlers Dennis Lehane, ein Spezialist für amerikanische Paranoia.

David Steinitz

8 / 11

Rings

RINGS

Quelle: Photo credit: Quantrell Colbert

Ein Tape, das man besser nicht anschauen sollte, ein Geistermädchen mit langen, schwarzen Haaren, das Erlösung sucht, und ein Franchise im Zeitalter der elektronischen Massenreproduzierbarkeit: Nach diversen Japanern, Amerikanern und einem Koreaner versetzt der Spanier F. Javier Gutiérrez die dem VHS-Zeitalter entwachsene Legende mit ein paar modernen Motiven, verlässt sich ansonsten aber vor allem auf bewährte Ideen, billige Schreckmomente und mittelmäßige Jungschauspieler. Das Versprechen einer Wiedergeburt lässt sich so nicht halten.

Anke Sterneborg

9 / 11

The Salesman (Forushande)

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Quelle: Habib Majidi; © Habib Majidi

Ein Künstlerpaar in Teheran spielt im neuen Film von Asghar Farhadi auf der Bühne Arthur Millers Tod eines Handlungsreisenden, privat stürzen die beiden in eine Krise - Rana ist zuhause überfallen worden und weigert sich, zur Polizei zu gehen, ihr Mann Emad macht sich selbst auf die Suche nach dem Täter. Farhadis Film ist ein komplexes, aber perfekt inszeniertes Gebilde aus Ehedrama und Thriller, in dem irgendwann die Strukturen des Patriarchats sichtbar werden.

Susan Vahabzadeh

10 / 11

Timm Thaler oder da verkaufte Lachen

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Quelle: © 2015 Constantin Film Verleih GmbH

Andreas Dresen hat einen Kinderfilm gemacht. Das ist eine gute Nachricht, unter anderem weil viele seiner Stammschauspieler mitspielen, zum Teil sehr lustige Rollen (Axel Prahl als Ratte!) Frei nach James Krüss erzählt Dresen vom Jungen Timm Thaler (Arved Friese), der sein Lachen verkauft, dafür jede Wette gewinnt, reich, aber unglücklich wird. Dresens Kapitalismuskritik wirkt gelegentlich etwas bemüht. Der Märchenton des Films, seine etwas altmodische Erzählweise aber sind charmant.

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Volt

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Quelle: © Farbfilm Verleih

Deutschland in der nahen Zukunft. Terrorisiert von einer aggressiven Polizeisöldnertruppe werden Flüchtlinge in sogenannte Transitzonen gepfercht. Die ohnehin explosive Lage eskaliert als der Titelheld (Benno Fürmann) bei einer Razzia einen Schwarzen ermordet. Von heimlicher Schuld getrieben, zieht es ihn in die Nähe der Schwester des Toten. Wie in früheren Filmen spitzt der Kampfsportler, Ex-Punk und Regie-Autodidakt Tarek Ehlail auch hier das volatile Potential der Wirklichkeit zu und setzt dabei vor allem auf atmosphärische Dichte an düster heruntergekommenen Schauplätzen und die gewalttätige Chemie in Männerbünden.

Anke Sterneborg

© SZ.de/alpi
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