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Fast Food:"Wir wollen nicht den ganzen Tag nur Salat essen"

McDonald's Burger Verpackung

Ein neuer Kinofilm erinnert an den Gründer von Mc Donald's.

(Foto: AP)

Die USA gelten als das Land von Burgern und Hot Dogs. Aber das Prinzip des billigen und schnellen Essens kannten bereits die Römer: Eine kleine Kulturgeschichte des Fast Foods.

Als er im Herbst 2009 nach Huntington, West Virginia, kam, brach Jamie Oliver in Tränen aus. So etwas war dem britischen Starkoch noch nie widerfahren. Kurz zuvor hatte man die Kleinstadt am Westhang der Appalachen zur ungesundesten Stadt der USA erklärt, wegen lauter trauriger Rekorde: Der höchste Anteil krankhaft übergewichtiger Menschen an der Bevölkerung, mehr als ein Drittel? Check. Die Stadt mit der höchsten Rate an Herzkranken in ganz Amerika? Check. Der zweithöchste Rang bei Diabetes? Check. Den Grund musste niemand lange suchen. Nicht ganz 50 000 Einwohner zählte Huntington, aber sechs McDonald's und drei Burger Kings, sechs Subway- und vier Taco-Bell-Filialen, vier Mal Wendy's und je zweimal Pizza Hut und Kentucky Fried Chicken, dazu mindestens ein Dunkin' Donuts. Und das sind nur die gängigsten Namen. Im Schulzentrum gab es Pizza schon zum Frühstück.

In Huntington also konnte Jamie Oliver, der Apostel einer schnellen, aber gesunden Küche, die Folgen des American Way of Life in ernährungstechnischer Hinsicht studieren. Ober besser: die Folgen jener Revolution der Essgewohnheiten, die Firmen wie McDonald's groß und Menschen wie McDonald's-Erfinder Ray Kroc (1902 - 1984) reich machten, jenen Handlungsreisenden für Milkshake-Mixer, der Mitte der 1950er die Wünsche der Babyboomergeneration erkannt hatte und ihnen in seinen Filialen Hamburger, Pommes und Coca-Cola als Inbegriff des schnellen Lebensgenusses servieren ließ. Sein Aufstieg ist Gegenstand des Kinofilms "The Founder", der jetzt in Deutschland anläuft. Es war der Beginn einer globalen Revolution in der Esskultur, die nach dem Zweiten Weltkrieg in den USA ihren Anfang nahm und für die es eben auch nur ein amerikanisches Wort gibt: Fast Food.

Schon die Römer liebten die schnelle Mahlzeit im Vorübergehen

Streng genommen ist Fast Food natürlich keine amerikanische Erfindung. Schon die Römer liebten die schnelle Mahlzeit im Vorübergehen. In Pompeji sind die steinernen Garküchen am Straßenrand noch zu besichtigen. Die Menschen in den Römerstädten waren sogar auf fliegende Händler und Essensstände angewiesen. Zumindest diejenigen, die man heute zu den Einkommensschwachen zählen würde, die in römischen Mietskasernen auf engstem Raum hausten und in ihren Wohnblocks gar keine Küchen zur Verfügung hatten, wo sie sich ein warmes Essen hätten zubereiten können. Damit sind sie im Übrigen den modernen Amerikanern gar nicht so unähnlich, mit dem Unterschied, dass die zwar in den meisten Fällen einen Herd oder zumindest eine Mikrowelle zu Hause stehen haben dürften, viele aber schlicht zu bequem sind, sie auch zu benutzen.

Auch die Engländer kannten Fast Food, lange bevor ein zwischen zwei Brötchenhälften platt gedrückter Hackfleischklops weltweit zu dessen Inbegriff wurde. Sie nannten es Sandwich, nach dem gleichnamigen Earl, der sich im späten 18. Jahrhundert Rindfleisch-Streifen zwischen zwei Weißbrotscheiben reichen ließ. Angeblich, weil ihm seine Spielleidenschaft keine Zeit ließ, vom Kartentisch aufzustehen und am dinner table Platz zu nehmen. Im Jahrhundert darauf leisteten die Briten dann noch einen weiteren Beitrag zur internationalen Cuisine des Fast Food: Fish & Chips, die Kombination von gebratenem Schellfisch und frittierten Kartoffelscheiben, lange die Hauptnahrungsquelle für die einfacheren Stände auf der Insel. Der erste Fish & Chips-Laden eröffnete angeblich 1860 im Londoner East End, dem Hafenarbeiterviertel. Und in der schweren Zeit nach dem Ersten Weltkrieg behauptete die Vereinigung der Fischfrittierer sogar: "Wir standen mehr als jedes andere Gewerbe in diesem Land zwischen den Ärmsten der Armen und Hungersnot und Revolte."

Ancient Rome. Pompei (Italy - Campania Region). Reconstructed ready-to-eat food restaurant ''thermopolium'' on the Via dell''Abbondanza. Color illustration

Schon die Römer liebten die schnelle Mahlzeit im Vorübergehen. Rekonstruktion einer Garküche in Pompeji.

(Foto: Picture Alliance/United Archiv)

Aber es war dann Amerika, wo man zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts mit dem Fließband nicht nur die industrielle Aufgliederung der Arbeit im Akkord erfand - sondern nach und nach auch die industrielle Organisierbarkeit des Lebens überhaupt entdeckte. Fast Food, also wortwörtlich schnelles Essen, wurde sozusagen zu einer Bedingung des modernen Seins: Leben - und Essen - im sich immer weiter beschleunigenden Takt der Zeit.

Fast Food kannten die Amerikaner natürlich ebenfalls schon, noch ehe sie einen Begriff dafür hatten. 1867 eröffnete der aus Deutschland stammende Metzger Charles Feltman an der Promenade von Coney Island in New York seinen ersten Stand für Hot Dogs: Wiener Würstchen, zwischen zwei Brötchenhälften, später mit jeder Menge Senf, Mayo und Ketchup festgepappt. Die Erfindung erwies sich als Renner, wobei bis heute nicht wirklich klar ist, warum das Wurstbrötchen als "Heißer Hund" Furore machte. Es ist wohl nur ein Gerücht, dass schmerzfreie Anbieter Hundefleisch für den Hot Dog genommen hätten; etwas wahrscheinlicher mag sein, dass die oft deutschstämmigen Metzger Dackel als Haustiere oder Wachhunde hielten, deren Form jener des Wiener Würstchen nicht ganz unähnlich ist.

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