Ernst Haas' Bildband "The American West":Ein Wiener und der Wilde Westen

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Ernst Haas' Bildband "The American West": Geblendet von den Lichtern: Ernst Haas' berühmtes Foto Route 66 in Albuquerque.

Geblendet von den Lichtern: Ernst Haas' berühmtes Foto Route 66 in Albuquerque.

(Foto: Ernst Haas/Prestel Verlag)

Wie ein österreichischer Fotoreporter in den USA Mythos und Geschichte verschmolz - und den Marlboro-Mann in Szene setzte.

Von Jörg Häntzschel

Als der österreichische Fotoreporter Ernst Haas 1950 aus dem schwarz-weißen Wien der Kriegsheimkehrer nach New York emigrierte, ging ihm das Herz auf. Doch seine eigentliche Heimat wurde der amerikanische Westen und die Farbfotografie. Was er bei seiner ersten Reise nach New Mexico suchte, war der alte wilde Westen. Er fand noch letzte Ausläufer: am Grand Canyon, im Monument Valley und in den überwältigenden Landschaften dazwischen. Doch immer öfter störte der Fortschritt die vorzivilisatorische Archaik, die Haas so faszinierte, am krassesten auf diesem Bild der Route 66 in Albuquerque.

Viele seiner etwas jüngeren, schon popkulturell sozialisierten Kollegen bannten wenig später begeistert die neue Welt der Motels, Fastfood-Schuppen, Muscle Cars und ihrer entwurzelten Fahrer auf Kodachrome. Auch Haas reizte das bunte Plastik. Doch ebenso wichtig waren ihm die idealisierten Landschaftsaufnahmen. Diese Ambivalenz macht den Reiz des Bildbands "The American West" aus. Büffel und Mobile Homes, Trucks und Wildpferde sind dort nebeneinander zu sehen.

Ernst Haas' Bildband "The American West": Ernst Haas: The American West. Prestel Verlag, München 2022. 208 Seiten, 50 Euro.

Ernst Haas: The American West. Prestel Verlag, München 2022. 208 Seiten, 50 Euro.

(Foto: Prestel (SZ))

Je länger Haas den Westen mit seiner Kamera durchzog, desto öfter fielen Geschichte und Mythos schließlich in eins: Auf den beeindruckenden Bildern etwa, die er von indigenen Amerikanern gemacht hat. Teils in den Reservaten, teils aber auch als Setfotograf des Westerns "Little Big Man" mit Dustin Hoffmann und Faye Dunaway. Seine "Indianer" sind Schauspieler! Noch weiter ging er mit seinen Fotos der dramatischen Ritte, Lagerfeuer und Mustang-Jagden des "Marlboro-Manns", mit denen Haas jahrelang und bis zu seinem Tod 1986 im Auftrag von Philipp Morris erfundene, aber enorm wirkungsvolle und wunderschöne Bilder des Wilden Westens in die Welt setzte.

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