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Die CDs der Woche - Popkolumne:Nostalgischer Wind

Sind das wirklich zwei verschiedene Bands? The Pop Group und die Gang of Four klingen nicht nur ähnlich, sondern scheinen auch beide im Jahr 1980 stecken geblieben zu sein.

Im Radio ist gerade ein Song sehr beliebt, der so ziemlich allem widerspricht, was es an Regeln für Hits gibt: Er hat keinen Dance-Beat. Keinen Sha-la-la-Refrain zum Mitgrölen. Nichts, wozu man beim Autofahren auf die Fahrertür hämmern könnte. Er ist vielmehr: eine Art Volkslied. Gesungen von einer zarten Mädchenstimme, erst verhalten, dann ergänzt um einen düsteren Chor und opulente Geigen. Der Song "The Hanging Tree" erfüllt kein einziges Klischee einer ordentlichen Nummer eins. Wie konnte er dennoch ein Hit werden? Die Antwort gibt's im Kino: Er stammt aus der Tribute-von-Panem-Reihe und wird gesungen von der Hauptdarstellerin Jennifer Lawrence.

Filmsongs werden oft zu Hits, klar - aber das sind eigentlich immer die Gute-Laune-Abspann-Lieder. Warum ist dieser merkwürdige Naturvolk-Singsang ein Hit? Weil er genau das Gegenteil ist. Weil er klingt wie ein Gefangenenchor kurz vor der Revolte (so etwas ähnliches ist er auch im Film). Man muss keinen der Panem-Filme gesehen haben - das eigenartige Ihr-da-oben-wir-hier-unten-Pathos kriegt einen trotzdem.

Vielleicht funktioniert "The Hanging Tree" vor allem als Bruch im morgendlichen Privatradio-Brei: Der Song spricht Menschen an, die täglich auf der Einbahnstraße des Lebens im Stau stehen. Vielleicht träumen sie zwischen Verkehrsmeldung und Möbelhauswerbung, sie könnten es eines Tages schaffen, aus all dem auszubrechen. Zumindest ein wehmütiges Volkslied lang.

Raritäten-Gala oder: totale Resterampe

Andere Frage: Haben Sie zu viel Geld und suchen gerade ein ungewöhnliches Geschenk? Morgen endet eine Auktion, die man mit gutem Willen als echte Raritäten-Gala bezeichnen könnte. Oder etwas nüchterner betrachtet: totale Resterampe. Das Online-Auktionshaus paddle8.com versteigert unter anderem eine Kreditkarte von Kurt Cobain (geschätzter Ertrag: 9 000 Dollar), Frank Sinatras Führerschein aus dem Jahr 1944 (vielleicht sogar 10 000 Dollar) und die Setliste eines U2-Konzerts von 1983 (eher nur 5 000).

Klar, mit solchen Stücken sind immer ein paar Dollar zu machen, aber man darf sich schon fragen, welche Niederungen der Bedeutungslosigkeit eigentlich erreicht sein müssen, bevor ein Auktionshaus sagt: Halt, das wird uns jetzt zu albern. Andererseits: Nein, da gibt es keine Grenze nach unten - vor Jahren hat schließlich auch jemand 2200 Dollar gezahlt für einen Toast, den angeblich George Harrison angebissen hatte. Und das, obwohl Harrison sich auf Anfrage weigerte, die Echtheit zu bestätigen. Sein Argument: Er esse seinen Toast immer ordentlich auf.

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