"Das Verschwinden der Eleanor Rigby" im Kino:Wenn Conor Eleanor gefunden hat, sehen wir ihm dabei über die Schulter

James McAvoy in einer Szene von "Das Verschwinden der Eleanor Rigby"

Connor (James McAvoy) kämpft nicht nur um die Liebe seiner Frau, sondern auch um das Überleben seiner Bar, die kurz vor dem Ruin steht.

(Foto: Prokino Filmverleih)

Alles in Abwandlung eines Satzes des Meister-Cutters Walter Murch, der sagte, man schreibe einen Film, drehe einen anderen, und schneide dann noch einmal einen anderen.

Zehn Jahre Vorlauf hatte Ned Benson für "Eleanor Rigby", doch erst, als er Jessica Chastain die Rolle anbot und sie das Drehbuch gelesen hatte, entstand die Idee, konsequent aus zwei Sichtweisen zu erzählen.

Sie bat ihn, der Sicht der Frau, die da weggeht, mehr Raum zu geben. Die Einteilung in Perspektiven - "His" erzählt die Geschichte nur von seiner Seite aus, "Hers" vertritt durchgehend nur ihre Sichtweise - ist ein ganz interessantes Mittel, um der gescheiterten Kommunikation auf den Grund zu gehen, die dieser Beziehung den Garaus gemacht haben muss.

Manchmal ist man nur Zuschauer - spannend wird es, wenn man in eine der Rollen gedrängt wird, durch die Kameraführung zum Beispiel. Wir sehen die Dinge aus der Perspektive der jeweiligen Seite - wenn Conor Eleanor endlich ausfindig macht, ihr durch die Straßen folgt zur Uni, sehen wir ihm dabei über die Schulter, wenn Eleanor in der Nacht, als Conor die Wohnung auszuräumen beginnt, von einer Ahnung getrieben endlich dorthin fährt, stehen wir hinter ihr im Flur.

Es ist schon so, dass das Vermischen der Perspektiven, das Kürzen auf ein handliches Format, "Eleanor Rigby" ein bisschen beraubt, des Potenzials, so richtig bahnbrechend zu sein - Jessica Chastain hat erkämpft, dass in den USA alle drei Filme ins Kino kommen.

Er weiß, wovon sie nie reden

Aber es sind auch so wunderbare Szenen dabei. Wenn Eleanors Vater ihr beispielsweise erzählt, wie er sie als kleines Kind einmal mitgenommen hat ans Meer, damals, als man sich Nantucket noch leisten konnte; und er hat sie verloren, für einen Augenblick. Es steckt das Eingeständnis darin, dass er nur einen Moment lang gefühlt hat, was sie fühlt - und doch weiß, was das ist, wovon sie da nie reden.

Das ist Bensons größte Stärke: dass er viel Gespür dafür hat zu zeigen, wie Menschen etwas nicht aussprechen, zwischen den Zeilen kommunizieren, mit Worten schweigen, den anderen erahnen und erfühlen - oder eben daran scheitern.

The Disappearance of Eleanor Rigby: Them, USA 2013/2014 - Regie, Buch: Ned Benson. Kamera: Chris Blauvelt. Schnitt: Kristina Boden. Mit: Jessica Chastain, James McAvoy, Ciaran Hinds, Isabelle Huppert, William Hurt. Prokino, 122 Minuten.

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