"Colombiana" im Kino Meisterin des Mordens

Eiskalte Rachegefühle, choreographisch perfekt iszeniert: Cataleya, gespielt von Zoë Saldana, ist Profikillerin - und besonders gut darin, ihre Arbeit so aussehen zu lassen, dass keiner dabei an Mord denkt. Der US-französische Action-Thriller "Colombiana" ist ein Tribut an das Genrekino Hollywoods, übersteigert es aber ins Perverse.

Von Fritz Göttler

Ja, sie sieht verdammt gut aus, Cataleya, gespielt von Zoë Saldana, der Na'vi-Braut aus "Avatar". Eine Einzelgängerin, mit neun hat sie ihre Eltern verloren, der Vater war ein hohes Tier in einem kolumbianischen Drogenkartell, bei einer Strafaktion des Bosses hat das Mädchen allein überlebt. Auf einem Chip hat der Vater ihr brisante Informationen über die Struktur des Kartells mitgegeben.

Eiskalte Killerin: Zoë Saldana in "Colombiana".

(Foto: dapd)

Eine Einzelgängerin, eine Solistin, eine Perfektionistin. Ihr Markenzeichen ist die Orchidee, die den gleichen Namen trägt wie sie. Der Onkel in Chicago hat sie aufgenommen, er versorgt sie regelmäßig mit Aufträgen. Cataleya ist Profikillerin, und sie ist besonders gut darin, ihre Arbeit so aussehen zu lassen, dass keiner dabei an Mord denkt.

Produzent Luc Besson ("Nikita", "Léon, der Profi") und sein Regisseur Olivier Megaton ("Transporter 3") sind verrückt nach Hollywoods Genrekino, sie wollen, dass es in ihren französischen Produktionen perfekt wiederaufersteht, den amerikanischen Standards gemäß. Sie wollen seine Reinheit bewahren, indem sie es radikal übersteigern, ins Perverse hinein.

Saldana ist souverän, wenn sie Pumpgun und Messer handhabt, sie kann voll konzentriert sein oder, in den wenigen Ruhepausen, entspannt und geistesabwesend. Aber als Figur ist sie nicht von Interesse für Besson und Megaton, nur als bewegliche Einheit im Raum, die mit den Gegebenheiten der locations spielt und mit den möglichen Reaktionen der Gegner.

Es ist die Choreographie, die in diesem Film fasziniert, wie das Zusammenspiel zahlreicher kleiner Einzelheiten und Ereignisse sich zu einer großen Bewegung zusammensetzt. Es ist reine Abstraktion, aber in einem wirklichen Raum - von Anfang an, wenn die neunjährige Cataleya vor den Mördern ihrer Familie durch die Straßen, Gärten, Häuser, Kanäle der Hauptstadt flieht. Eines ihrer Opfer schickt die Killerin nachts auf die Glasscheibe über seinem Aquarium in seiner hermetisch abgeschotteten Festung. Ein Hai tummelt sich in diesem Bassin, und gezielt wird die Scheibe von Cataleya zertrümmert. Es ist die Fragilität der menschlichen Existenz, die die Killer-Choreographie sichtbar macht.

COLOMBIANA, F/USA 2011 - Regie: Olivier Megaton. Buch: Luc Besson, Robert Mark Kamen. Kamera: Romain Lacourbas. Schnitt: Camille Delamarre. Mit: Zoë Saldana, Jordi Mollà, Cliff Curtis. Universum, 107 Minuten.

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